• Reto Lang, der Theaterleiter des Stadttheaters Langenthal, im umgebauten Theatersaal in der Alten Mühle Langenthal. · Bild: Leroy Ryse

18.11.2016
Langenthal

Angenehme und spannende Zwischensaison

Das Stadttheater Langenthal hat die Übergangssaison in der Alten Mühle gestartet. Bereits nach kurzer Zeit fühlt sich das Team wohl, die ersten zwei Stücke haben sogar Vorteile gegenüber dem alten Stadttheater zu Tage gebracht.

Die Meldung könnte eigentlich aus dem Sport sein, ist aber aus der Langenthaler Kulturszene: Während das Hauptzuhause umgebaut wird, müssen sich die Nutzer eine möglichst passable Übergangslösung schaffen. Hier wird kein Stadionumbau, sondern der Theaterumbau umschrieben und diese eben genannte Zwischenlösung ist in diesem Fall in Langenthal sehr gut gelungen. Während das Stadttheater umgebaut wird, wird das Programm in der Alten Mühle abgehalten. Das ist auf der einen Seite ein Vorteil für die Alte Mühle, die damit bevölkert und genutzt wird, andererseits zeigen sich auch die neuen Nutzer sehr zufrieden mit den Lokalitäten. Reto Lang, Theaterleiter vom Stadttheater Langenthal, sagt sogar, man fühle sich in der Alten Mühle «sehr wohl» und es fehle an nichts. «Ich habe natürlich ein Programm zusammengestellt, das hier realisierbar ist. Immerhin wird im Vergleich zu anderen Saisons eine sehr reduzierte Anzahl Events abgehalten. Aber wir haben hiermit eine sehr gute Lösung erhalten.» Zu dieser Übergangslösung gehört eine Bühne mit 199 Plätzen, den nötigen Fluchtwegen und jener Technik, die für die Stücke notwendig ist. Ebenfalls umgezogen ist das Lager des Stadttheaters, nur wenige Bühnenbilder wurden im Stadttheater eingelagert, der grösste Teil der Requisiten und Utensilien befindet sich während der Übergangssaison ebenfalls in der alten Mühle.

Nutzer sind eingebunden
Ohne die passable Zwischenlösung zu verkennen, steigt die Vorfreude auf das neue «Daheim» stetig. «Da haben wir neue Möglichkeiten, moderne Techniken. Die Vorfreude darauf ist natürlich
riesig», erklärt Lang. Er selbst verfolgt den Bau hautnah. Bei der Projektierung war er in den politischen Prozess eingebunden und hatte Einsitz in der Jury, welche entschied, wie das Stadttheater umgebaut werden soll.
Nun ist er zudem als Vertreter der Nutzerschaft in das Bauvorhaben eingebunden, weshalb er den Baufortschritt hautnah miterlebt. «Ich mache in jedem Monat sechs Bilder, um den Fortschritt zu dokumentieren. Es ist sehr interessant, zu sehen, wie der Umbau voranschreitet», so der Theaterleiter weiter. Besonders erfreut zeigte sich Reto Lang, dass die Nutzerpartei in den Bau sehr gut eingebunden wird. Fragen, beginnend bei der Reinigung des Gebäudes und endend bei der Technik, werden mit Spezialisten aus der Nutzerschaft abgeklärt und diskutiert. Die zahlreichen Detailfragen könnten so am besten gelöst werden. Und nicht zuletzt wird damit niemand vor vollendete Tatsachen gestellt, die beim späteren Betrieb Probleme bereiten könnten.

Gemütliches Foyer als Plus
Bis der Betrieb im neuen, umgebauten Stadttheater starten kann, dauert es aber noch ein bisschen. Die Mühle ist bis Ende Oktober des kommenden Jahres an das Stadttheater vermietet, zumindest bis Mitte Mai wird auch die Bühne für diverse Aufführungen gebraucht. Und bereits die ersten beiden Aufführungen brachten überraschendes zu Tage: Die Alte Mühle hat gegenüber dem alten Stadttheater sogar einen kleinen Vorteil. «Das Foyer unten beim Eingang ist sehr gemütlich eingerichtet. Die Theaterbar kommt so gut an, dass die Zuschauer nach den Aufführungen länger sitzenbleiben. Diese Möglichkeit hatten wir im alten Stadttheater nicht», erklärt Lang. Das habe den Kontakt zu den Besuchern ermöglicht und sei sehr angenehm gewesen. Diese Kultur wolle man auch im neuen Stadttheater weiterleben.
Allen Vorteilen zum Trotz gibt es in der Alten Mühle aber auch Schwierigkeiten. Beispielsweise musste das Bühnenbild des Theaterstücks «Ds chlinere Übel» verkleinert werden, weil es für den Lift ganz knapp zu gross war. Aus-serdem war der bauliche Aufwand sehr gross. Neben dem aufwändig aufgestellten Theatersaal – es mussten extra Fluchtwege angepasst werden – muss das Stadttheater Langenthal als Mieterin gewisse Auflagen einhalten. Dazu gehört das Vermeiden von bleibenden Spuren aller Art. «In der Garderobe haben wir beispielsweise einen Boden eingebaut, damit wir beim Schminken keine Verfärbungen im Teppich verursachen», erklärt Reto Lang. Ebenfalls erstellt wurde eine neue Zuschauergarderobe beim Eingang sowie eine kleine Cateringbar im dritten Stock beim Theatersaal aufgestellt. Das Resultat führt dazu, dass sich auch die Übergangssaison für die Besucher und die Theaterverantwortlichen gemütlich anfühlt.

Hoffen auf Zuschauerresonanz
Nur gemütlich ist es in der laufenden Saison für Reto Lang aber nicht. Mit dem Umzug ins neue Stadttheater stehen nämlich zusätzliche Veränderungen an – und diese müssen geplant sein. Ein neues Ticketing-System wird eingeführt, eine neue Homepage aufgeschaltet und Betriebs- und Vermietungskonzepte müssen wegen den veränderten Möglichkeiten im Stadttheater überarbeitet und erneuert werden. «Wir sind auch daran, uns marketingmässig weiterzuentwickeln. Um neue Kunden zu gewinnen», erklärt Lang und spricht von einer stärkeren Präsenz in den sozialen Medien sowie einem Rahmenprogramm, welches er für die nächste Saison rund um die Aufführungen inszenieren möchte. «Langweilig wird es also nicht», scherzt er, «trotz dem nun etwas kleineren Programm.»
Ebendieses Programm habe derweil auch einige Highlights vorzuweisen. Gogol und Mäx seien Musik-Kabarettisten der besten Art, Pedro Lenz ziehe mit seinen Lesungen immer wieder ein grosses Publikum an und beispielsweise auch die Geburtstagsparty vom 17. Dezember sei ein schöner Event für diese Zeit.
Für Reto Lang ist deshalb klar: Auch die Übergangssaison wird gut werden. Die räumliche Lösung ist gut und das Programm ebenso. Es bleibt deshalb lediglich zu hoffen, dass die Zuschauer auch in der Übergangssaison zahlreich erscheinen.

Von Leroy Ryser

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