• Daniel Loosli will in diesem Jahr mit Rösser und Kutsche begeistern. «Wenn die Leute klatschen, ist das unser schönster Lohn.» · Bild: Leroy Ryser

20.02.2017
Langenthal

Bei Daniel Loosli hat die Fasnacht kein Ende

Die fünfte Jahreszeit naht und für diverse Langenthaler Cliquen wird jene im Jahr 2017 ganz besonders sein. Dazu gehört die Moulin-Rouge-Wagen-clique, die seit 35 Jahren in Langenthal mit dabei ist. Der Hauptgrund trägt einen Namen und vereint die Funktionen Gründer und Präsident auf sich: Daniel Loosli.

 

Am 4. März wird in Langenthal die Strassenfasnacht eröffnet. Die Party startet. Bei Daniel Loosli hat die Fasnacht aber noch gar nicht geendet. Und das eigentlich seit 35 Jahren nicht mehr. «Ich habe im ganzen Jahr Fasnacht», sagt er mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Direkt nach dem SC Langenthal sei das Treiben rund um die fünfte Jahreszeit sein grösstes Hobby. Geselligkeit, viel Freude und vor allem das Basteln an einem Wagen begeistern ihn. «Für diese Fasnacht habe ich am 30. Juli 2016 mit dem Bauen begonnen», sagt Loosli. Begonnen hatte er mit Zeitungs- und Haushaltspapier sowie ganz viel Kleister. Und beendet hatte er die erste Arbeit mit Lack. Resultat sind die sechs Pferde, die in diesem Jahr das Gespann einer Kutsche bilden werden. Passend zum Langenthaler Fasnachtsmotto «Uf u dervo» wird die Wagenclique Moulin Rouge mit den Vierbeinern durch die Strassen schlendern.

Das Jahreshighlight
Für jedes dieser Papp-Pferde hat Daniel Loosli rund 90 Stunden Arbeitszeit aufgewendet. «Deshalb habe ich ja das ganze Jahr Fasnacht», sagt er. Aber gerade das Bauen ist sein Hobby und seine Passion. Das geht sogar so weit, dass er kurz vor der Fasnacht bei seinem Arbeitgeber, der Calag Carrosserie AG, Ferien nimmt und das Feintuning am Wagen vornimmt. Ferien, die seit unzähligen Jahren im Jahreskalender fest verankert sind. «Für mich ist die Fasnacht das Jahreshighlight. Aber viel anderes läuft in Langenthal ja auch nicht», sagt «Dänu». Und wenn dann tatsächlich Fasnacht ist, dann gibt es nichts anderes mehr. Selbst der SC Langenthal, der sonst in seinem Herzen den ersten Platz geniesst, hat in der fünften Jahreszeit nur eine Nebenrolle.
Begonnen hat das alles vor 35 Jahren. Damals hat der heute 54-Jährige mit Arbeitskollegen die Fasnachtsclique «Moulin Rouge» gegründet. Im ersten Jahr ging die Gruppe als Fünferli, weil im Jahr zuvor die goldene Fünf-Rappen-Münze eingeführt wurde. Weil im Folgejahr viele Mitglieder Prüfungen hatten, setzte die neu formierte Gruppe im Jahr 1983 aus, seither gab es aber kein Jahr mehr, in welchem der Moulin-Rouge-Wagen gefehlt hätte. «Ich erinnere mich gerne an die unterschiedlichen Wagen. Mit unserer Schwarzwald-Klinik haben wir sogar den Preis des besten Wagens gewonnen», so Loosli weiter. Gestartet hat die Fasnachtsgruppe mit Moulin Rouge. «Dann hatten wir plötzlich eine Mitarbeiterzählung», sagt Loosli und lacht schelmisch. «In Bern wurde vermutet, dass ich hier ein Bordell betreibe. Deshalb haben wir «Wagenclique» dem Namen beigefügt.» Seither seien weitere Mitarbeiterzählungen in seinem «Unternehmen» ausgeblieben. Ein ganz spezieller Moment in seiner langjährigen Fasnachtskarriere ereignete sich zudem im Jahr 2012, als er von der Langenthaler Fasnachtsgesellschaft den Kulturpreis entgegennehmen durfte.

Jubiläumsapéro geplant
Speziell soll es auch in diesem Jahr werden. Für das Jubiläum hat Daniel Loosli am Fasnachtssamstag einen Apéro organisiert. Gemeinsam mit den ebenfalls Geburtstag feiernden Vändiulüfter, einer 25-jährigen Langenthaler Guugenmusik, wird gefeiert, die Pflotschdäppeler sollen den beiden Gruppen ein «Happy Birthday» spielen, so jedenfalls ist es geplant.
Bis zum Fasnachtssamstag ist aber noch viel Arbeit, die getan werden muss. Aktuell bauen die Mitglieder fleissig am Wagen, an jedem Abend wird getüftelt, oftmals von sechs bis zehn Uhr oder sogar noch länger. «Aber danach gehen wir immer noch rasch in den Rebstock und trinken gemeinsam etwas», sagt Daniel Loosli, schliesslich sei ein wichtiger Teil der Fasnacht die Geselligkeit und das Zusammensein. Und deshalb ist Fasnacht für Daniel Loosli nicht nur der Umzug selbst, sondern auch das ganze Drumherum. Und ist dieses Highlight vorbei, so beginnt schon die Vorfreude auf den nächsten Höhepunkt. «Nach der Fasnacht ist vor der Fasnacht», sagt Daniel Loosli. Fasnacht, die hat er im Blut, das ist für ihn pure Liebe. Und die ist nicht nur an ein Wochenende im Jahr gebunden. Bei Daniel Loosli hört die Fasnacht nämlich gar nie wirklich auf.

Von Leroy Ryser

AUF facebook kommentieren