• Die Überbauung Bachblick lockt kaum Mieter an. Jetzt wurde die Objektstrategie überarbeitet, um dies zu ändern. · Bild: Leroy Ryser

13.04.2018
Huttwil

Baloise: «Schäden sind vernachlässigbar»

Seit November 2014 kann man in der Überbauung «Bachblick» zur Miete wohnen. Das Interesse an den 3½- und 4½-Zimmer-Wohnungen ist aber sehr begrenzt, zumeist standen die Appartements leer. Für die Inhaberin, mittlerweile die Baloise-Gruppe, ist dieser Leerstand aber nicht weiter tragisch.

Leerstände sind und bleiben im Oberaargau ein Thema. Neustes Objekt des Ärgers: Die Huttwiler Überbauung «Bachblick». Seit die insgesamt 17 Wohneinheiten im November 2014 bezugsbereit sind, gab es kaum Mieter, die sich darin niedergelassen haben. Wer es dennoch tat, hatte meistens einen ganzen Mehrfamilienblock für sich. Der «Unter-Emmentaler» hat über dieses Thema bereits berichtet. Damals war es steht schwer, die zuständigen Stellen zu ermitteln, weil die Verantwortung für das Mietobjekt mehrmals hin und hergeschoben wurde. Die letzte Änderung ist nun im März dieses Jahres über die Bühne gegangen. Weil die Basler Leben AG, eine Gesellschaft der Baloise-Gruppe, die Mehrheitsbeteiligung an der Pax Anlage AG übernommen hat, ist mittlerweile die Baloise-Gruppe als Eigentümerin zuständig. Diese will nun mit einer neuen Objektstrategie die Wohnungen doch noch an die Bevölkerung bringen.


Besser vermarkten

Laut der Baloise-Gruppe hätten mehrere Missstände zum bisherigen Nichterfolg geführt. «Die Lage der Liegenschaft, eine schwache Vermarktung und in der Vergangenheit zu hohe Mietzinse», seien die Faktoren, dass die Wohnungen zuletzt leergestanden sind. Dies verrät Nadine Blättler, die Leiterin Betriebswirtschaft von der Baloise Immobilien Management AG gegenüber dem «UE». Auch deshalb sei ein Abriss der Liegenschaft kein Thema. Mit einer Senkung des Mietzinses, Inseraten in Zeitungen, Internet und Social Media sowie weiteren Marketing-Massnahmen, wie einem Tag der offenen Tür soll das Angebot neu lanciert und an den Kunden gebracht werden. «Wir sind überzeugt, dass wir damit die Wohnungen vermieten können. Selbst wenn dies bis Ende Jahr nicht gelingt, ist ein Abriss kein Thema», sagt Nadine Blättler weiter. Dann würde erneut an der Objektstrategie gefeilt, bis diese zum Erfolg, respektive bis zur Vermietung der Wohnungen, führt.

«Es ging kein Geld verloren»

Standschäden seien indes nicht entstanden, obwohl die Objekte seit dreieinhalb Jahren grösstenteils unbewohnt sind. Eine örtliche Verwaltung habe die Liegenschaft betreut, geputzt und konstant gelüftet. Schäden finanzieller Art seien der Baloise-Gruppe deshalb keine entstanden. Vor der Übernahme wurden die Objekte «markt- und lagegerecht» bewertet, dem Umstand der Lage und des Leerstandes wurde laut Baloise entsprechende Beachtung geschenkt. «Es ging kein Geld verloren», informiert Nadine Blättler.

Gerade diese Aussage lässt aber durchaus aufhorchen. Die mit Pensionskassengeldern finanzierten Gebäude werfen ohne Mieter logischerweise keine Rendite ab, sondern kosten Verwaltungsgebühren fürs Putzen, lüften und betreuen. Auf die Frage ob die Baloise-Gruppe folglich auf die Mieteinnahmen nicht angewiesen ist, antwortet Nadine Blättler: «Die Baloise ist auf Mieteinnahmen aus ihren Renditeliegenschaften angewiesen. Bei einem Immobilienportfolio von über 6,5 Milliarden Franken sind die Aufwände, welche durch Leerstände entstehen, bezogen auf das gesamte Immobilienportfolio der Baloise-Gruppe, vernachlässigbar.» Der Baloise entstand deshalb bisher keinen Schaden, wohl auch weil die Liegenschaft erst seit kurzem zur Gruppe gehört. Seit dem Bau – mittlerweile 41 Monate – fehlen aber den wechselnden Eigentümern dennoch Mieteinnahmen in einem geschätzten Durchschnitt von 1500 Franken für 17 Wohnungen pro Monat, wobei eine Wohnung gemäss Recherchen des «UE» über die Dauer von etwa einem Jahr bewohnt war. Anders gerechnet: Es fehlen Einnahmen von über einer Million Franken.

Ist die Grösse entscheidend?

«Vernachlässigbar» ist der Huttwiler Leerstand wohl auch, weil das immense Portfolio den Verlust mühelos ausgleichen kann. Das gilt derweil nicht für alle Firmen. Ein gutes Beispiel ist die fast schon berühmte Siedlung «3 Linden» in Langenthal, die nach einem Bericht im «Unter-Emmentaler» im «Blick» als «Geistersiedlung» porträtiert wurde. Mittlerweile sind rund die Hälfte der leerstehenden Wohnungen vermietet, den noch übrig bleibenden Leerstand bekämpft die für die Vermietung zuständige Firma Lässer & Partner Immobilien AG konstant mit Inseraten und Werbeaktionen. Mittlerweile wird sogar mit kostenfreiem Wohnen geworben. Wer sich entscheidet, ein Appartment zu mieten, erhält entweder eine oder zwei Monatsmieten – je nach Dauer des Vertrages – geschenkt.

Den Leerständen zum Trotz wird in der Region des «Unter-Emmentalers» weiterhin fleissig gebaut. Am Rohrbacher Eichmattweg entstehen Ein- und Mehrfamilienhäuser, sieben von dreizehn Einheiten sind aber bereits verkauft oder vermietet. Bald soll auch die noch nicht gestartete Vermarktung des Bären-Areals in Lotzwil beginnen, wo nach dem kürzlich erfolgten Abriss des ehemaligen Dorf-Restaurants 33 Wohnungen entstehen werden. Ganz im Gegensatz zur Region Zürich, wo Mieter wegen Wohnungsknappheit gemäss neusten Berichten der Tageszeitung «Blick» sogar mit immer dreisteren Methoden schikaniert werden, haben die Mieter im Oberaargau bei der Wohnungssuche weiterhin die Qual der Wahl.

Von Leroy Ryser

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