• Gemeinsames Musizieren: Regula und Menel auf der Terrasse ihres Luftschlosses. · Bild: zvg

07.03.2018
Oberaargau

Das Luftschloss landet im Westschweizer Fernsehen

Zehn Tage lang herrschte Hochbetrieb im «Luftschloss» auf dem Rohrbachberg: Ein Genfer Filmteam vom Westschweizer Fern-

sehen RTS war in Auswil bei Menel Rachdi und seiner Frau Regula Farner zu Gast, um die «Renaissance» der Künstlerfamilie filmisch nachzuzeichnen. Aus unzähligen Aufnahmen in Bild und Ton resultiert schliesslich ein halbstündiger Film; dieser wird am Freitagabend, 16. März um 20 Uhr auf dem Westschweizer Fernsehkanal RTS 1 als aktueller Teil der Sendereihe «Passe-moi les jumelles» ausgestrahlt.

 

Auswil · Seit über zwanzig Jahren werden in der Kultursendung «Passe-moi les jumelles» («Gib mir den Feldstecher rüber») eher ungewöhnliche Lebensentwürfe, besondere Biografien und – von der Gesellschaft oft unbemerkt – ungewöhnliche Tätigkeiten vorgestellt: Meistens im Einklang mit der Natur, mit einem längst vergessenen Handwerk oder mit einer Kultur, die gefährdet ist, in Vergessenheit zu geraten;
auf einfühlsame Art und Weise, in ruhigen Bildern und jeweils sehr gut recherchiert.
Im Film, der am 16. März ausgestrahlt wird, geht es um die ungewöhnlichen Lebensstationen der Künstlerfamilie Rachdi & Farner auf dem Rohrbachberg, Gemeinde Auswil.

Alte Freundschaft
Dass Menel und Regula Einzug halten ins welsche Fernsehen hängt nicht zuletzt mit einer jahrzehntelangen Freundschaft zusammen: Jochen, der Realisator und Régisseur des Filmteams hat schon vor rund dreissig Jahren Filme über die Familie gedreht: Einer entstand in der «Fiechtenmühle» in Huttwil, wo die junge Familie seit 1985 lebte, ein zweiter über Menel‘s Asphaltkino-Projekt 1989 in Liechtenstein. Letztes Jahr waren es die Söhne des Regisseurs, die ihn plötzlich auf die Idee brachten, wieder einmal bei der Künstlerfamilie einzukehren.
Diesmal allerdings, um «La renaissance de Menel» festzuhalten. Die Renaissance, also die Wiedergeburt nach harten, elementaren Schicksalsschlägen, welche Menel einen grossen Teil seiner Werke raubten: Beim Jahrhundert-Hochwasser in Huttwil 2007 überfluteten Wasser und Schlamm die Werke im Turbinenhaus in der Lochmühle, wo die Familie lebte.

Das Urvertrauen nie verloren
Fluchtartig musste sie damals ihr Heim verlassen, zog später in ihr «Luftschloss» auf dem Rohrbachberg. Zahlreiche Bilder konnten damals gerettet werden, allerdings mit ewigen Spuren der Zerstörung. Schlimmer kam es zweieinhalb Jahre später: Beim Brand des «Bächler-Hauses» an der Luzernstrasse in Huttwil, wo der Kunstmaler seine Werke eingelagert hatte, wurde seine künstlerische Spur der letzten dreissig Jahre gelöscht, das gesamte Lebenswerk zerstört; ein herber Schlag! Gerettete Leinwände, Aquarelle, Tuschzeichnungen, aber auch viele gewidmete Kunstbücher und Ausstellungskataloge endeten in Schutt und Asche.          
Wenn der Verlust sie auch hart traf – niemals verloren Menel und seine Frau Regula ihren ausgeprägten Frohmut, das Urvertrauen und die Schaffenskraft.
Während Menel seine gesamte Kunstsammlung im «Bächler-Haus» für immer verloren wusste, begann er im luftigen Atelier ein neues Lebenswerk aufzubauen, neue Projekte umzusetzen. Und Regula Farner hat im einfachen Luftschloss in der grossartigen Lage auf dem Rohrbachberg einen einzigartigen Flecken gefunden, um sich ihrer Welt der Musik, des Papierschöpfens und des Bio-Kulturguts für ihren Mittagstisch zu widmen. Beide im festen Band der Familiengemeinschaft und eingebunden in die Entwicklung ihrer vier erwachsenen Töchter und in das Wachsen derer Familien. «Es war mein grosser Wunsch für die Dreharbeiten, dass ich nicht als Maler allein porträtiert werde, sondern wir gemeinsam als Künstlerfamilie im Luftschloss und ebenso mit einigen unserer Freunde, denen wir viel zu verdanken haben. Das Leben hatte für uns eigentlich immer schon die Bedeutung einer Art von Gesamtkunstwerk,» sinniert Menel gegenüber dem «Unter-Emmentaler».

