• Von der Reservequelle wird Wasser in die Wasserversorgung Wyssachen gepumpt. · Bilder: Liselotte Jost-Zürcher

  • Brunnenmeister Manfred Flückiger beim Pumpwerk der Wasserversorgung Sumiswald.

14.11.2018
Emmental

Wasser – ein kurz- und ein langfristiges Thema

Die Trockenheit während den Sommer- und Herbstmonaten wirkt sich aus: Die Quellen sind zurückgegangen oder versiegt. Wasserversorgungen wie beispielsweise Wyssachen müssen zeitweilig auf Reserven zurückgreifen. Die Gesamtschüttung ist tief wie in den letzten drei Jahren noch nie, und zu allem hin sind auch Betriebe, die sonst das Wasser aus privaten Quellen beziehen, auf die öffentliche Versorgung angewiesen.

Emmental / Oberaargau · «Wenn die Gesamtschüttung unserer Wasserbezugsquellen auf den nächsten Monat hin nochmals in dem Mass zurückgehen wie im letzten Monat, sind wir am Anschlag», sagt Roland Stocker, Werkhofleiter und Gemeindearbeiter der Gemeinde Wyssachen, gegenüber dem «Unter-Emmentaler». Seit Juli wird mit der Reservepumpe Wasser eingespiesen, um das Reservoir nachts wieder aufzufüllen.
Die Zahlen sprechen für sich: In «guten Zeiten» können insgesamt bis 600 Liter Wasser pro Minute laufen. Der Überschuss fliesst in die Bäche. Liefen im Juli 163 Liter Wasser pro Minute in die Versorgung, waren es im August durchschnittlich noch 118 l/min, im September gut 105 l/min, im Oktober 101,6 l/min.
Der letzte (wenige) Regen hatte gar keinen Einfluss auf Wyssachens Quellen, im Gegenteil. Die Schüttung ging gerademal um einen Viertel zurück und lag am 2. November bei gut 82 l/min, gesamthaft und mit der Reservequelle. «Die Schmerzgrenze liegt bei zirka 70 l/min; darunter würde es prekär», so Roland Stocker, der seit drei Jahren in Wyssachen arbeitet.
So habe beispielsweise ein Quellstrang im Wasserbezugsgebiet Mettlen bereits anfangs September abgestellt. «Das geschah auch bei meinem Vorgänger nie.»
Einschränkungen mussten bisher allerdings nicht gemacht werden. Als der Wasserverbrauch im Sommer höher war und unter anderem Gärten und Pflanzen bewässert wurden, floss genügend Wasser. Dennoch versuchen Private, Quellen nachzufassen. Laut Roland Stocker sieht dies auch die Wasserversorgung Boppigen vor, um mehr Wasser generieren zu können.

