• Der Bündner Regisseur stellte die vier Phasen der Gartenoper Langenthal «Der Wildschütz» vor. · Bild: Hans Mathys

  • Beat Wächli, Präsident des Vereins Gartenoper, begrüsste die 240 Gäste.

08.12.2017
Langenthal

580 000-Franken-Budget für die Gartenoper

Nach den guten Erfahrungen mit «Martha» im Jahr 2016 bietet die Gartenoper nächsten Sommer erneut zehn Vorstellungen einer deutschsprachigen Oper: Albert Lortzings «Der Wildschütz». Jetzt sind erste Details bekannt – auch das Budget: 580 000 Franken.

Seit 2012 präsentiert der Verein Gartenoper Langenthal im Rosengarten der Alten Mühle im Zwei-Jahres-Rhythmus eine Oper. Nach zwei italienischen Opern 2012 und 2014 sorgte in Langenthal 2016 die 1847 in Wien uraufgeführte Oper «Martha» von Friedrich von Flotow für zehn ausverkaufte Vorstellungen. Vom 20. Juni bis 7. Juli 2018 stehen zehn Vorstellungen der Oper «Der Wildschütz» von Albert Lortzing auf dem Programm. Uraufführung war an Silvester 1842 in Leipzig. Damit ein solcher Open-Air-Anlass in der «Provinz» Langenthal realisiert werden kann, sind neben einem eingespielten, ehrenamtlich tätigen Vorstand und zahlreichen Helfern primär Sponsoren, Gönner und Vereinsmitglieder nötig. Es ist eine Herausforderung, ein Projekt mit hochkarätigen Sängerinnen und Sängern, 40 professionellen Musikerinnen und Musikern sowie einem routinierten Regisseur finanziell stemmen zu können.

Neuigkeiten aus erster Hand
Diese Geldgeber wurden in den Langenthaler Bären eingeladen, um aus erster Hand Neuigkeiten zu erfahren – und musikalische Kostproben zu geniessen. «Ihr ermöglicht uns dieses schöne Projekt, und wir wollen euch hier etwas zurückgeben. Das ist eure Dividende», sagte Präsident Beat Wälchli bei der Begrüssung der 240 Gäste. Die von ihm angesprochene Dividende bezog sich schon mal auf diesen Abend im Bären mit Infos, Suppe, kalter Platte, Torte und italienischem Rotwein mit «Der Wildschütz»-Etikette. Der Wein bot Gelegenheit, auf das gute Gelingen der Lortzing-Oper anzustossen. Er hoffe, so Präsident Wälchli, dass die Gartenoper 2018 ebenso erfolgreich sein werde, wie es jene von 2016 war. Das Budget für «Martha» habe 600 000 Franken betragen, das Budget für «Der Wildschütz» sei mit 580 000 Franken minim tiefer. Weil «Martha» auf Opernbühnen selten gespielt werde, seien neben einem Professor aus Warschau ebenfalls Opernfans aus Deutschland und Wien nach Langenthal gereist. Mit der Langenthaler «Martha» sei er «rundum zufrieden» gewesen.  
Bereits drei Monate nach der letzten «Martha»-Vorstellung 2016 habe der Vorstand für das Projekt 2018 die Zügel in die Hand genommen, um das Ensemble mit Orchester, Regisseur, Sängerinnen und Sängern zusammenzustellen, sagte Wälchli. Er wies darauf hin, dass neben dem Vorstand auch die 80 freiwilligen Helferinnen und Helfer ehrenamtlich tätig seien. Der Gartenoper-Präsident stellte «seinen» Vorstand vor: Bernhard Born (Infrastruktur), Kurt Giesser (Bauten), Hans Peter Kuert (Vizepräsident, Marketing), «Dudu» Kull (Sekretariat), Gerhard Müller (Finanzen), neu Thomas Multerer (Verbindungsmann Vorstand-Chor-Orchester), Monique Regenass (Personelles) und Isabelle Schürch.  

«Alle zwei Jahre ein Wunder …»
Bevor er zum nächsten Termin eilen musste, trat Langenthals Stadtpräsident Reto Müller ans Mikrofon: «Alle zwei Jahre geschieht in Langenthal ein Wunder.» Damit meinte er die Gartenoper. Er bezeichnete diesen Open-Air-Anlass «eine zauberhafte, hochstehende und fantastische Kultur». Stapi Müller dankte den Verantwortlichen – und hier vorab dem Vorstand – «für den grossen Effort».
Beat Wälchli sagte, man sei deshalb auf die Oper «Der Wildschütz» gestos-sen, weil sie – wie «Martha» – nur selten gespielt werde. Dass es erneut eine deutsche Oper sei, habe damit zu tun, dass Besucherinnen und Besucher mit «Martha» erfreut gewesen seien, «auch etwas verstanden» zu haben. «Der Wildschütz» in Langenthal werde in der Gegenwart spielen und von «wunderschöner Musik sowie vielen Chorstücken» geprägt sein. Als neuen Regisseur bat Wälchli nun den 60-jährigen Andrea Zogg auf die Bühne.
Der für die Inszenierung der Oper zuständige Bündner lobte den prächtigen Barocksaal im «Bären» und fragte die Gäste, welche Gemeinsamkeiten Bündner und Berner hätten. «Alle mögen diese beiden Dialekte», so Zogg, der die vier Phasen der neuen Gartenoper nannte. Phase 1 spiele sich im Kopf ab, Phase 2 beinhalte die Planung mit der Auswahl der Sängerinnen und Sänger, Kostüme, Bühnenbild sowie Leitungen. In Phase 3 werde das Haus gebaut, denn ab Mai 2018 beginne man mit den Proben, werde im Sinne von Teamarbeit von einigen Ideen abrücken, jedoch neue einbringen. Phase 4 sei dann die Premiere mit neun weiteren Aufführungen.

Musikalische Einstimmung
Mit musikalischen Leckerbissen stimmten Bass Flurin Caduff (spielt im Rosengarten Langenthal den Schulmeister Baculus auf dem Gut des Grafen) und Mezzosopranistin Larissa Angelini (spielt Nanette, das Zimmermädchen) das Publikum auf das bevorstehende Opernerlebnis ein. Beide taten dies am Klavier begleitet von Bruno Leuschner, dem musikalischen Leiter von «Der Wildschütz». Caduff und Angelini gaben gleich eine beeindruckende Kostprobe ihres Könnens ab – so mit «Ich lade gern mir Gäste ein» (Fledermaus), «Voi che sapete» (Figaros Hochzeit), «La ci darem la mano» (Don Giovanni) und der Arie «5000 Taler» aus «Der Wildschütz». Letztere soll kommenden Juni/Juli – zusammen mit weiteren rasant-beschwingten Melodien und vielen raffinierten Szenen – das Publikum in Langenthal betören.
«Es braucht Herzblut – aber das ist vorhanden», schloss Gartenoper-Vizepräsident Hans Peter Kuert den Abend mit dem Dank für die Unterstützung und dem Wunsch nach einer glanzvollen Inszenierung 2018.

Von Hans Mathys


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