• Mit seiner Überführung von Langenthal nach Melchnau ist das «Melchnauerli» in seine Heimat zurückgekehrt. · Bild: Andreas Messerli

19.07.2017
Oberaargau

Das «Melchnauerli» ist zurück

Der historische Schmalspur-Triebwagen «Melchnauerli» ist nach Melchnau zurückgekehrt! Der genau 100 Jahre alte Veteran musste im Herbst 2009 – nach Auflösung der damaligen Vertragsverhältnisse – aus der Remise Melchnau entfernt werden. Nun kann der Verein Freunde Schweizer Schmalspurbahnen (FSS) die Remise kaufen und hat das Fahrzeug vor kurzem wieder hierher gebracht. Entstehen sollen damit eine Attraktion für Ausflüge und ein Bezugspunkt der regionalen Identität.

Melchnau · Der Triebwagen «Melchnauerli» stand drei Jahre lang auf einem eingezäunten Gelände in Langenthal, im Freien und nur in eine Blache eingehüllt. Diesen Abstellplatz musste er spätestens im Juli dieses Jahres verlassen. Ziel des Vereins Freunde Schweizer Schmalspurbahnen war, das «Melchnauerli» von dort wieder zurück in die Remise Melchnau zu bringen. Das bedeutete einen gewaltigen Schritt für den 70 Mitglieder zählenden Verein.

Rückkehr nach Hause
Das Areal des ehemaligen Bahnhofs Melchnau ist 2016 in private Hände gekommen. In Verhandlungen konnte der Verein mit dem neuen Eigentümer erreichen, dass er die Remise mit etwas Umschwung an den Verein weiterverkauft. Insgesamt werden dafür rund 40 000 Franken benötigt. Das Aufbringen dieser Summe stellt für den Verein FSS eine grosse Herausforderung dar. Eine der wichtigsten Stützen sind die treuen Vereinsmitglieder. Doch zusätzlich sind Spenden- und Sponsorengelder notwendig. Weil das «Melchnauerli» in den Herzen der Bevölkerung weiterlebt, ist der Verein zuversichtlich, diese zu finden. Und er hat vom heutigen Eigentümer das Einverständnis erhalten, nach einer ersten Anzahlung das «Melchnauerli» in die Remise transportieren zu können. Deshalb konnte das «Melchnauerli» vor einigen Tagen wieder nach Melchnau in die Remise zurückkehren. Hier stand es schon von 1999 bis 2009 und wurde von Aktivmitgliedern teilweise renoviert.

Spendengelder benötigt
Der Verein FSS hat 1999 den Triebwagen «Melchnauerli» von der Aare Seeland mobil (ASM) übernommen und in der Remise Melchnau die Renovationsarbeiten begonnen. Er hat am «Melchnauerli» bis 2009 über 6000 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet und gegen 70 000 Franken investiert. Die meiste Unterstützung erfuhr der Verein von vielen Spendern und Sponsoren. Zurzeit ist der Wagen etwa zur Hälfte saniert; fehlend sind die Seitenwände und die Inneneinrichtung. Der Verein möchte die Arbeiten nach dem Umzug in der Remise Melchnau weiterführen. Nach wie vor sind dafür technische Fachleute, vor allem Elektriker, Schlosser und Schreiner, gesucht. Der Vereinsvorstand ist zuversichtlich, dass das Fahrzeug z.B. im Rahmen von Gruppenausflügen schon bald zusammengefügt besichtigt werden kann. Doch zuerst wird er sich nun intensiv mit dem Sammeln von Spenden und Sponsorenmitteln befassen, um das Grundstück mit der Remise kaufen und abzahlen zu können.
Die Remise Melchnau steht neben dem umgebauten Bahnhofgebäude Melchnau. Auch die Remise befindet sich als fast «Hundertjährige» in einem erstaunlich guten Zustand. Lediglich die eine Dachecke und die eine Bretterwand rufen nach baldigen Massnahmen. Remise und Bahnhofgebäude Melchnau bildeten den Abschluss der 100-jährigen Schmalspur-Linie von Langenthal nach Melchnau und damit den Kopf eines architektonisch und kulturhistorisch wertvollen Gesamtbauwerks. Seit Dezember 2015 ist das Gleis zwar zwischen St. Urban Ziegelei und Melchnau verschwunden. Doch stehen an der Bahnlinie Langenthal–Melchnau noch weitere Gebäude aus dem Eröffnungsjahr 1917: zum einen das Bahnhofgebäude Roggwil Dorf, zum anderen das «Bahnhöfli» Untersteckholz. 

Gut zu wissen
Damit der Verein die Remise samt Grund und Boden innerhalb nützlicher Frist übernehmen, renovieren und einrichten kann, braucht er nach wie vor die Unterstützung breiter Kreise. Die Melchnauerli-Internetseite bietet Infos und Kontaktadressen: www.melchnauerli.ch

Von Andreas Messerli

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