• An der GOGA gab sich ganz Gondiswil ein geselliges Stelldichein. · Bild: Liselotte Jost-Zürcher

08.10.2018
Oberaargau

Blick auf das Gewerbe von damals und heute

Die Gewerbeausstellung in Gondiswil (GOGA) wurde zum erwarteten Dorffest. Dabei konnten die Besucher einen Blick auf das Gewerbe von damals und heute werfen. Eine Sonderausstellung zum 75. Geburtstag des Gewerbevereins gewährte Einblicke in die Entwicklung des Gondiswiler Gewerbes. «Wir dürfen stolz sein auf unser Gewerbe», lautete nach drei Tagen denn auch das begeisternde Fazit von Thomas Thierstein, OK-Präsident der GOGA und zugleich Präsident des örtlichen Gewerbevereins.

Gondiswil · «In Gondiswil spricht man noch miteinander», stellte Thomas Thierstein am Ende der Gondiswiler Gewerbeausstellung (GOGA) erfreut fest. Der OK-Präsident des Anlasses bezeichnete diese Aussage als Hauptmerkmal der diesjährigen GOGA. «Viele Besucher zeigten sich erfreut darüber, dass sie hier zahlreiche gute Gespräche führen konnten. Einige haben deswegen beinahe die Ausstellung verpasst», gab der Käsermeister lachend zu verstehen. Für die Gondiswiler war die GOGA ohnehin ein Dorffest, bei dem man sich traf, einander unterstützte und einige gesellige Stunden genoss. «Die meisten Gondiswiler verbrachten das gesamte Wochenende an der GOGA», bestätigte auch Thierstein.

«Wir benötigen Praktiker»
Zu sehen gab es viel, nicht bloss beeindruckende Produkte und Dienstleistungen des lokalen Gewerbes, es gab auch vieles zu entdecken, die Besucher wurden mit interessanten Informationen versorgt und an diversen Ständen konnte man sich sogar selber aktiv betätigen. So herrschte bei Pneu Wüest richtige Rennatmosphäre, konnte man doch auf einem Fahrsimulator ein richtiges Autorennen absolvieren. Bei der Firma Meyer Bau aus Ufhusen war Geschicklichkeit mit dem Bagger, gefragt oder bei der Farm-Mech aus Gondiswil konnte man Holz für den Cheminée-Ofen spalten, allerdings musste man dafür auf ein Fahrrad steigen und kräftig in die Pedale treten, damit die Holzspalt-Maschine in Gang gesetzt wurde. Und wer einmal die berühmten Gondiswiler Marionetten selber zum Leben erwecken wollte, konnte das an der GOGA ebenfalls tun. Die Gondiswiler Marionetten werden übrigens nächstes Jahr ihren 40. Geburtstag feiern, mit dem Stück «Räuber Hotzenplotz».
Thomas Thierstein lobte bei der Eröffnungsfeier denn auch den Elan und den Einsatzwillen der lokalen Unternehmer für die Gewerbeausstellung. «Bereits im Vorfeld wurde viel Arbeit verrichtet, aber was in den letzten Tagen vor der Ausstellung hier geleistet wurde, hat mich beeindruckt, da wurde mit Leidenschaft gearbeitet und man hat einander geholfen. Wir dürfen richtig stolz sein auf unser Gewerbe», betonte der Präsident des Gewerbevereins. Die GOGA habe ihm wieder einmal klar vor Augen geführt, dass die Wirtschaft auf Macher, auf Praktiker angewiesen sei. «Mit der GOGA haben wir die Möglichkeit genutzt, den Besuchern aufzuzeigen, dass ein KMU ein Erfolgsmodell für unsere ganze Wirtschaft ist», hielt Thierstein fest.

Sonderschau als Anziehungspunkt
Ein ganz besonderer Anziehungspunkt an der Gondiswiler Gewerbeausstellung bildete die Sonderschau «Gondiswil und sein Gewerbe im Laufe der Zeit». Die Fotoausstellung von Paul Studer gewährte faszinierende Einblicke in die Entwicklung des lokalen Gewerbes. Ein Kapitel des diesjährigen Oberaargauer Jahrbuches befasst sich mit der Geschichte des Gewerbevereins Gondiswil. Verfasst hat das Kapitel der Huttwiler Journalist Jürg Rettenmund. Ein Vorabdruck davon gewährte an der GOGA Einblicke in ein interessantes Stück Dorfgeschichte. Entstanden ist der Gewerbeverein 1943, mitten im zweiten Weltkrieg, als sich die Handwerker und Gewerbetreibenden in dieser von der Landwirtschaft geprägten Gemeinde zusammenfanden, um ihre Interessen besser einbringen zu können. Dahinter stand die Überzeugung, die Otto Schär 1970 als Präsident des Gewerbevereins so treffend formulierte: «Ich habe die feste Überzeugung, dass der kleine Mann ebenso wichtig ist wie der grosse, und der grosse Mann ebenso unwichtig ist wie der Kleine.» In der Sonderausstellung war zudem auch zu lesen, dass Gondiswil bereits im Jahre 881 erstmals erwähnt wurde, geschrieben in italienischer Sprache auf Ziegenleder. Diese Erwähnung stammt aus dem Stiftsarchiv St. Gallen, wo der Inhalt dieses Eintrages festgehalten ist und wie folgt lautet: «Perhgter schenkt in der Zeit des St. Galler Abtes Grimald (841 bis 872) in der Mark Sossau und Auswil Güter an das Kloster St. Gallen.» Damit steht fest, dass Gondiswil bereits rund 650 Jahre vor der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus existierte.

Von Walter Ryser

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