• Stadt- und Städtlipräsident freuen sich auf ihre Amtszeit: Reto Müller (Langenthal, rechts) und Walter Rohrbach (Huttwil). · Bild: Walter Ryser

09.01.2017
Oberaargau

13 Gemeindepräsidenten verabschiedet

Das Asylwesen im Oberaargau habe ihn und seine Mitarbeiter im Jahr 2016 sehr stark beschäftigt, sagte der Oberaargauer Regierungsstatthalter Marc Häusler beim traditionellen Neujahrsapéro. Neben weiteren interessanten Informationen und statistischen Zahlen konnte Häusler dieses Jahr die Rekordzahl von 13 abtretenden Gemeindepräsidenten verabschieden.

Wangen an der Aare · Grossaufmarsch im Schloss Wangen an der Aare zum traditionellen Neujahrsapéro des Oberaargauer Regierungsstatthalters Marc Häusler: Nicht weniger als 90 Gemeindevertreter, Grossräte und Verwaltungsangestellte waren erschienen. 

Auch im Oberaargau sind die Auswirkungen der Flüchtlingskrise spürbar, wie Marc Häusler den Gemeindevertretern zu verstehen gab. Er erwähnte, dass ihn das Asylwesen im Oberaargau im letzten Jahr stark beschäftigt habe. So seien in diesem Zusammenhang für die Regierungsstatthalterämter neue Aufgaben entstanden. Im Verwaltungskreis Oberaargau habe man im letzten Jahr 422 zusätzliche Asylsuchende unterbringen müssen. Kantonsweit seien es insgesamt 3300 gewesen. Die Aufgabe sei man mit einer Informationsveranstaltung für die Gemeinden angegangen. 

«Mit einigen Gemeinden haben wir direkt Gespräche geführt», bemerkte Häusler. Die Bemühungen des Regierungsstatthalters zeigten Wirkung: So konnte neben dem Flüchtlingszentrum in Aarwangen neu eine Kollektivunterkunft in Niederbipp eröffnet werden. In Huttwil entstand ein Ankunftszentrum für unbegleitete minderjährige Asylsuchende. Die Gemeinde Madiswil habe die Zustimmung erteilt, ein Zentrum für maximal 25 unbegleitete minderjährige Asylsuchende zu eröffnen, und Niederönz habe sich bereit erklärt, als strategische Reserve in der Zivilschutzanlage eine Kollektivunterkunft zur Verfügung zu stellen.


Projekt sorgt für Aufsehen

Häusler betonte gegenüber den Gemeindevertretern, dass das Thema damit noch nicht erledigt sei. «Wir müssen weitere Plätze finden. Deshalb suchen wir weiter und werden auch dieses Jahr wieder das Gespräch mit den Gemeinden suchen.» Er hoffe sehr, dass man erneut im Dialog Lösungen finden werde, damit er keine Verfügung aussprechen müsse. 

Erfreut zeigte er sich dagegen vom Ergebnis der Inspektion des Regierungsstatthalteramtes. Die Überprüfung vom 10. November 2016 habe mit einem sehr guten Resultat geendet.

Erfreulich sei auch die Resonanz auf das Projekt «Junge Gemeindepolitiker Oberaargau» ausgefallen (der «Unter-Emmentaler» berichtete mehrfach). So habe man dieses an der Vorstandssitzung des Schweizerischen Gemeindeverbandes (SGV) vorstellen dürfen. Die Verantwortlichen seien von diesem Projekt derart begeistert gewesen, dass es später sogar noch an einem Treffen des SGV mit economiesuisse, dem grössten Dachverband der Schweizer Wirtschaft, vorgestellt werden durfte. 

Die Geschichte werde 2017 weiter entwickelt, hielt Marc Häusler fest und erwähnte, dass man daran sei, einen zweiten Flyer zu entwerfen. Gleichzeitig wolle man den Wirtschaftsverband Oberaargau (WVO) einbeziehen. «Wir möchten vermehrt den Arbeitgebern aufzeigen, dass auch sie davon profitieren können, wenn sich ihre Mitarbeiter in politischen Ämtern engagieren», sagte Häusler.