Unvergessliche Zeit
Die zehntägigen Dreharbeiten der Genfer Anfang November 2017 fielen in eine Zeit regen Schaffens der Familie. Vom Zeitrahmen her eher ungünstig, «aber ruhiger wird‘s wohl kaum. Wir kamen uns grad vor wie auf einem Schneepflug, der die Arbeit anhäuft und vor sich her stösst. Und doch sind solche Projekte hoch spannend und wir bereuen keinen Moment, bei diesem Film mitgewirkt zu haben. Denn die Familie erlebte diese Zeit mit dem sympathischen Filmteam aus der Suisse Romande als äusserst reichhaltig und inspirierend. Auch entstand eine Vertrautheit: Mit der Zeit gewöhnten wir uns fast ein bisschen daran, dass wir von morgens bis abends mit Kamera und Mikrofonen begleitet wurden», blicken Menel Rachdi und Regula Farner zurück.
Eine unvergessliche Zeit hoch über dem Langetental waren diese Novembertage auch für die drei Filmemacher. Glücklich sitzt Toningenieur Benedict auf dem Traktor von Rachdis Nachbarn Beat Heiniger, als er das ungewohnte Fahrzeug in den Wald lenken darf. Kameramann Hughes riecht beim Holz aufladen den Duft des Harzes und fühlt die frische Luft. Jochen geniesst den heissen Tee und das Zvieri im Wald; alle sitzen um das Fondue in der Bauernstube, folgen Regula Farner in den herbstlichen Garten, begleiten Menel zum Malen ins Luthertal. Und die Romands staunen, wie die Töchter und Grosskinder beim Teig kneten vor dem Haus und beim Backen von Brot und Kuchen mithelfen.
Zwischen den Dreharbeiten blieb jeweils auch Zeit für gemütliche Momente und angeregte Diskussionen. Menel und Regula stellten dabei fest, dass die «No-Billag»-Initiative auch in der französischen Schweiz viel und engagiert diskutiert wird – im Bewusstsein, dass bei einer Annahme dieser Initiative unter anderem auch Kultursendungen wie eben «Passe-moi les jumelles» kaum mehr hätten finanziert werden können.  

Ein authentischer Extrakt
Mitte Dezember weilte Menel drei Tage lang in der Stadt Genf, wo er unter anderem eingeladen war, die Fernsehstudios zu besuchen, wo der Filmschnitt und die Vertonung von statten gingen. «Dass dabei eine ganze Menge gefilmter Szenen weggeschnitten werden musste, ist ja klar; herausgekommen ist eine Art Extrakt.» Menel freut sich sehr: «Die Romands haben ihre Arbeit unglaublich feinfühlig gemacht; sie haben unsere Gedanken und Empfindungen, gesprochen als französische Kommentare durch Sprechstimmen aus dem Off, sehr authentisch übersetzt und auf diese Art ein gspüriges und vielfältiges Bild des Lebens auf dem  ‹Luftschloss› geschaffen.»

Gut zu wissen
Der halbstündige Film «La renaissance de Menel» in der Sendung «Passe-moi les jumelles» wird am Freitagabend, 16. März 18 um 20 Uhr auf dem Westschweizer Fernsehkanal RTS 1 ausgestrahlt.

Von Liselotte Jost-Zürcher

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