• An das bald hundertjährige Sekundarschulhaus (rechts) wird anstelle der heutigen maroden Bauten ein neuer, grösserer Bau mit Turnhalle, Klassenzimmern und Nebenräumen erstellt. · Bild: zvg

22.03.2017
Emmental

Ein neues Kapitel in der Schulraumplanung

Das redimensionierte Projekt für die Sanierung und Erweiterung der Sekundarschulanlage in Rüegsauschachen gefällt, und auch die Notwendigkeit der baulichen Massnahmen wird mehrheitlich nicht bestritten. An der Abstimmung vom 25. Juni geht es nun darum, den Planungskredit auf stolze 1,4 Mio. Franken zu erhöhen. Bei einer Ablehnung müsste die Weiterplanung eingestellt werden.

Rüegsauschachen · An der jüngsten Informationsveranstaltung des Gemeinderates ist der Öffentlichkeit ein neues Kapitel in der nun schon fast unendlichen Geschichte der Schulraumplanung Rüegsauschachen präsentiert worden.
Wurde im Juni 2013 bei der Genehmigung des ersten Projektierungskredits noch von acht Millionen für die Sanierung von Primar- und Sekundarschulhaus gesprochen, stieg diese Zahl im weiteren Planungsverlauf in astronomische Höhen. So musste die im letzten Jahr präsentierte Idee in den letzten Monaten ganz gewaltig zurückgestutzt werden. Trotz allen Reduk-
tionsbemühungen kommen die Planenden noch immer auf Kosten von 17,6 Mio. Franken. Das ohne die bisher aufgelaufenen, respektive noch zu bewilligenden, Planungskosten von 1,4 Mio. und auch ohne Sanierung des Primarschulhauses.
Weil durch die lange Planungszeit und den im Jahr 2013 wohl ungenügenden Unterlagen der damals bewilligte Planungskredit von 605 000 Franken bis auf wenige Franken aufgebraucht ist, müssen nun die Stimmberechtigten der Gemeinde am 25. Juni 2017 an der Urne diesen um 750 000 auf 1,4 Mio. Franken aufstocken.

«Nice to have» wurde eliminiert
Eines sei trotz den grossen Zahlen ausdrücklich festgehalten: Das vom Berner Architekten Hanspeter Bürgi vorgestellte Vorprojekt für die Sanierung und Erweiterung der Sekundarschule gefällt. Wie schon früher vorgesehen soll der Gebäudetrakt mit Turnhalle neben dem bald hundertjährigen, und sich im Inventar der Denkmalpflege befindenden, Schulhausgebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Im Gegensatz zu den Annahmen vor einem Jahr wurden in der Zwischenzeit die Gebäudekubaturen massiv reduziert. Laut der vorgestellten Verzichtstrategie gab es eine Flächenreduktion von beachtlichen 1 100 m², die Schulküche wurde am bisherigen Standort belassen, die Masse der neuen Turnhalle reduziert und auf den Einbau eines Kindergartens im Primarschulgebäude verzichtet. Dieser soll als Elementbau neben dem Primarschulgebäude neu erstellt werden. Auch in betrieblicher Hinsicht wurde optimiert, sind nun doch für einzelne Räume vermehrt Doppelnutzungen vorgesehen.
Betrachtet man all die Reduktionen, scheint es fast als ob bei der anfänglichen Planung von aussen zu viel «nice to have» eingeflossen sind, welche nun in der Überarbeitung zurecht dem Rotstift zum Opfer gefallen sind. Für den Neubauteil ist laut Architekt Hanspeter Bürgi eine Holzbauweise vorgesehen, das nicht zuletzt aus Gründen einer kurzen Bauzeit, können doch die meisten Elemente in der Werkstätte vorgefertigt werden. «Wir haben enorm viel Zeit für die Projektanpassungen aufgewendet und bei allen Diskussionen standen die Finanzen im Vordergrund. Heute haben wir ein Vorprojekt, zu dem ich stehen kann», betonte der Leiter des Gesamtprojektausschusses, Gemeinderat Andreas Hängärtner.

Folgekosten gaben zu reden
Eigentlich sollte die Gemeinde Rüegs-au keine allzu grosse Angst vor den Folgekosten dieser Investition haben. Schon jetzt erhält sie seit 2012 von den drei Anschlussgemeinden Hasle b.B., Affoltern und Lützelflüh pro Jahr fast eine halbe Million Franken als Infrastrukturbeitrag, der allerdings schon jetzt zu einem grossen Teil für den unerlässlichen Unterhalt der Schulanlagen verwendet wurde.
Der Rest in leider nicht genannter Grösse floss danach in die allgemeine Rüegsauer Gemeindekasse. Gemeindepräsident Fritz Rüfenacht hielt sich bedeckt und wollte auf entsprechende Anfrage hin nicht ausdrücklich bestätigen, dass damit in den letzten Jahren die Gemeinderechnungen geschönt wurde. Dem ehemaligen Gemeindepräsidenten Peter Dubach, der vor Jahren die Gemeinde aus einer finanziellen Notlage geführt hat, stiess sauer auf, dass an der Orientierungsversammlung nicht eingehender über die finanziellen Folgen der Grossinvestition orientiert wurde: «Das Projekt gefällt, es hat bloss den Nachteil, dass es nicht etap-piert ausgeführt werden kann und so auf einen Schlag hohe Folgekosten entstehen, welche die Gemeinde wieder in den finanziellen Abgrund bringen werden.»

Mut oder Vorsicht?
Eingehend legte er die zukünftige negative Entwicklung der Gemeindefinanzen ab dem Jahr 2022 dar und prophezeite eine massive Steuererhöhung. «Leider höre ich auch heute keine verlässlichen Zahlen über die finanzielle Zukunft unserer Gemeinde, hier hat der Gemeinderat schlicht und einfach seine Aufgaben noch nicht gemacht», kritisierte er.
Andreas Mathys, selber auch ehemaliger Gemeinderat, sagte dagegen, dass man jetzt den Mut haben solle dieses Vorhaben umzusetzen: «Leider können wir bei den Schülerzahlen nicht weiter vorausplanen als auf sechs Jahre. Betrachten wir jedoch die aktuellen Zahlen, stellt man rasch fest, dass schon bald neuer Schulraum dringend notwendig ist.»

Schicksalstag für die weitere Planung
Weil der ursprünglich bewilligte Kredit aufgebraucht ist, müssen momentan die Planungsarbeiten eingestellt werden. Diese können nämlich erst fortgesetzt werden, wenn die Rüegsauer Stimmberechtigten am 25. Juni 2017 dem Antrag des Gemeinderats folgen und den ursprünglich von der Gemeindeversammlung bewilligten Kredit von 650 000 Franken um 750 000 auf 1,4 Mio. Franken aufstocken. Was aber, wenn diese Krediterhöhung abgelehnt wird? «Da müssen wir halt schauen, wie es weiter geht und allenfalls mit weiteren Provisorien arbeiten, denn einen Plan B haben wir nicht», bekamen die rund 150 Teilnehmenden der Orientierungsversammlung vom Gesamtprojektleiter zu hören.

Von Ernst Marti

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