Die übrige Arbeit im Regierungsstatthalteramt unterschied sich zum Vorjahr nur marginal. Mit 48 eingereichten Beschwerden blieb die Anzahl auf dem Niveau des Vorjahres (47). Allerdings hielt der Regierungsstatthalter fest, dass die Fragestellungen bei den Beschwerden immer komplexer würden und oft einen Anwalt erfordern. Erfreulich sei dagegen, dass die gefällten Entscheide grossmehrheitlich akzeptiert würden. So wurden im letzten Jahr lediglich zwei Entscheide weitergezogen. Weiterhin auf sehr hohem Niveau befinden sich die Baubewilligungen. Letztes Jahr sind 205 eingegangen (Vorjahr 205 und 2014 gar 218).


Oberaargauer feiern gerne

Erstaunt zeigte sich Häusler dagegen, dass auch die Bewilligungen im Gastgewerbe weiter zunehmen, obwohl die Branche über fehlende Gäste und sinkende Umsätze klage. Letztes Jahr sind 18 Bewilligungen eingereicht worden, womit die Anzahl Gastgewerbebetriebe im Oberaargau auf 620 anstieg (Vorjahr 616). Auch gefeiert werde im Oberaargau immer mehr, stellte Marc Häusler lachend fest. So habe er im vergangenen Jahr die Rekordzahl von 877 gastgewerblichen Einzelbewilligungen erteilt (Vorjahr 845). 

Stark zugenommen hätten auch die Fälle von häuslicher Gewalt. Deren 48 registrierte der Regierungsstatthalter im Jahr 2016 (Vorjahr 28). Zum Schluss durfte er noch einen weiteren Rekord vermelden. Er verabschiedete nicht weniger als 12 Gemeindepräsidenten und einen Stadtpräsidenten, die Ende letzten Jahres ihre Ämter abgaben. Bei 46 Gemeinden im Verwaltungskreis Oberaargau sei das eine stolze Zahl, bemerkte der Regierungsstatthalter.

Unter dem Motto «Entscheiden in Extremsituationen» stand das Referat des neuen Langenthaler Gemeinderates Michael Witschi, der 2015 am «Redbull X-ALPS» teilgenommen hatte, einem Extrem-Sportanlass, bei dem eine Alpenquerung per Gleitschirm und zu Fuss von Salzburg bis nach Monaco absolviert werden muss. Routen und Lufträume sind vorgegeben. 


Notlandung mitten im See

Witschi schilderte in eindrücklichen Worten, Bildern und Videosequenzen das Abenteuer, bei dem er körperliche und mentale Grenzerfahrungen gemacht habe. Damit man das Ziel vor Kontrollschluss erreiche, habe man an einem typischen Renntag 130 km im Flug mit dem Gleitschirm und rund 40 km zu Fuss absolvieren müssen. In dieser Zeit habe man insgesamt sechs Liter Flüssigkeit und rund 18 Mahlzeiten zu sich nehmen müssen. 

Der tägliche Kalorienbedarf habe bei rund 10 000 Kilokalorien gelegen. Das entspreche etwa 78 Bananen oder 14 Big Macs pro Tag. «Ohne isotonische Getränke macht man es nicht lange», bemerkte Witschi dazu.

Er schilderte, dass er im Teilnehmerfeld mit vielen Profis schwere Momente überstanden und dabei auch ans Aufgeben gedacht habe – spätestens nachdem er mitten in einem See mit dem Ersatzschirm habe notlanden müssen. Nach diesem Erlebnis sei er mental angeschlagen gewesen und habe in der Folge viele Fehler begangen. Der zwischenzeitlich auf dem fünften Rang klassierte Langenthaler fiel weit zurück und benötigte zum Schluss eine schier unglaubliche Willensleistung, um das Rennen noch vor Kontrollschluss zu beenden. 

Innert kürzester Zeit musste er zu Fuss 85 km zurücklegen, notabene nach einem bislang sehr anstrengenden und strapaziösen Rennverlauf. Er habe das Gefühl gehabt, dass er teilweise auf rohem Fleisch laufe, so hätten ihn die Füsse geschmerzt, erwähnte Witschi. Doch der Langenthaler schaffte es und traf 75 Minuten vor Kontrollschluss als Letzter in Monaco ein.

Dieses Erlebnis habe ihm eine Menge wichtige Erkenntnisse für sein Leben als Politiker und Unternehmer geliefert, hielt er zum Schluss fest und erwähnte, dass man nicht auf andere schauen und keine voreiligen Entscheide treffen solle, die eigenen Grenzen kennen und die Kräfte geschickt einteilen müsse. Die wichtigste Erkenntnis bezeichnete Michael Witschi aber wie folgt: «Wir können so viel, wenn wir nur wollen.»


Von Walter Ryser

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