• Heinrich Schütz (Bildmitte) erläutert Begebenheiten rund um den Bau und die Erweiterungen der Kirche Lützelflüh. · Bild: Elisabeth Uecker

02.07.2018
Emmental

Auch Jeremias Gotthelf – aber nicht nur

Die Emmentaler Dörfer und ihr Kulturerbe sind in diesem Jahr Thema bei der Regionalgruppe Burgdorf-Emmental des Bernischen Heimatschutzes. Nach einem Rundgang durch Sumiswald (der «Unter-Emmentaler» berichtete) wurde die Aufmerksamkeit nun der Kirche Lützelflüh und den umliegenden Gebäuden geschenkt.

Lützelflüh · Wie Heinrich Schütz vom Gotthelf Zentrum Lützelflüh in seinen einleitenden Worten erklärte, hat die Kirche Lützelflüh eine sehr lange Geschichte. «Gotthelf hat diese Geschichte nur eine ganz minime Zeit geprägt», erklärte Schütz. Dies wird auch sogleich klar, wenn man die lange Geschichte der historischen Gebäude betrachtet.

Kirchenbau von 1100 bis 1110
So sei eine erste Kirche in der Zeit von 1100 bis 1110 im spätgotischen Stil erbaut worden. Eine letzte grosse Erweiterung habe die Kirche im Jahr 1505 unter der Schirmherrschaft der Landvogtei Brandis erfahren. Der Kirchturm, welcher anfangs an der nördlichen Aussenwand des Chores stand, wurde nach langen Diskussionen im Jahr 1886 durch den heutigen Turm ersetzt. Auf eine Innenbesichtigung der Kirche musste auf Grund der Umbauarbeiten verzichtet werden.

Pfarrhaus: Die Wirkungsstätte von Jeremias Gotthelf
Das Pfarrhaus wurde 1655 unter der Bauführung des Vogtes von Brandis errichtet. Da nicht genügend Gelder verfügbar gewesen seien, habe man den Prachtbau im Renaissance-Stil aus eingezogenen Geldern des Bauernkrieges endfinanziert, erzählt Heinrich Schütz. Dieses Gebäude dient heute nicht mehr als Pfarrhaus. Aktuell ist in dessen Räumen das Gotthelf-Zentrum untergebracht. Viele Details im Haus zeugen vom berühmten Pfarrer und Dichter Albert Bitzius alias Jeremias Gotthelf, der von 1831 bis 1854 dort wohnte und wirkte. Es sind viele bauliche Besonderheiten aus früheren Zeiten wieder hervorgeholt und sichtbar gemacht worden. So der Dachstuhl mit aufwendigen Holzverbindungen und Holznägeln oder die Dachkammer im Estrich für weibliche Bedienstete.
Beim Rundgang wurde auch der Speicher, welcher einst als Almosenspeicher gebaut wurde, etwas genauer betrachtet. Viele kleine Details aus der Bauzeit wie etwa die eisernen Lüftungsschlitze an der Aussenwand werden erst auf den zweiten Blick erkannt. So konnte der im Gotthelf Zentrum wohnende Heinrich Schütz die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Rundgang noch auf viele spezielle Details oder kleinere Geschichten im Zusammenhang mit der historischen Baugruppe aufmerksam machen.

Von Elisabeth Uecker

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