Engpass in zwei Betrieben
Zwei Betriebe beziehen zurzeit Wasser vom öffentlichen Netz: Die Freudigenegg und, einmal mehr und seit mehreren Monaten schon, das Panoramarestaurant Fritzenfluh. Trotz Investitionen in wassersparende Geräte in der Küche und in den WC-Anlagen liegt hier der Wasserverbrauch bei Hochbetrieb bei bis zu 7000 Liter pro Tag. «Da braucht es eine rechte Quelle, um diesen Bedarf zu decken», stellt Roland Stocker fest. Auch hier werde zurzeit abgeklärt, ob mit einer Nachfassung eine grössere Schüttmenge der eigenen Quelle erreicht werden kann.
Teilweise helfen sich die Privaten untereinander aus. «Trotz der Trockenheit gibt es private Quellen, die nach wie vor eine beachtliche Schüttung erreichen», weiss Roland Stocker.
Noch vermag das Trinkwasserreservoir der Gemeinde Wyssachen mit einem Inhalt von 100 m³ nachts vollzulaufen. Tagsüber muss auf die Reserve zurückgegriffen werden. Voll ist ebenfalls das Löschwasserreservoir mit einem Inhalt von 150 m³. Im ganz äussersten Notfall könnte das alte Reservoir Sager wieder aktiviert werden, das nach der Inbetriebnahme des neuen Reservoirs in den 1970er-Jahren stillgelegt worden ist. Diesen Quellen wurde mittlerweile eine Probe entnommen, um eine Wasseranalyse durchzuführen. Sollte der Untersuchungsbericht positiv ausfallen, wäre es eine Möglichkeit, einen Teil des Versorgungsnetzes vom Hauptnetz zu trennen und mit diesem das Reservoir zu betreiben.
Die Gemeinde Wyssachen wird gesamthaft aus insgesamt 18 kleineren Quellen versorgt, die teils zusammengefasst und von den Brunnstuben aus ins Netz geleitet werden. Einzig das Wasser der Reservequelle muss mittels einer Pumpe ins Versorgungsnetz gepumpt werden.
Roland Stocker beobachtet die Schüttungen gegenwärtig sehr genau. Dabei blickt er nicht nur auf die Messstation im Kirchgemeindehaus Wyssachen, sondern gemeinsam mit den Verantwortlichen der Gemeinde auch nach Bern. Seit Jahren schon wartet die Gemeinde auf den Kanton betreffend des GWP (Generelle Wasserversorgungsplanung, siehe Kasten).
«Es ist für uns massgeblich zu wissen, welche Projekte der Kanton unterstützen würde, um die Wasserversorgung in Wyssachen auch in Zukunft sicherstellen zu können.»

Pumpen anstatt Strom verkaufen
Anders ist die Lage in Sumiswald, obwohl die Verantwortlichen auch hier sehr genau hinschauen. Normalerweise liefert die Schwandbach-Quelle genügend Wasser für die öffentliche Versorgung der Dörfer Wasen, Sumiswald, Grünen und Trachselwald. Dieses Wasser fliesst «gratis», muss also nicht gepumpt werden. Doch auch nach dem letzten Regen vermochte die Quelle nicht oder nur sehr gering anzulaufen. Die Wasserversorgung erfolgt deshalb zurzeit vollumfänglich aus dem Reservoir, welches mit Grundwasser gefüllt wird. Der Grundwasserspiegel schwanke nicht wesentlich, so Sumiswalds Brunnenmeister Manfred Flückiger.
Eine an sich beruhigende Situation – aber eine teure. Denn das Wasser aus dem Überlauf der Versorgung wird turbiniert und der daraus entstandene Strom verkauft. Dieser «Zustupf» entfällt gegenwärtig; dazu kommen Pumpkosten. Auch dieser finanzielle Aspekt sei nicht wirklich ein Problem, das heisst, es wird sich nicht belastend auf die Gebührenzahler auswirken: «Wenn die Kosten höher sind, können wir weniger in die Infrastruktur investieren», sagt dazu Urs Schweizer, Präsident der Wasserversorgungsgenossenschaft Sumiswald.
«Wir investieren jährlich zwischen 380 000 und 400 000 Franken in den Unterhalt des Wasserversorgungsnetzes und sind sehr darauf bedacht, dass dieses in einem soliden Zustand ist.» In Jahren, wo die Kosten für die Ver-sorgung höher seien, werde eher nur in notwendige Reparaturen investiert. Damit kann sich Sumiswald hinsichtlich seiner Trinkwasserversorgung grundsätzlich einer sehr guten Lage erfreuen.
Für die Verantwortlichen ist dies allerdings kein Grund, nicht ernsthaft für die Zukunft zu planen. So sei in den letzten Jahren ein integrales Risikomanagement aufgebaut worden. Die Daten würden akribisch aufgezeichnet und laufend analysiert, stellt Urs Schweizer fest. Zudem werde gegenwärtig mit dem Kanton eine Strategie, möglicherweise auch mit überkommunalem Charakter geprüft. «Unser Ziel ist es, das Emmental-Wasser und die Ressourcen, die wir haben, sinnvoll einzusetzen und zu koordinieren.» Zudem gelte es, genau hinzuschauen, wie sich das Klima entwickle – «die Wissenschaft prophezeit für die kommenden Jahrzehnte extremere Wetterentwicklungen.»
Ebenso die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur. «Wir müssen sicherstellen, dass wir einen mittleren Wasserbedarf und wenn notwendig auch einen maximalen Bedarf, zum Beispiel bei einem Einsatz der Feuerwehr, abdecken können», so Urs Schweizer.
Die Zuständigen der beiden befragten Gemeinden sind sich einig: Wenn es weiterhin nicht mehrere Tage aneinander regnet, der Boden gefrieren sollte bevor es schneit, dann könnte sich die Lage drastisch verschlimmern. Denn abgesehen vom Druck, der auf den öffentlichen Wasserversorgungen lasten würde, kämen viele Haushaltungen und Betriebe dazu, die ihren Bedarf nicht mehr aus den privaten Quellen decken könnten.
In einer etwas komfortableren Situa-tion ist Huttwil. Die Gemeinde wird mit Grundwasser versorgt. «Die gegenwärtige Trockenheit hatte bisher keinen Einfluss auf den Grundwasserstrom», sagt der Huttwiler Bauverwalter Beat Rickenbacher auf Anfrage des «UE». Wenn nötig könnte mehr gepumpt werden. «Nach jedem Pumpen geht der Spiegel um rund 20 cm zurück, gleicht sich aber nach kurzer Zeit wieder aus.» Allerdings sei es möglich, dass Ende Jahr weniger Grundwasser fliesse, da der Grundwasserstrom erst nach einigen Monaten auf Trockenheit reagiere. Aber kaum in dem Masse, dass es für die Gemeinde problematisch werde.

