• Wie es mit dem Gasthof Rössli dereinst weitergehen wird, das steht nach der Versteigerung am 19. September völlig offen. · Bild: Yanick Kurth

31.07.2017
Region

Das «Rössli» kommt unter den Hammer

Das Konkursamt hat das Gasthaus Rössli an der Dorfstrasse 2 in Wasen zur öffentlichen Versteigerung ausgeschrieben. Am 19. September kommen die zwei Liegenschaften unter den Hammer. Wie es mit dem Restaurant danach weitergeht, ist völlig offen.

Wasen · Düstere Wolken über dem Gasthaus Rössli in Wasen: Die beliebte «Dorfbeiz» wird am 19. September versteigert. «Es gab in den letzten Jahren verschiedene Rechtsstreitigkeiten, welche teilweise bis zum Bundesgericht weitergezogen wurden. Einzelheiten zu den Prozessen können mangels Einsichtsrecht nicht gegeben werden», sagt Philip Schütz (Vorsteher Betreibungs- und Konkursamt Emmental-Oberaargau) zum «Unter-Emmentaler». Eines ist aber klar – die Liegenschaftsbesitzerin GT Gastro AG in Hergiswil NW ist pleite. Deshalb erfolgt die konkursamtliche Grundstückversteigerung. 

Konkursamt Nidwalden führt das Verfahren

«Gehört zu einer Konkursmasse ein Grundstück, ist dieses im Rahmen des Konkursverfahrens zu verwalten. Darunter fällt auch der Einzug von allfälligen Miet- oder Pachtzinsen. Im konkreten Fall wird das Konkursverfahren durch das Konkursamt Nidwalden geführt. Da das Grundstück sich jedoch in der Verwaltungsregion Emmental-Oberaargau befindet, hat das Konkursamt Nidwalden das Betreibungs- und Konkursamt Emmental-Oberaargau rechtshilfeweise mit der Verwaltung und nun auch mit der Verwertung beauftragt. Weitere Betriebe seitens der GT Gastro AG sind in der Verwaltungsregion Emmental-Oberaargau jedoch nicht vorhanden», so Philip Schütz. 


Seit 13 Jahren im «Rössli»

Doris Meister, Pächterin des Gasthofs, hat im November 2004 begonnen zu wirten. Seither führt die 44-Jährige den im Herzen von Wasen stehenden Betrieb mit viel Herzblut. Hauptsächlich ist Doris Meister in der Küche anzutreffen. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Das Gasthaus führt sie in eigener Regie. Sie wird von Angestellten unterstützt. Das Essen ist hier gutbürgerlich – die Stimmung unter den Gästen stets friedlich. Am Stammtisch sitzen Leute aus dem Dorf. Dass hier einst Schluss sein könnte, will niemand richtig glauben.

Seit rund zehn Jahren ist Doris Meister im Wissen, dass die Liegenschaften irgendwann einmal versteigert werden. Dass es aber derart lange dauern würde, mit dem hat auch die 44-Jährige nicht gerechnet. «Ich habe die Meldung zur konkursamtlichen Grundstückversteigerung zur Kenntnis genommen, etwas dagegen tun kann ich sowieso nicht», sagt Doris Meister.  Sie hofft, das Gasthaus auch in Zukunft weiterführen zu können. Die Liegenschaften selber zu erwerben kommt für sie aber nicht in Frage. Man müsste viel in deren Unterhalt stecken. «Im Moment heisst es Abwarten und Tee trinken, mehr kann ich nicht tun.»

Seltene Massnahme

Im Verhältnis zu den knapp 60 000 Betreibungs- und den über 200 Konkursverfahren kommt die betreibungs- oder konkursrechtliche Grundstücksteigerung nicht so häufig vor. In der Region Emmental-Oberaargau sind es  aktuell pro Jahr zirka 20 öffentliche Versteigerungen. 

Solange es noch nicht zum Zwangsvollstreckungsverfahren gekommen ist, würden Schuldner mit ihren Gläubigern immer wieder eine Lösung finden, bevor diese letzte Massnahme zum Zug kommt. Ist dies nicht der Fall, müssen die Pfandgläubiger auf einen möglichst hohen Erlös bei der Grundstücksteigerung hoffen. Denn: Gibts keinen Käufer oder einen zu geringen Erlös, erleidet der Gläubiger den sogenannten Pfandausfall.


Wie es weitergeht, weiss niemand

Auch die vielen Stammgäste des Gasthauses hoffen, dass dessen Türen  auch nach der Versteigerung offen bleiben. «Wo sollen wir denn ‹einkehren›, wenn das ‹Rössli› geschlossen wird», fragt sich ein Stammgast. Bis zum kommenden 19. September wird das Gasthaus seinen Betrieb zu den  normalen Öffnungszeiten fortführen. Ein allfälliger neuer Besitzer müsste dann den Pachtvertrag von Doris Meister übernehmen. Möchte dieser eine andere Lösung – muss er der Pächterin künden. Wie es mit dem «Rössli» nach der Versteigerung weitergeht, steht völlig offen. Die Steigerungsbedingungen liegen vom 28. August bis zum 7. September auf. Die Grundstücke können, nur unter Voranmeldung, am Mittwoch, 30. August 2017, um 14 Uhr, besichtigt werden. Die Versteigerung geht dann am 19. September 2017 um 14 Uhr im «Rössli»-Saal über die Bühne. 

Von Yanick Kurth

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