• Verwaltungsratspräsident Hans Luginbühl an der GV der Clientis Bank Oberaargau. · Bild: Marcel Bieri

02.05.2017
Langenthal

Das beste Ergebnis in 140 Jahren

Zufriedene Aktionäre an der Generalversammlung der Clientis Bank Oberaargau. Sie durften vom besten Ergebnis ihrer Regionalbank in der 140-jährigen Geschichte Kenntnis nehmen. In nackten Zahlen ausgedrückt bedeutet dies für 2016 einen Jahresgewinn von 2,785 Millionen Franken. Nach 15 Jahren im Verwaltungsrat trat der 67-jährige Melchnauer Hans Duppenthaler zurück.

Strahlende Gesichter bei den Verantwortlichen der Clientis Bank Oberaargau an der Generalversammlung im Parkhotel in Langenthal. Verständlich, durften sie doch ihren 1436 zur GV erschienenen Aktionären (sie vertraten ein Aktienkapital von 2,9 Millionen Franken) das beste Ergebnis in der 140-jährigen Geschichte der Regionalbank präsentieren. Direktor Heinz Trösch stellte mit einem gewissen Stolz die Zahlen an den Anfang seines Referates. Er erwähnte, dass die Kundenausleihungen um 60,9 Millionen Franken, die Kundengelder um 31,3 Millionen Franken und das Depotvermögen der Kunden um 4,2 Millionen Franken zugenommen habe. «Die Bilanzsumme beträgt per Ende 2016 1,38 Milliarden Franken, das entspricht einer Steigerung von 4,6 Prozent», liess er die Anwesenden wissen.
Daraus resultiert ein Bruttogewinn von 8,062 Millionen Franken, was einer Zunahme von 13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der ausgewiesene Jahresgewinn zuhanden der GV beträgt damit nach Vornahme von Abschreibungen, Wertberichtigungen, Rückstellungen und Steuern 2,785 Millionen Franken. Zum Wachstum der Bank trugen gemäss Trösch sowohl Hypotheken an Private wie auch Kredite an Firmen bei. «Insgesamt haben wir 1008 Kreditgeschäfte bearbeitet. Daraus konnten 415 Neugeschäfte abgeschlossen werden», hielt der Direktor der Clientis Bank Oberaargau weiter fest.
Trotz dieses grossen Wachstums sei man auch im letzten Jahr bei der Vergabe von Krediten äusserst vorsichtig vorgegangen. «Bei weitem konnten nicht alle Kreditgesuche bewilligt werden», bemerkte Heinz Trösch. Der Zinserfolg, das wichtigste Ertragsstandbein der Regionalbank, ist mit 15,3 Millionen Franken rund eine Million höher ausgefallen als im Vorjahr. Dieses sehr gute Ergebnis ist für Trösch umso erfreulicher, weil man auch im vergangenen Geschäftsjahr mit einer engen Zinsmarge habe kämpfen müssen. «Die Gründe für den Zuwachs im Zinsertrag liegen einerseits im grossen Wachstum bei den Kundenausleihungen und andererseits in einer erfolgreich geführten Finanzanlagestrategie», erläuterte Trösch.
Verwaltungsratspräsident Hans Luginbühl (Huttwil) blickte zu Beginn seiner Ansprache zurück auf die 140-jährige Geschichte der Bank. «Ein Unternehmen kann nur so alt werden, wenn während 140 Jahren in allen Lebensphasen die Strategie, Risikopolitik, Personal- und Kreditpolitik mitgeholfen haben, ein Unternehmen, unsere Bank, weiterzubringen», betonte er. Anschliessend wagte er auch einen Blick nach vorne und betonte, dass sich an der Strategie der Bank nichts geändert habe. «Es bleibt unser Ziel, im Oberaargau der regionale Ansprechpartner für Bankgeschäfte zu sein», hielt er fest. Verwaltungsrat und Geschäftsleitung überprüften jährlich, anlässlich eines Workshops, die aktuelle Strategie.
Dabei diskutiere man, wie die Banklandschaft zukünftig aussehen werde. «Wird das Bankgeschäft in Zukunft nur noch am Smartphone abgewickelt oder benötigt es weiterhin Bankstandorte», stellte Luginbühl eine Frage in den Raum, die er gleich selber beantwortete: «Für das klassische Hypothekar- und Kreditgeschäft, und ich denke auch für die Anlageberatung von Wertschriften benötigt es auch in Zukunft persönliche Gespräche, mit gut ausgebildetem Personal vor Ort.» Damit wolle man sich aber nicht zufriedengeben. Hans Luginbühl ist überzeugt: «Das Potenzial für eine Regionalbank ist auch im Oberaargau immer noch gross und noch nicht ausgeschöpft. Wir spüren auch, dass wir als Regionalbank, auch dank dem Namen, der heute flächendecken bekannt ist, eine grosse Akzeptanz geniessen und wir zwischen der ‹Fritzenfluh› und dem ‹Hellköpfli› beachtet werden.»

Amtsdauer von drei Jahren auf ein Jahr reduziert
Genehmigt haben die Aktionäre auch eine Statutenrevision. Wichtigster Bestandteil bildet hier die Reduzierung der Amtsdauer der Verwaltungsräte, die bislang jeweils bei Wiederwahlen für eine Amtsdauer von drei Jahren gewählt wurden, neu aber jährlich für nur noch ein Jahr wiedergewählt werden. Gleichzeitig wurde der Passus, dass ein Verwaltungsrat bei Erreichen des 65. Altersjahres ausscheiden muss, gestrichen. Damit erhalte man bei gewissen, personellen Konstellationen mehr Flexibilität, begründete VR-Präsident Hans Luginbühl, der die Aktionäre aber zugleich wissen liess, dass man an der Alterslimite von 65 Jahren grundsätzlich festhalten wolle und dies im Reglement des Verwaltungsrates auch festhalten werde. In diesem Reglement solle zudem eine Amtszeitbeschränkung von 20 Jahren festgelegt werden. Anschliessend wurden die Verwaltungsräte Ulrich Grädel (Huttwil), Rudolf Heiniger (Niederbipp), Therese Lanz-Bärtschi (Huttwil), Miryam Medici Aeschlimann (Lotzwil), Werner Meyer (Langenthal), Christoph Schärer (Lotzwil) und Hans Luginbühl (Huttwil) für eine weitere, einjährige Amtsdauer bestätigt.
Nicht mehr im Verwaltungsrat vertreten ist der Melchnauer Hans Duppenthaler, der auf die GV hin das Gremium verlassen hat. Luginbühl lobte den diplomierten Meisterlandwirt als gradlinigen und verlässlichen Verwaltungsratskollegen. 1988 nahm er bis zur Fusion mit der Bank Huttwil im Jahre 2002 Einsitz im Verwaltungsrat der Spar- und Leihkasse Melchnau, deren Verwaltungsratspräsident er von 1993 bis 2002 auch war. Seit 2002 war er nun auch als Verwaltungsrat der Clientis Bank Oberaargau tätig. Die Walliser Sängerin Sina und ihre Band sorgten nach dem Essen für einen unterhaltsamen Ausklang der 140. GV der Clientis Bank Oberaargau.

Von Walter Ryser

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