• Sanna Lüdi vom Skiclub Ahorn-Eriswil lässt im Viertelfinal die Österreicherin Katrin Ofner hinter sich zurück. · Bild: Keystone

23.02.2018
Sport

7. Rang und ein Olympisches Diplom

Skicross Damen Olympische Spiele in Pyeongchang – Mit beherzten und zugleich kompakten Fahrten hat die 32-jährige Skicrosserin Sanna Lüdi an ihren dritten Olympischen Spielen in Pyeongchang überzeugt. Der 7. Rang und ein Olympisches Diplom resultierten. Lüdi zeigte sich enttäuscht, die grosse Medaillenchance nicht genutzt zu haben.

 

Skicross · Nur schön? Wenn schon dann schön schnell. Den ewigen Kritikern dürfte die Oberaargauer Skicrosserin Sanna Lüdi mit ihrem beherzten Auftritt an den Olympischen Spielen in Pyeongchang in der Nacht von Donnerstag auf Freitag etwas den Wind aus den Segeln genommen haben. Die hübsche Blondine überzeugte auch sportlich. Mit angriffiger aber kompakter Fahrweise. Einzig das Wettkampfglück im entscheidenen Moment fehlte.

Geglückter Einstieg
Bereits bei ihrem ersten Einsatz im Achtelfinal glänzte das Mitglied des Skiclubs Ahorn-Eriswil. Nach einem schlechten Start rollte Lüdi das Feld von hinten auf und überzeugte mit weiten Sprüngen und gleichwohl direkter Fahrlinie. Lüdi wusste genau, wie sie den Speed in die und aus den Schikanen mitnehmen musste. Hinter der Österreicherin Katrin Ofner qualifizierte sich die 32-Jährige als Zweite für die nächste Runde. «Das Skifahren hat einfach Spass gemacht. Ich hatte seit langem wieder ein ausgezeichnetes Gefühl zum Tempo», freute sich Lüdi nach geglücktem Einstieg.

Wieder von ganz hinten
Im Viertelfinal misslang der Start erneut. Aber wieder rollte die angriffslustige Oberaargauerin das Feld von hinten auf. Bei einem Sprung schrammte Lüdi allerdings haarscharf an einem Sturz vorbei. Dort zeigte sich  der Unterschied zu den Vorjahren: Während Lüdi damals meist über das Ziel hinaus schoss und scheiterte, konnte sie nun kompakte Läufe ins Ziel bringen, bei denen das Spiel mit dem Feuer nicht übertrieben wurde.  Auch im Viertelfinal belegte Lüdi hinter der späteren Olympiasiegerin Kelsey Serwa aus Kanada den 2. Rang.

Die fatale Rennszene im Halbfinal
Im Halbfinal stand viel auf dem Spiel. Der Einzug in den Final und damit der Kampf um die Medaillen winkte. Wiederum kam Sanna Lüdi am Start schlecht weg. Auf beeindruckende Art und mit ausgezeichnetem Material schaffte es Lüdi aber zum wiederholten Mal, sich an die Kokurrenz heranzukämpfen. Erst schnappte sich Lüdi Alizee Baron (Frankreich) und dann Kelsey Serwa (Kanada). Doch in der Kurve vor der langen Zielgeraden kam es dann zur folgenschweren Szene. Die ausgezeichnet im Rennen liegende Lüdi wurde von Baron und Serwa ins Sandwich genommen. Wenige Meter später verpasste Baron das Tor und schied aus, während Serwa davonziehen konnte, weil Lüdi bei diesem Dreikampf, bei dem es zu Berührungen kam, das eminent wichtige Tempo für die ziemlich flache Zielgerade verlor. «Es ist ärgerlich. Bei der heiklen Szene ist mir die Französin hinten auf die Ski gefahren, was mir das nötige Tempo für die Schlussgerade raubte», sagte Lüdi. So war es für die Schweizerin unmöglich, noch einmal an die beiden Kanadierinnen Brittany Phelan und Kelsey Serwa heranzukommen.

Die Luft war draussen
Im kleinen Final um die Ränge 5 bis 9 war dann die Luft draussen. «Ich hatte den verpassten Final im Kopf, war nicht mehr 100-prozentig bei der Sache», erklärte Lüdi. Wieder verlor Lüdi beim Start viel Terrain, welches sie nicht mehr wettmachen konnte. Als Dritte des kleinen Finals reichte es schliesslich zum 7. Rang. Damit schaffte Sanna Lüdi an den Olympischen Spielen das beste Saisonresultat – und den Diplomgewinn. Die bisherigen Saisonbestleistungen waren zwei 8. Ränge an den Weltcuprennen in Innichen und Arosa. Und auch ihre bisherigen Olympiaresultate (35. Rang in Vancouver 2010 und 13. Rang in Sotschi  2014) übertraf Lüdi deutlich. «Trotzdem bin ich enttäuscht. Meine Form und das Material hätten gepasst. Ich habe meine Zielsetzung klar verfehlt, obwohl mir der gesamte Olympiaeinsatz sehr viel Freude bereitet hat. Die Tatsache, eine grosse Chance nicht genutzt zu haben, fuxt mich.»

Der Grund für die Startschwäche
Die Türe wäre weit offen gestanden. Denn sowohl die Saisondominatorin Sandra Näslund aus Schweden wie auch Marielle Thompson aus Kanada, die Olympiasiegerin von 2014, gingen leer aus. Zusammenfassend waren vor allem die Starts von Sanna Lüdi eine herbe Enttäuschung. Dies vor allem auch, weil  Swiss Ski in Saas-Fee den Original-Startabschnitt von Pyeongchang nachgebaut hatte. Die Schweizer Skicrosser hatten damit die Möglichkeit, sich minutiös auf diesen speziellen Start mit dem freien Fall vorzubereiten. Warum es Lüdi beim Einstieg nicht lief, hat allerdings einen Grund. «Ich fabrizierte in Pyeongchang im Training beim Start einen heftigen Sturz. Dadurch war ich im Rennen irgendwie gehemmt, wollte mit einem aggressiven Hinunterstechen nicht erneut einen Sturz und damit das vorzeitige Aus riskieren», erklärte Lüdi ihr zögerliches Auftreten bei allen vier Einsätzen. «Sanna hat einen ausgezeichneten Job geleistet. Nach all ihren Verletzungen waren diese Fahrten grandios», meinte Skicross-Natikollege Alex Fiva. Dies dürfte etwas Trost für die regionale Stehauffrau sein, welche sich Olympia-Gold zum Ziel gesetzt hat. Sanna Lüdi setzt ihre Skicross-Karriere fort. Ob sie in vier Jahren – dann im Alter von 36 Jahren – zu ihren vierten Olympischen Spielen antreten wird, steht noch nicht fest.

Auszug aus der Rangliste: Skicross Damen (23 Klassierte): 1. Kelsey Serwa, Kanada; 2. Brittany Phelan, Kanada; 3. Fanny Smith, Schweiz; 4. Sandra Näslund, Schweden; 5. Alizee Baron, Frankreich; 6. Lisa Andersson, Schweden; 7. Sanna Lüdi, Schweiz; 8. Sami Kennedy-Sim, Australien. 

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