• Im Viererbob gelang dem Bobteam Bracher mit fast sieben Zehntel Vorsprung ein deutlicher Sieg. · Bilder: Rolf Müri, engadinfoto.ch

03.01.2018
Sport

Bracher ist Doppelschweizermeister

Bob, Schweizermeisterschaften im 2er- und 4er-Bob, St. Moritz – Clemens Bracher gewinnt in St. Moritz an der Schweizermeisterschaft von Swiss Sliding gleich doppelt. Im 2er-Bob wird der Mann aus Wasen mit Raphael Kuonen Erster, im Vierer gewinnt er die Goldmedaille mit Raphael Kuonen, Martin Meier und Marcel Dobler. In je zwei Läufen – also vier Rennen – gelingt ihm jedes Mal der schnellste Start.

Bob · Clemens Bracher ist kurz vor Neujahr bereits der nächste Coup gelungen. An der Schweizermeisterschaft im 2er- und 4er-Bob in St. Moritz hat er beide Kategorien für sich entscheiden können. Gänzlich zufrieden ist der Doppelschweizermeister aber dennoch nicht. Im Zweierbob unterlief ihm im zweiten Lauf ein grober Schnitzer, der viel Zeit gekostet hat. «Beim ersten Anlehner ist der Anpressdruck des Bobs noch nicht so gross. Bei der ersten Durchfahrt kam ich etwas weit links, deshalb habe ich es beim zweiten Versuch praktisch ohne zu lenken versucht», erklärt Clemens Bracher seinen Fahrfehler. «Das führt dazu, dass ich rechts Schläge kassiert habe, die bei noch langsamem Tempo viel Zeit gekostet haben.» Sein Vorsprung – nach dem ersten Lauf 44 Hundertstel – schrumpfe daraufhin beträchtlich. Immerhin konnte er diesen mit einer am Schluss guten Fahrt noch ein bisschen ausbessern und ins Ziel retten. «Daher ist nichts passiert, aber zufrieden bin ich nicht. Das darf kein zweites Mal passieren», gibt er sich trotz Doppelsieg selbstkritisch.

Schnellster nach 50 Metern
Im Viererbob hingegen sei die Fahrt besser gewesen. Nach mehreren mühseligen Rennen hat die Leistung am Silvestertag viel besser gepasst. «Ich habe hier nicht mit einem Sieg gerechnet, weil die letzten Resultate nicht wirklich gut waren. Aber diese Fahrten haben uns – auch wenn sie noch nicht perfekt waren – positiv gestimmt.» Auffallend ist derweil, dass Bracher bei allen vier Rennen die schnellste Startzeit nach 50 Metern einfahren konnte. Während der zweite Lauf im 2er-Bob allein gerechnet nur für den dritten Rang genügt hätte, so fuhr er im Viererbob in beiden Läufen auf den ersten Rang. Der Vorsprung von fast sieben Zehnteln, der daraus resultierte, sei im Viererbob schon ein bisschen überraschend, so der Emmentaler.

Olympia-Form im Zweier
Mit diesem Resultat hätte er sich im Viererbob gerne mit Rico Peter duelliert, der in St. Moritz aber nicht an den Start ging. Trotz Doppelsieg an der Schweizermeisterschaft will er sich auch deshalb nicht als schweizweit bestes Bobteam bezeichnen. «Im Viererbob haben wir noch viele Baustellen zu bewältigen», erklärt Bracher und präzisiert: «Das Hauptproblem ist der Start, da müssen wir unbedingt einen Schritt zu alter Stärke machen.» Derzeit erhofft sich Bracher eine Verbesserung um rund einen Zehntel, aktuell erreicht sein Viererbob die Olympia-Limite nämlich noch nicht. Im Zweierbob ist die Olympia-Form aber durchaus vorhanden, gemeinsam mit Raphael Kuonen darf er sich dank starker Form aber «bestes Schweizer Duo» nennen.
Damit werden auch die Erwartungen für das nun gestartete Olympia-Jahr 2018 hochgeschraubt – oder? «Vom Umfeld vielleicht», sagt Bracher und hängt an: «Wir sind derzeit mit einer sehr guten Lockerheit unterwegs. Würden wir uns zu viel Druck machen, wäre das wahrscheinlich der falsche Ansatz für uns.» Ausserdem liegt der Fokus zuvor auf drei Rennen, die vor den Olympischen Spielen stattfinden werden. Zuerst wird das Bobteam Bracher im Europacup in Innsbruck antreten. Dort werden sich Bracher und Co. während einer Woche nur auf den Vierer konzentrieren, um die Baustellen frühzeitig zu beheben. Danach folgen die Weltcup-Rennen in St. Moritz und Königssee, wo Clemens Bracher im Zweier- und Viererbob starten will. Und zuletzt stehen Vorbereitungen ausserhalb des Bobkanals an, um die Reise nach Südkorea erfolgreich zu gestalten. Der Bob muss umgeklebt und mit Kameras versehen werden, ehe er von Zürich aus frachtbereit gemacht wird. «Zuerst kommen die nächsten Rennen. Danach haben wir noch genügend Zeit, um uns auf Olympia zu freuen.»

Auszug aus der Rangliste: Schweizermeisterschaft im 2er-Bob, 30. Dezember: 1. Bracher/Kuonen, 2:14,62 (1:07.07/1:07,55). 2. Hefti/Ferrari 0:16 zurück (1:07,51/1:07,27). 3. Meyerhans/Bieri 0:46 (1:07,56/1:07,52). Schweizermeisterschaft im 4er-Bob, 31. Dezember: 1. Bracher/Meier/Dobler/Kuonen 0,68 zurück (1:06,25/1:06,23). 2. Meyerhans/Lorenzoni/Keller/Bieri 2:13.16 (1:06,76/1:06,40). 3. Hefti/Moulinier/Ferrari/Tanner 0.69 (1:06,57/1:06,60).

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