• Daniel Bentz in der Hauptrolle des Giovanni Boccaccio auf der Bühne des Stadttheaters Sursee. · Bild: Roberto Concicatori

10.01.2018
Luzerner Hinterland

«Boccaccio» – Florentinisches Temperament

Übermorgen Samstag findet im Stadttheater Sursee die Premiere zur diesjährigen Eigenproduktion, der Operette «Boccaccio» von Franz von Suppé, statt. Die Operette entführt in ein Florenz der ganz ungewohnten, aber nicht minder faszinierenden Seite. Für prickelnde Episoden, unbestechlichen Humor und heitere Poesie, umweht von einer Prise schmeichelnder und rhythmischer Italianità, sorgt das gesamte Ensemble des Stadttheaters Sursee als «Reisebegleitung» vor Ort.

Sursee · Die einzigartige Leidenschaft für das Operettenspiel und das Zusammenwirken von Profis und Laien bewähren sich im Stadttheater Sursee seit Jahren. Alle ziehen an einem Strang, auch wenn dies meist im Gegensatz zum Bühnenstück steht.

Des einen Freud, des andern Ärger
Das ist auch bei «Boccaccio» nicht anders. Schauplatz ist die malerische Stadt Florenz. Die Florentiner Bürger werden von den Novellen des Dichters Giovanni Boccaccio entzweit. Während die Frauen ungeduldig den neusten erotischen Dichtungen Boccaccios lauschen, haben die Männer in der pulsierenden toskanischen Kleinstadt nur ein Ziel vor Augen – den verruchten, unbequemen Dichter zu fangen und einzusperren.
Die turbulente Handlung unter der bewährten Regie von Björn Bugiel ist komödiantisch angelegt und versprüht zündendes Temperament. Bugiel schafft es einmal mehr, die charaktervollen Figuren auszuloten und mit ihnen wunderbare Situationskomik zu schaffen. Die melodischen Gesangspartien und die vokalen Ensemblesätze verleihen dieser Operette das Format einer komischen Oper.
Am kommenden Samstag, 13. Januar, hebt sich im Stadttheater Sursee erstmals der Vorhang für Franz von Suppés «Boccaccio». Einmal mehr mit bekannten Gesichtern, sprich Stimmen wie Serafin Heusser, Stefan Wieland, Andrea Hofstetter, die 2017 bereits in der «Fledermaus» auf der Surseer Bühne brillierten. Oder für den «Neuling» in Sursee, Daniel Bentz in der Hauptrolle des Giovanni Bocca-ccio, dessen künstlerische Leichtigkeit und kraftvolle Stimme begeistern werden. «Ich liebe diese Rolle – mal bin ich Schürzenjäger, dann wieder Teufel oder Bettler. Und jede dieser Figuren bedingt eine andere Haltung, eine variierte Stimmlage, und ich muss mich ständig umziehen ...», pflegt er zu sagen.
Daniel Bentz ist ein begnadeter Künstler, sammelte seine erste Bühnenerfahrung mit 17 Jahren als Tony in der West Side Story und ist als vielseitiger Tenor regelmässig am Operettentheater Salzburg engagiert. Engagements führen ihn aber auch an die Staatsoper Stuttgart, ans Stadttheater Bern und mit Produktionen wie der «Zauberflöte» und «La Traviata» nach Tokyo, Kyoto und in weitere japanische Städte. Er machte Konzerte, CD-Einspielungen und TV-Aufzeichnungen unter anderem mit Udo Jürgens, Jörg Schneider, Pippo Polina und Pepe Lienhard.
Neu unter den Mitwirkenden ist zudem die Berner Sopranistin Kathrin Hottiger mit ihrer Hammerstimme in der Rolle der «Fiametta». 2017 schloss sie ihren Master of Arts Performance an der Hochschule Luzern mit Auszeichnung ab. 2015 debütierte sie auf der Bühne des KKL Luzern, sammelte aber auch weitere Erfahrungen unter anderem als Venus in «Venus and Adonis» von J. Blow oder in der Rolle der Gretel in «Hänsel und Gretel» von
E. Humperdinck am Luzerner Theater. Daneben arbeitete sie bereits mit Ensembles wie der Camerata Bern oder dem OCL zusammen. Kathrin Hottiger liebt die Bühne – und die Zuschauer in Sursee werden sie lieben. Insgesamt werden gerademal elf Solistinnen und Solisten in ihren Rollen brillieren.

Achim Glatz folgt auf Andreas Felber
Alle Blicke, respektive die Ohren haben sich in diesem Jahr zu Achim Glatz gerichtet. Der Sänger, Gesangslehrer und Chorleiter ist der «Neue», der nach dem Weggang von Andreas Felber im Produktionsteam des Surseer Stadttheaters die Choreinstudierung übernommen hat. Die Proben seit August 2017 liefen überaus verheissungsvoll; «der Chor ist fantastisch gut drauf», ist er des Lobes voll.
Mit derselben Begeisterung, wie er das Chorprogramm aufgebaut und ausgefeilt hat, hat sich Achim Glatz auch ins Produktionsteam integriert. Gemeinsam mit der Produktionsleitung und der künstlerischen Leitung von Isabelle Ruf-Weber, mit dem Intendanten Björn B. Bugiel und dem musikalischen Leiter Andres Joho steuert Achim Glatz an der Front des ganzen Bühnenensembles auf die verheis-sungsvolle Premiere von «Boccaccio» zu – die seit langem ausverkauft ist. Insgesamt zwölfmal, bis am 18. Februar, wird sich der Vorhang für «Bocca-ccio» heben. Noch sind Tickets für einige Vorstellungen erhältlich, aber sie werden knapper...

Gut zu wissen
Vorverkauf: Tel. 041 920 40 20 (nachmittags); vorverkauf(at)stadttheater-sursee;
www.stadttheater-sursee.ch

Von Liselotte Jost-Zürcher

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