• Acht Jahre lang stand Hansjörg Muralt der Gemeinde vor. In wenigen Wochen sagt er dem Stadthaus Adieu. · Bilder: Marcel Bieri

31.10.2016

«Das Städtchen muss ein attraktiver Einkaufsort bleiben»

In zwei Monaten tritt Hansjörg Muralt nach acht Jahren als Gemeindepräsident von Huttwil zurück. Beim Rückblick auf seine Amtszeit und die erledigten Geschäfte spricht er nicht von Stolz, den er verspüre, aber von einer grossen Befriedigung, die ihn erfülle. Auch nach seinem Rückzug aus dem politischen Leben in der Gemeinde werde er die Entwicklung von Huttwil weiter mitverfolgen. Als Detaillist liege es ihm sehr am Herzen, «dass Huttwil ein attraktiver Einkaufsort bleibt, denn davon profitieren wir alle.»

 

Walter Ryser im Gespräch mit Huttwils Gemeindepräsident Hansjörg Muralt


Hansjörg Muralt, noch zwei Monate, dann ist Ihre Zeit als Gemeindepräsident von Huttwil abgelaufen. Sind Sie froh darüber?
Irgend einmal geht jede Epoche zu Ende. Ich habe mich entschieden, nicht mehr als Gemeindepräsident zu kandidieren. Ich bin vor allem froh, dass sich während meiner Amtszeit Huttwil so positiv entwickelt hat und viele Geschäfte mehr oder weniger reibungslos abgewickelt werden konnten. Ich habe jährlich rund 600 Stunden für das Amt des Gemeindepräsidenten eingesetzt. Natürlich bin ich froh darüber, dass mir diese Zeit nun wieder für andere Dinge, für mein Geschäft und Privates, zur Verfügung steht. Vor allem das aufwändige Ak-tenstudium, das ich oft an den Wochenenden erledigt habe, entfällt nun und darüber bin ich sicher nicht unglücklich.

2009 wurde das Gemeinderatspräsidium und jenes des Gemeindepräsidenten zusammengeführt. Sie sind demnach der erste alleinregierende Gemeindepräsident von Huttwil gewesen und sichern sich damit einen Eintrag in den Geschichtsbüchern von Huttwil. Sind Sie stolz darauf?
Ich möchte festhalten, dass ich nicht alleinregierender Gemeindepräsident war, ansonsten hätten wir die übrigen Gemeinderäte nicht gebraucht. Stolz ist diesbezüglich nicht das richtige Wort, aber eine gewisse Befriedigung verspüre ich schon. Der Zusammenschluss hat sich zweifellos bewährt, das Gemeindepräsidium wurde dadurch deutlich aufgewertet. Der Gemeindepräsident hat mehr Kompetenzen erhalten und erfüllt nicht bloss repräsentative Aufgaben wie zuvor.

Was möchten Sie bis Ende Jahr noch unbedingt erledigen?
Es stehen noch diverse Termine in meiner Agenda. Da sind beispielsweise noch drei Gemeinderatssitzungen sowie eine Gemeindeversammlung zu absolvieren. Am 3. Dezember wird dann noch der neue Bahnhof in Huttwil eingeweiht, darauf freue ich mich ganz besonders, habe ich doch für dieses Geschäft sehr viele Stunden investiert. Ich war von Anfang an beim ganzen Planungsverfahren mit dabei. Ein persönliches Highlight wird für mich im November die Wiederaufnahme des Eisbetriebes im neuen Campus Perspektiven darstellen. Auch darauf freue ich mich und es erfüllt mich mit grosser Genugtuung.

Gibt es etwas, das Sie bedauern, weil Sie das nicht mehr als Gemeindepräsident an vorderster Front begleiten und miterleben können?

Die weitere Entwicklung der Gemeinde werde ich künftig als Bürger von Huttwil mitverfolgen. Wir haben als Gremium in den letzten Jahren in Huttwil etwas aufgegleist, das nachhaltig ist. Diese Entwicklung schlägt sich nun auch auf die Einwohnerzahl nieder. Diese ist nämlich in den letzten elf Monaten um 1,79 Prozent angestiegen (85 Personen). Der eingeleitete Bauboom wirkt sich also positiv auf die Einwohnerzahl aus.

