• Erziehungs- und Bildungsfachleute diskutierten am «regioDay» der Regionalkonferenz Emmental über aktuelle und neue Bildungsangebote sowie Herausforderungen. · Bild: Ernst Marti

02.05.2017
Emmental

Bildungslandschaft ist gut positioniert

Am «regioDay» der Regionalkonferenz Emmental wurde deutlich gemacht, dass die Emmentaler Bildungslandschaft gut positioniert ist. Obschon ein reichhaltiges Bildungsangebot besteht, gibt es aber für die Verantwortlichen noch Herausforderungen zu meistern.

«regioDay» · Das Thema «Bildungslandschaft Emmental – Bedeutung für die Zukunft», das die Regionalkonferenz Emmental für ihren jüngsten «regioDay» im Gasthof Rössli in Zollbrück wählte, hatte es in sich. Entsprechend gross war das Interesse der Emmentaler Behördenmitglieder und Erziehungsfachleute, die sich ein Stelldichein gaben. Immerhin wendet der Kanton Bern pro Jahr um die 700 Millionen Steuerfranken für die Berufsbildung, die Mittelschulen und die Berufsberatung auf. Theo Nink, Amtsvorsteher des Mittel-schul- und Berufsbildungsamts des Kantons Bern wollte jedoch festgehalten haben, dass davon nur fünf Prozent für die Verwaltung aufgewendet wird. «Die klassische Berufsbildung wird hier hoch gehalten, können doch im Emmental über 160 Berufe erlernt werden», betonte Theo Nink.
Erstaunlich jedoch, dass von den 5700 erteilten Emmentaler Ausbildungsbewilligungen aus verschiedenen Gründen bloss 40 Prozent genutzt werden, was im Hinblick auf die abnehmende Zahl der Schulabgängerinnen und -abgänger in den nächsten Jahren eine grosse Herausforderung sein wird. Ob der Weg in Richtung Gymnasium oder Berufsbildung führt, wird gemäss Theo Nink vor allem durch die Eltern beeinflusst: «Wenn die Eltern eine Gymnasium- oder eine Hochschulausbildung gemacht haben, gehen die Kinder eher ins Gymnasium, wenn sie eine Berufsbildung hinter sich haben, geht es für die Kinder ebenfalls in Richtung Berufsausbildung.»

Berufsmaturanden gesucht
Das Bildungszentrum Emme ist eigentlich eine noch junge Institution, wurden doch die verschiedenen Berufsschulen von Burgdorf, Langnau, Konolfingen und Koppigen erst im Jahr 2014 zu einer neuen und schlagkräftigen Organisation zusammen
geschlossen. Im Bildungszentrum Emme, das über 250 Mitarbeitende verfügt, werden in der dualen Berufsbildung aktuell rund 2500 Berufsleute aus zahlreichen Branchen ausgebildet.  «Das duale Bildungssystem ist im Emmental sehr gut verankert. 70 Prozent der Schulabgänger machen nämlich eine duale Berufsausbildung. «Wir haben festgestellt, dass die Maturitätsquote im Emmental unterdurchschnittlich ist, weshalb wir uns entschieden haben, als Pilotversuch, ebenfalls die Berufsmaturität anzubieten», erklärte Thomas Wullimann, Direktor des Bildungszentrums Emme. «Im ersten Jahr hatten wir mit 18 Auszubildenden eine wundervolle Klasse, doch jetzt haben wir bisher leider nur elf Anmeldungen, womit die Gefahr besteht, dass der gut angelaufene Versuch wieder stirbt.»

Sog in Richtung Stadt Bern
Ähnlich wie das Bildungszentrum Emme, jedoch mehr landwirtschaft-lich orientiert, ist das Inforama in Bärau, das laut seinem Leiter Fach-bereich berufliche Grundausbildung, Hans Hofer, rund 1600 junge Berufsleute ausbildet. Neben der Aus-, wird dort der Weiterbildung und der Beratung ein grosser Raum eingeräumt.
«Von Bern nach Langnau oder Burgdorf ist es eigentlich gleich weit wie von Langnau oder Burgdorf nach Bern, trotzdem scheint es als ob da von vielen Leuten die Distanzen verschieden gewertet würden», so etwa würde es tönen, wenn man die Aussagen des Burgdorfer Gymnasiumrektors Christian Joos mit denen der meisten übrigen Referenten zusammenfasst. Vermehrt bevorzugen es nämlich Jugendliche aus dem Emmental nach Bern zu fahren, statt vom guten und breiten Ausbildungsangebot in der Region Gebrauch zu machen. Gerade aus dem oberen Emmental reisen viele junge Leute lieber ins Gymnasium nach Bern als nach Burgdorf, erklärt Christian Joos der darauf hinweist, dass bei ihm das volle gymnasiale Unterrichtsangebot vorhanden sei. Das betrifft jedoch nicht nur die Gymnasiasten, sondern auch junge Berufsleute, welche trotz gutem Angebot in der engeren Region, ihr Ausbildungsglück in der Bundesstadt zu suchen. Dank seinem umfassenden Angebot und seiner hohen Qualität können diese Abgänge im Burgdorfer Gymnasium laut Christian Joos momentan vor allem durch Zuzüge aus dem Raum Herzogenbuchsee – Langenthal kompensiert werden.
Und wer sich von den schulaustretenden Jugendlichen noch nicht entscheiden konnte, wie es weiter gehen soll, hat Gelegenheit, am 25./26. August 2017 in der Ilfishalle in Langnau an der Lehrstellenbörse der jungen Wirtschaftskammer Emmental die nötigen Entscheidungshilfen zu holen. Das Bildungswesen gehört nicht zu den eigentlichen Aufgaben der Regionalkonferenz Emmental, sagte Präsident Jürg Rothenbühler auf Anfrage. Dieses wird vom Verein Bildungsraum Emme, dem mittlerweile 23 Gemeinden angehören, betreut und gefördert. «Unser Ziel ist, im Emmental ein gutes Ausbildungsangebot zu halten und auszubauen» erklärte dessen Präsidentin Madeleine Oberholzer.

Von Ernst Marti



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