• Béatrice Lüthi und Fredy Lehmann eröffneten die Gewerbeausstellung. · Bild: Peter Friedli

25.04.2017
Oberaargau

Eine «MEGA»-mässige Ausstellung

Grosser Aufwand, viel Fantasie, die Liebe zum Handwerk und zum Detail und schlussendlich auch noch das prächtige Wetter haben die Gewerbeausstellung Melchnau, die «MEGA» 2017, zum Erfolg geführt. Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher verhalfen den Ausstellenden zu einer einmaligen Plattform, um sich und ihre Betriebe zu präsentieren.

Melchnau · «Tue Gutes und sprich darüber – denn sichtbar sein ist das Wichtigste für die KMU», stellte Béatrice Lüthi, Gesamtleiterin Lüthi Aufzüge AG in Lindenholz und Präsidentin des Wirtschaftsverbands Oberaargau, an der Eröffnungsfeier der «MEGA» fest. Sie lobte den Kraftakt der Ausstellenden, nebst ihren Alltagsgeschäften einen Grossanlass wie die Gewerbeausstellung zu stemmen und an drei Tagen in Folge präsent zu sein. «Ich bin beeindruckt von eurem Engagement.»
Das Online-Geschäft bedeute eine grosse Herausforderung für alle Gewerbetreibenden. Das Geld bleibe nicht mehr in der Region, ganz abgesehen davon, dass 80 % der Ware, welche per Internet bestellt werde, zurückgesandt werde. Schlimmer noch sei es, wenn sich Leute in den Fachgeschäften beraten lassen würden und die Ware dann online und billiger im Ausland bestelle. «Es ist nicht böse gemeint, aber die Leute machen sich einfach keine Gedanken darüber, was dies für die Schweizer Wirtschaft bedeutet. Das heisst für uns: Das Verhalten der Leute ändert sich, deshalb müssen auch wir uns verändern.»
Sie sei überzeugt, dass das Handwerk Zukunft habe. Zurzeit seien Gymnasium und Studium ein Trend. Doch das Niveau an den Gymnasien sinke. So oder so: «Gute Köpfe an der Uni werden nichts nützen, wenn niemand mehr das Handwerk kennt. Die Erfahrung als Praktiker gibt es nur durch üben, üben und nochmals üben. Sie ist die Grundlage dazu, Maschinen und Geräte zu entwickeln.» «Wär wott de d’Heizig, ds Outo flicke, we kene me ä Lehr macht?», fragte sie.
Die Grundlage für eine Karriere sei eine gute Lehre. Dabei würde es auch Sinn machen, wenn mehr Mädchen eine technische/praktische Lehre absolvieren würden.
Béatrice Lüthi warf auch einen Blick auf die wirtschaftliche Lage. Für die Schweiz seien die Prognosen zurzeit – ausser etwa für die Uhrenindustrie und die Zulieferindustrie, welche unter grossem Preisdruck stehe – recht verheissungsvoll. Doch das globale, zurzeit sehr unsichere Geschehen könne die Schweizer Wirtschaft unter Umständen negativ beeinflussen.

Chancen für Oberaargauer Betriebe
Auch den Oberaargau nahm die Unternehmerin ins Visier. Hier habe in den letzten Jahren eine De-Industrialisierung stattgefunden; es seien viele Arbeitsplätze abgebaut worden. Trotzdem gebe es für die hiesigen Betriebe Chancen: «In Europa und auch in Asien steigen die Produkteabnahmen.» Es spiele keine Rolle, wo, sondern allein was und wie produziert werde. Erfolgreiche Betriebe in der Region wie unter anderem Lantal, Langenthal und Melchnau, oder Heiniger Tierprodukte in Herzogenbuchsee  würden dies beweisen.
Kurz nach sechs Uhr am Freitagabend eröffnete OK-Präsident Fredy Lehmann gemeinsam mit Béatrice Lüthi die «Leistungsschau für das Publikum», wie er die «MEGA» nannte.
In Stosszeiten stiess sich das Volk fast durch die liebe- und fantasievoll eingerichteten Stände. Wettbewerbsboxen füllten sich, Glücksräder liefen heiss, und mit «Müsterli», Prospekten, zuweilen auch mit einer Offerte oder dem Handschlag für einen Auftrag, vor allem aber mit sympathischen Eindrücken, verliessen die Gäste die Ausstellung, um draussen die Geselligkeit zu pflegen.
Viel Freude bereitete auch das bunte Rahmenprogramm mit musikalischen Attraktionen, Autogrammstunde, Pole-Dance-Präsentation, Modeschau, Flugdemos der Modellfluggruppe Langenthal und mehr. 

Von Liselotte Jost-Zürcher

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