• Gutgelaunt an der Arbeit: «Packen wir es an!». · Bilder: Hans Mathys

17.10.2017
Region

Jugendliche putzen den Aspisee

Der Aspisee auf Gemeindegebiet von Obersteckholz ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Einmal mehr leisteten dort am letzten Freitag Lernende der Stadt Langenthal, der Industriellen Betriebe Langenthal und der Clientis Bank Oberaargau wertvolle Unterhaltsarbeiten.

OBERSTECKHOLZ · Mystisch – weil mit Nebelschwaden eingehüllt – präsentiert sich der idyllisch im Wald zwischen Langenthal und Obersteckholz gelegene Aspisee an diesem Herbstmorgen um 8 Uhr. Nach und nach treffen Jugendliche ein – total 26 Lernende der Stadt Langenthal, der Industriellen Betriebe Langenthal und der Clientis Bank Oberaargau. Diese brechen für einmal aus dem Berufsalltag aus und verrichten an diesem Freitag nicht primär Kopf-, sondern Handarbeit. Dies mit dem Ziel, den Aspisee, Gräben und Tümpel zu säubern sowie die Wege mit Jurakies zu planieren. 

 

Kampf gegen die «Krebsschere»

Dies geschieht auch dieses Jahr unter der kundigen Leitung der Familie Widmer aus Obersteckholz, die bei ­ihren Anweisungen immer den richtigen Ton findet und so die Jugendlichen zusätzlich motiviert. «Dieses Jahr liegt die Priorität bei den Seearbeiten», verrät Denise Krieg-Wälchli, Kadermitglied der Clientis Bank Oberaargau und selber (sehr) aktiv an der Putzaktion am Aspisee beteiligt. Vor allem der Wasserpflanze namens Krebsschere wolle man den Garaus machen, was – so stellt sie freudig fest – zunehmend zu gelingen scheint. Sie lobt die überall gute Stimmung bei den Lernenden – und tatsächlich hört man, als hätte diese Aussage bewiesen werden müsste, in der Nähe fröhliches Lachen. 

Der abwechslungsreiche und naturverbundene Tag scheint Anklang zu finden. Dies umso mehr, als inzwischen die Sonne den Kampf gegen den Nebel gewonnen hat und zusätzlich für gute Laune sorgt. Einige sagen der Krebsschere von einem Boot aus den Kampf an, andere tun dies in hohen Stiefeln im Wasser stehend – und auch vom Ufer aus wird der hier unerwünschten Wasserpflanze mit Rechen zu Leibe gerückt. 

 

Verdiente Mittagspause

Um 12 Uhr ist Mittagspause. Nachdem die im Einsatz Stehenden am Morgen bereits mit Kaffee, Tee und Gipfeli verwöhnt worden waren, warten nun – von Roger Aeschbach zubereitet –  Pouletgeschnetzeltes, Teigwaren, Salat und Dessert – auf die hungrigen Mäuler. Körperliches Arbeiten fördert Hunger und Durst. An den ­Tischen wird aber nicht nur gegessen und getrunken, sondern auch ge­plaudert. Erste Erfahrungen dieses ­Morgens werden ausgetauscht. Alina ­Winterberg – sie wird im November 16-jährig und ist Lernende bei der Stadt Langenthal – verrichtete Arbeiten mit der Sense. Ihr Fazit ist zugleich Bonmot des Tages: «Heute habe ich Muskeln gebraucht, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe.» 

Es sei ein toller Anlass. Auch die 16-jährige Victoria Cataldo, Lernende bei der Clientis Bank Oberaargau, findet diesen Putztag eine «sehr gute ­Aktion». Stand sie am Morgen noch mit dem Rechen in der Hand am Ufer, um Krebsscheren aus dem Wasser zu «fischen», wird sie am Nachmittag mit einer Schaufel bewaffnet sein, um damit – in Teamarbeit mit zwei jungen Männern – ein Kanälchen zu säubern und «auszubaggern», damit das Wasser wieder optimal und hindernislos zirkulieren kann. 

Monica Alonso von den Industriellen Betrieben ist in der Nähe einer Karrette voller Jurakies anzutreffen. Ob sie sich hier beim Planieren des Weges zur Expertin mausert? Sie freut sich über das Prachtswetter – aber nicht nur: «Ich bin mit Leidenschaft dabei. Die Zeit geht sehr schnell vorbei. Kaum ist die 10-Uhr-Pause vorbei, ist bereits das Mittagessen parat.»

 

Win-win-Situation für alle 

Einen Augenschein von den diversen Arbeiten nehmen neben Franz Hofer und Marco Burkhalter (Gemeinderäte Obersteckholz) auch Vertreter jener Institutionen, die Lernende an dieser Aspisee-Putzaktion zur Verfügung stellen. So ist die Stadt Langenthal mit Stadtpräsident Reto Müller und Stadtbaumeister Enrico Slongo vertreten, die Industriellen Betriebe mit Direktor Rudolf Heiniger, Marcel Zinniker (Leiter Bereich Finanzen und Dienste) sowie Ralph Markowski (Leiter Bereich Netze). Von der Clientis Bank Ober­aargau sind sogar fünf hochkarätige Vetreter vor Ort. Heinz Trösch (Direktor), Stefan Wälchli (stellvertretender Direktor) sowie die beiden Vizedirektoren Roland Auf der Maur und Marcel Venetz. Bankleiter Heinz Trösch: «Ich liebe Traditionen wie diese Putzaktion, die aus dem Veranstaltungskalender nicht mehr wegzudenken ist und eine Win-win-Situation für alle ist. Wir tun mit jungen Leuten etwas für dieses schöne Naherholungsgebiet, und zudem lernt man sich hier bei dieser Zusammenarbeit auch mal ausserhalb des Berufes kennen. Schön, dass auch die Behörde dabei ist.» 

Am gemeinsamen Mittagessen gibt es denn auch eitel Diskussionsstoff mit grosser Themenvielfalt – von der Aspisee-Putzaktion, die vor vier Jahren (2013) des starken Scheefalles wegen abgesagt werden musste, bis zu den Vor- und Nachteilen des Standortes der neuen Eissporthalle in Langenthal. Ein unvergesslicher Tag für alle – wobei die auch am Nachmitttag zum Wohle der Allgemeinheit nochmals kräftig zulangenden Lernenden abends müde von der körperlichen Arbeit am Aspisee ins Bett gesunken sein dürften – vielleicht sogar mit einem Anflug von Muskelkater. 

Von Hans Mathys

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