• Der Jodlerklub Wasen feiert am Freitag/Samstag, 15./16. Februar seinen 75. Geburtstag. · Bild: zvg

19.12.2018
Region

75 Jahre unter dem Klub-Motto «Eintracht»

Freitag/Samstag, 15./16. Februar 2019, feiert der Jodlerklub Wasen sein 75-jähriges Bestehen. Das Festwochenende in der Halle der Firma Sommer AG, Grünen, beginnt am Freitagabend mit der Vorstellung der neusten CD. Mehrere Gastformationen werden den Abend prägen. Am Samstag, dem Jubiläumsabend, gibt es ein Überraschungsprogramm.

Wasen · Pünktlich auf das Jubiläumswochenende hin gibt der Jodlerklub Wasen seine vierte CD heraus.
Die CD ist wiederum eine Zusammenstellung der Lieder, welche der Jodlerklub in den letzten Jahren an den kantonalen und eidgenössischen Jodlerfesten überaus erfolgreich vorgetragen hat. Unter anderem auch das Lied, «s Juze» von Max Lienert, mit welchem die «Wäseler» am Eidgenössischen Jodlerfest in Davos 2014 das Punktemaximum erreicht haben. Dazu kommen zwei Lieder vom klubeigenen Komponisten, Bruno Mathys. Davon wird eines dem neuen Tonträger auch den Titel geben … Der Jodlerklub Wasen wird diese CD am Freitagabend, 15. Februar, als Auftakt zur 75-Jahr-Jubiläumsfeier in der Halle der Firma Sommer AG, Grünen, präsentieren.
Im Weiteren werden der Gastklub, das Saumchörli Herisau sowie das Schwyzerörgeli-Quartett Schonegg und die Nachwuchsformation «Highländlers» den Abend umrahmen. Letztere zwei Formationen sind ebenfalls auf dem neuen Tonträger verewigt. Durch das Programm der CD-Vorstellung wird Annelies Mosimann führen.
Über den Jubiläumsanlass am Samstagabend, 16. Februar, äussern sich die Verantwortlichen gegenüber dem «UE» kaum. Ein fröhliches Fest solle es werden, «ein lebendiger Rückblick mit nicht allzu vielen Reden, dafür unterhaltsam und gemütlich», meint etwa der Solojodler Res Mathys.
Moderator wird der «Rohrbach-Jodler» Rolf Christen aus Zollbrück sein.

Schwieriger Start
Harmonische Stimmen, Kameradschaft und viel Erfolg an den Festen prägen die letzten Jahre des Jodlerklubs Wasen. Dieser hat aber in der Geschichte durchaus auch seine Tiefen erlebt, war doch schon der Start schwierig. Im Zweiten Weltkrieg, dessen Ende sich im Frühjahr 1944 noch längst nicht abgezeichnet hatte, boten mutige Wäseler Männer den Kriegswirren die Stirne und taten sich zum gemeinsamen Singen und Jutzen zusammen. Für sie lag in der harten Zeit nichts näher, als der Liebe zur Heimat, dem Stolz auf die überlieferten Werte der Schweiz, in kräftigen Jodelliedern Ausdruck zu verleihen.
Ein kleines Grüppchen war es damals, das einstimmig den Entschluss fasste, einen Jodlerklub zu gründen. Ein einfaches «Truckli» mit einem Schlitz bildete die erste Kasse. Nach der Gründungssitzung enthielt es stolze 35 Franken. Die dringlichste Angelegenheit war nun die Suche nach einem Dirigenten. Nach vielen Absagen und manchem despektierlichen Belächeln im Dorf ergriff Ernst Guggisberg, ein Sekundarlehrer an der Dorfschule, spontan das Zepter und weihte das «Chüppeli» von kaum einem Dutzend Männern in die Jodlerkunst ein.
Der Start war alles andere als einfach. Immer wieder war die Reihe der Sänger arg gelichtet, weil Mitglieder Aktivdienst leisten oder zuhause oder bei Nachbarn zum Rechten sehen mussten. Kein Wunder, dass dem Dirigenten nach dem ersten Jahr unter anderem ein Liter Herz- und Nerventropfen überreicht wurde ...
An «Ausrüstung» war noch kaum zu denken. Als im Oktober 1945 der Jodlerklub zur Feier der Bahnelektrifizierung eingeladen wurde, gelang es nur drei Delegierten, zum Teil noch mit geliehenen Mutzen, im kompletten «Jodlerstaat» zu erscheinen. Aber es ging aufwärts. Bereits am ersten Jodlerabend wurden die Gäste auch mit einem Theater unterhalten, eine beliebte Tradition, die bis heute anhält. 1946 traten ausgerechnet die Wasen-Jodler als 100. Klub dem Bernisch-Kantonalen Jodlerverband bei; 1947 besuchten sie in Tramelan das erste Kantonale Jodlerfest.

Langjährige Traditionen
Aber die Nachkriegsjahre taten ihre Wirkung. Immer wieder drohte der Verein auseinanderzufallen, und es brauchte riesige Anstrengungen von verständigen Männern, ihn zusammenzuhalten. Doch das Klub-Motto «Eintracht» siegte. Mit geselligen, zuweilen auch ernsten Anlässen gingen die Jahre dahin. 1974 wurde vom Klub erstmals die Schonegg-Chilbi, verbunden mit einem Bubenschwinget, durchgeführt. Auch dieser beliebte Anlass hat bis heute Bestand.
«Der Jodlerklub unseres schönen Dorfes hat vielfach Höhen und Tiefen erlebt. An Hochzeiten, an fröhlichen Chilbinen, zu unzähligen hohen Geburtstagen, aber auch mit zitternden Stimmen an offenen Gräbern sind wir zusammengestanden und haben mit unseren Liedern versucht, Freude, Lebenslust, Naturliebe und auch Trost in unseren Zuhörern wachsen zu lassen», steht in der 50-Jahr-Jubiläums-Chronik von 1994. Fröhlich und stolz waren die Wasen-Jodler in diesen Jahren immer wieder mit guten Noten von Jodlerfesten heimgekehrt. Ende des letzten Jahrtausends verlor der Klub viele aktive, treue Mitglieder durch den Tod. Erfolg und Zusammenhalt standen plötzlich auf wackeligen Beinen. Doch es gelang, junge, begeisterte Mitglieder zu finden, und mit Res Geissbühler übernahm erneut ein versierter Dirigent das Zepter.

Professionelle CD-Aufnahmen
In den folgenden Jahren wurden in Zusammenarbeit mit dem professionellen Tonstudio Phonoplay im luzernischen Adligenswil eine weitere CD aufgenommen. «Das hat das Niveau erneut angehoben, denn Phonoplay ist anspruchsvoll. Eher wurden wir nachhause geschickt und ein andermal aufgeboten, als eine Aufnahme festzuhalten, die nicht rein klingt, und das ist auch gut so», stellt Res Mathys fest. So darf sich denn das Publikum auch auf das neuste Werk der «Wäseler-Jodlerchuchi» im Rahmen der Jubiläumsfestivitäten am Freitag/Samstag, 15./16. Februar in Grünen freuen.

Von Liselotte Jost-Zürcher

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