Fehlende Versorgungssicherheit
Hingegen fehlt in Huttwil die Versorgungssicherheit. Die Gemeinde verfügt für die Versorgung über kein Quellwasser mehr, bezieht das Wasser ausschliesslich aus dem Reservoir im Huttwilwald. Würde diese einzige Versorgung aussteigen, könnte je nach Situation die alte Pumpanlage in der Nähe der Sägerei Ammon wieder in Betrieb genommen werden.
Diese liegt am selben Grundwasserstrang wie die Wasserversorgung im Huttwilwald. «Würde es wegen einer Verschmutzung dazu kommen, dass das Werk im Huttwilwald abgeschaltet werden müsste, hätte die Gemeinde mit der Inbetriebnahme des alten Pumpwerks rund drei Monate Zeit, eine andere Lösung zu suchen», so Beat Rickenbacher. Denn so lange würde es dauern, bis das Grundwasser vom Huttwilwald zur alten Pumpanlage geflossen wäre. Würde eine solche Situation eintreffen, müsste die Inbetriebnahme des alten Pumpwerks mit dem AWA und mit dem Regierungsstatthalteramt abgesprochen werden. Längerfristig aber sei eine solche Lösung keine Sicherheit.

Zwei Möglichkeiten
So schaut auch Huttwil auf den Kanton, in dessen Zuständigkeit die Versorgungssicherheit und die Planung liegt. Zurzeit werden laut Beat Rickenbacher für Huttwils Wasserversorgungssicherheit zwei Möglichkeiten geprüft: Der Anschluss beim WUL (Gemeindeverband Wasserversorgung untere Langete), der über genügend Wasser auch für Huttwil verfügen würde. «Das allerdings würde lange und teure Leitungen benötigen», so der Bauverwalter.
Das zweite Projekt, das der Kanton am Abklären ist, ist eine überkantonale Zusammenarbeit mit dem Luzerner Hinterland. Im kleineren Rahmen existiert eine solche zurzeit schon zwischen Ufhusen und Huttwil: Es besteht eine Verbindungsleitung zum Reservoir Ufhusen, aus welchem Löschwasser eingespiesen werden könnte, sollte die Feuerwehr in Huttwil bei einem grossen Ereignis über zuwenig Löschwasser verfügen.

Von Liselotte Jost-Zürcher

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