Wenn Sie auf Ihre Zeit als Gemeindepräsident zurückblicken, was verschafft Ihnen dabei besondere Genugtuung?
Da gibt es doch recht viele Dinge, an die ich mich gerne zurückerinnere, auch während meiner Zeit zuvor als Gemeinderat. Sicher ein herausragendes Ereignis für Huttwil stellte der Verkauf der Onyx-Aktien im Jahr 2006 dar. Das hat die finanzielle Situation der Gemeinde schlagartig verbessert. Die Genehmigung der Ortsplanung war ein eminent wichtiger Schritt für die Entwicklung Huttwils, denn dadurch wurde der heutige Bauboom erst möglich. Die Sanierung des Huetihus erfüllt mich mit Genugtuung, weil ansonsten hier ein nahezu unbrauchbares Gebäude hinterlassen worden wäre. Ein ganz grosses Anliegen von mir waren auch immer die Gemeindefinanzen. Es ist nicht ganz selbstverständlich, dass es uns während meiner Amtszeit immer gelungen ist, sämtliche Investitionen selber zu finanzieren, ohne die Onyx-Gelder zu beanspruchen. Sehr gerne habe ich auch immer als Vertreter der Subregion Oberaargau Süd im Vorstand der Region Oberaargau mitgearbeitet. Und die Feier ‹700 Jahre Stadtrecht Huttwil› vor drei Jahren, die ich als OK-Präsident begleiten durfte, bildet ein weiteres sehr schönes Erinnerungsstück.

Gibt es auch Dinge, die Ihnen während Ihrer Amtszeit Mühe bereitet haben?
In die Zeit als Gemeinderat fiel 2007 das dramatische Hochwasser in der Region Huttwil. Dieses Ereignis hat Spuren hinterlassen und mir klar vor Augen geführt, wie sich eine friedliche Lebenslage innert Stunden dramatisch verändern kann. Natürlich bedeutete auch die gescheiterte Fusion mit Wyssachen eine Enttäuschung, wobei in der Schweiz zum Glück das Volk solche Entscheide fällen darf. Daneben gab es natürlich auch immer wieder Geschäfte, die es zu vertreten gab, bei denen man wusste, dass der Entscheid einem Teil der Bevölkerung nicht gefallen wird. Das gehört jedoch zum politischen Prozess. Auch waren wir im Gemeinderat nicht immer gleicher Meinung, aber auch das ist Bestandteil unserer Demokratie.

Hat sich das Politisieren während Ihrer Amtszeit verändert?
Diese Frage ist schwierig zu beantworten, weil ich das Gefühl habe, dass das politische Klima in der Gemeinde auch schon rauher war. Sicher, es gab manchmal gewisse Dinge, die man gerne gesagt hätte, aber aus Rücksicht auf die  Verschwiegenheit als Amtsperson nicht ausgesprochen hat.

Huttwil befindet sich im Wandel. Trotz grosser Bautätigkeit wird es für Huttwil in Zukunft nicht einfach sein, sich als Zentrumsgemeinde zu behaupten. Im Oberaargau richtet sich vieles nach Langenthal aus, das hat man auch in Huttwil bereits schmerzhaft zur Kenntnis nehmen müssen. Genannt seien die Kaufmännische Berufsschule, das zehnte Schuljahr oder Spital-Dienstleistungen. Wie kann Huttwil diesem Trend entgegenwirken und was ist von Seiten der Politik, des Gewerbes und der Bevölkerung nötig?
Als Detaillist habe ich bei dieser Frage vielleicht eine etwas andere Sicht. Es muss das Bestreben der Politik sein, dem Gewerbe und Handel möglichst optimale Rahmenbedingungen zu bieten. Wir haben diesbezüglich in Huttwil eine erfreuliche Situation, mit vielen Gewerbebetrieben und Detaillisten. Mit der Realisierung der Ortsdurchfahrt dürfte der Ort eine zusätzliche, kosmetische Verschönerung erfahren, die hoffentlich auch Auswirkungen auf das Gewerbe und den Handel hat. Aber generell müssen wir alle Anstrengungen unternehmen, dass Huttwil als Einkaufsort attraktiv bleibt, denn davon profitieren letztendlich alle.

