• Dass tierische Klänge durchaus zu begeistern wissen, das zeigte Dirigent Paul Gygli an seinem letzten Konzert mit «Brass Explosion». · Bild: Rolf Bleisch

01.11.2016
Huttwil

Auch der Elefant «trompetete» gehörig mit am tierischen «Brass-Explosion»-Konzert

Ein tierisch-musikalisch geprägtes Jubiläumskonzert bot die 20-jährige Small-Brass-Band unter Paul Gygli, der sich mit diesem Auftritt von den zwölf Musikern verabschiedete.

Von Rolf Bleisch · Eine Frau, elf Männer und Small Brass-Band-Leiter Paul Gygli offerierten mit ihrer «Brass Explosion» echt explosive Momente vor grossem Publikum. Ihre musikalische Intention zeigte sich schon durch die knallgelben Krawatten auf dunklem Hintergrund. Dass Gygli dem lebendigen Musizieren frönt, war schon beim ersten Stück unverkennbar. Zwar ging es nach dem bandeigenen Moderator dabei nicht ums Thema des Abends, «Tiere in der Musik», denn Rimsky-Korsakovs Komposition «Cortège from Mlada» sei einfach schön, sagte er. Damit traf er den Nagel just auf den Kopf, denn da kam die Spiellust schon mit den ersten Takten voll zur Geltung. Den einzelnen Registern bot das Stück und der Dirigent die Möglichkeit, sich von ihrer besten Seite zu zeigen und sich in einem gewaltigen Finale zu finden.

Bühne frei für die Tiere
So wurden auch die Fenster zu den Tieren des Abends geöffnet. Als erstes gefiedertes Wesen sorgte die Elster von Gioachino Rossini für Aufmerksamkeit, die mit raumfüllenden und auch leisen Trommelwirbeln begrüsst wurde und das aufbegehrende Tier im Mezzoforte unter den führenden Klängen der Kornetts einmarschieren liess. Der Elster innere Bewegtheit mit diebstählischen Absichten entwickelte die Band mit spannendem dynamischem Aufbau bis hin zum impulsiven Finale. Dass Rossini und «Brass Explosion» neben der Elster auch grosse Empathie zu Katzen haben, kam im Stück «I due gatti» zum Ausdruck. Die zwei Katzen fanden ihre instrumentale Identifikation über das Kornett von Adrian Meer und über die Posaune von Roman Heiniger. Dass Katzen auch über crescendoartiges Miauen ihren Wünschen Ausdruck verleihen, war gar leicht zu hören und stand im schönen Kontrast zur zarten Begleitung im Hintergrund. Sanftes Glockenspiel eröffnete dann den Auftritt der Eule Hedwig aus Harry Potters Filmmusik. Das Gefiederkonzert der Eule übernahmen zwei Kornettisten mit geradezu mystisch schnellen Wirbeln. Nach Futter und Kontakt ausschauender Haltung zeichnete sich dann das Verhalten der Eule aus, das von der ganzen Band intoniert wurde und das Tier zu einem schwärmerischen Beobachten ihrer Umgebung brachten. Mit «Teddybärs Picknick» wechselte die Band das Thema schlagartig, und die Tuba, gespielt von Toni Büchler, umschrieb des Bären mächtige Schritte hin zum Picknick äusserst einfühlsam. Doch auch auf den Pick-nick-Tanz wollte der Bär unter der Begleitung durch die Band und dem im Vordergrund klingenden Glockenspiel nicht verzichten. Mit einem kurzen, aber einfühlsamen Solo führte die Tuba dieses Bärenmahl zu einem nahezu explosiven Ende.
Wie Ratten zum Ratatouille kamen, wurde musikalisch in der Filmmusik von Michael Giacchino durch die Band in poetischer Weise umschrieben. Der Krawattenfarbe entsprechend mussten wohl auch die Kanarienvögel gefärbt gewesen sein, die über das Euphonium – gespielt von Marcel Speidel – vorgestellt wurden und unter wunderschön ergänzender Begleitung der «Kanarien-Band» stand. Schlussendlich gings mit den zwölf Musikern noch in den Dschungel. Mit fanfarischen Klängen öffnete sich das Bild in den Dschungel, dessen Leben zu Beginn vermutlich durch die lähmende Hitze noch geruhsam war. Doch schon nach kurzer Zeit begann der Dschungel zu leben. Die Elefanten erwachten mit tosendem Hornen, die Schakale machten sich bemerkbar und schon bald führten zarte Regentropfen zu Abkühlung und Gelassenheit. Unter der Führung der Posaunen gings zum Dschungeltanz und zu geistererfüllten Nachtstunden. So erzählte die «Brass Explosion» unter der Leitung von Paul Gygax die Dschungelgeschichte und erntete dafür grossen Applaus. Mit hoher Musikalität verabschiedete sich die Small-Brass-Band über zwei Zugaben vom begeisterten Publikum.

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