Während Ihrer Amtszeit wurde auch immer wieder Kritik laut, was die Führung der Gemeinde anbelangt. Bemängelt wurde oft, zuletzt auch wieder vor den Gemeinderatswahlen, dass man den Eindruck habe, Huttwil werde zunehmend von der Verwaltung geführt und der Gemeinderat führe als Handlanger bloss die Befehle aus?
Diesen Vorwurf muss ich vehement dementieren. Der Gemeindeverwalter ist kein Dorfkönig, nicht in Huttwil und auch nicht anderswo. Der Gemeindeverwalter bereitet die Geschäfte vor, berät und begleitet den Gemeinderat. Die Entscheide fällt jedoch einzig und alleine der Gemeinderat. Es ist aber logisch, dass der Gemeindeverwalter als Profi über ein grösseres fachliches Wissen verfügt als viele Gemeinderäte. Dennoch werden die Entscheide durch den Gemeinderat gefällt. Bürger, die objektive Kritik angebracht haben, habe ich immer geschätzt, haltlose Kritik dagegen hat mich schon gestört.

Gibt es etwas, das Sie im Nachhinein anders machen oder gerne rückgängig machen würden?
Entscheide werden im Moment gefällt, unter Berücksichtigung der aktuell vorliegenden Fakten. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sich ein gefällter Entscheid später negativ auf die weitere Entwicklung Huttwils ausgewirkt hat.

Sie sind Inhaber eines Herrenmodegeschäfts und zugleich Gemeindepräsident. Wie haben Sie diesen Spagat bewerkstelligt, sind Sie dabei nicht manchmal an Grenzen gestossen?
Klar, gab es Situationen, wo man gleichzeitig an zwei Orten hätte präsent sein sollen. Ich habe darauf geachtet, dass ich beispielsweise den Samstag für das Geschäft frei halten konnte, weil das für uns der wichtigste Verkaufstag ist. Auf die vermehrte Mithilfe meiner Frau war ich natürlich angewiesen. Durch eine verbesserte Organisation im Geschäft konnten wir aber Zeit gewinnen. Sicher bin ich zwischendurch auch an meine Grenzen gestossen, weil ich stets bestrebt war, die Geschäfte im Gemeinderat perfekt vorzubereiten. Dies wiederum hat einen entsprechenden Aufwand erfordert, der hin und wieder auch an die körperliche Substanz ging.

Für Sie beginnt bald ein neuer Lebensabschnitt. Haben Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, wie Sie die vermehrte Zeit, die Ihnen nun zur Verfügung stehen wird, nutzen wollen?

Ich habe mir einen ‹Flyer› bestellt, mit dem ich in Zukunft Radwanderungen unternehmen werde. Ich werde mich zweifellos vermehrt und mit grosser Freude in der Natur aufhalten, denn wir verfügen in unserer Gegend über ein schönes Naherholungsgebiet, das ich vermehrt geniessen möchte.
Vermutlich wird man mich auch wieder ab und zu auf dem Tennisplatz antreffen.

Auf was freuen Sie sich nach Ihrem Rücktritt ganz besonders?
Ganz klar auf die neu vorhandene Freizeit und die Möglichkeit, darüber nach Lust und Laune verfügen zu können. Zweifellos wird auch ein gewisser Druck wegfallen, was einem die vorhandene Freizeit besser geniessen lässt.

Gibt es einen Wunsch, den Sie sich gerne noch erfüllen möchten?
Eigentlich bin ich fast wunschlos glücklich. Natürlich hoffe ich, dass es mir die Gesundheit erlaubt, mein berufliches und privates Leben noch ein bisschen zu geniessen.

Was wünschen Sie sich für die Gemeinde Huttwil?
Dass sie sich weiter positiv entwickelt und sich diese Entwicklung auch weiterhin positiv auf die Einwohnerzahl auswirkt. Wir müssen alles unternehmen, um in Huttwil neue Arbeitsplätze zu schaffen, was hilft, dass die noch freien Wohnungen von neuen Einwohnern gemietet oder gekauft werden. Ich bin mir aber auch bewusst, dass eine solche Entwicklung Auswirkungen auf die Gemeindefinanzen hat, und ich hoffe deshalb, dass auch der kommende Gemeinderat stets ein besonderes Augenmerk auf die finanzielle Lage der Gemeinde legen wird.
Ich möchte es nicht unterlassen, allen die mich während meiner Amtszeit unterstützt haben, herzlich zu danken. Auch danke ich der Bevölkerung für die vielen konstruktiven Gespräche, die ich gerade nach der Bekanntgabe meines Rücktritts führen durfte. Ich bin dreimal zu den Gemeinderatswahlen angetreten und habe mein Resultat immer verbessern können, was nicht selbstverständlich ist. Für dieses Vertrauen bedanke ich mich bei der Bevölkerung von Huttwil ebenfalls recht herzlich.

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