• Dirigent Marcel Hirsiger und das Langenthaler Stadtorchester begeisterten die Zuhörer mit ihrem Sommerkonzert. · Bild: Rolf Bleisch

15.05.2017
Oberaargau

Dem Sommer prächtig geschmeichelt

Dem Sommer auf die Sprünge zu helfen, ist Ziel der Sommerkonzerte des Langenthaler Stadtorchesters unter Leitung von Marcel Hirsiger. Gelingen soll das unter dem Motto «Im Sommer» mit Werken von Artur Honegger, Ludwig van Beethoven und der Uraufführung der Sommersuite von Yuko Ito. Die Premiere in Rohrbach war erfolgreich, ebenso die Aufführung in Langenthal. Ein drittes Konzert wird in Herzogenbuchsee stattfinden.

Rohrbach · Ob sich nun der Sommer die Schmeicheleinheiten des Stadtorchesters Langenthal zu Herzen nehmen wird, steht noch in den Sternen. Das Orchester unter der Leitung von Marcel Hirsiger identifizierte sich in allen drei Stücken voll und mit überzeugender Spielfreudigkeit mit dem Thema des Konzertabends. Und schon nach wenigen Takten der «Pastorale d‘été» des Schweizer Komponisten Arthur Honegger stellte sich der Kampf zum Aufbruch in den Sommer ein. Noch etwas schwermütig stiegen die tiefen Streichinstrumente ins Thema ein. Das Waldhorn sah sich verpflichtet, die Schwermütigkeit zu brechen, und zusammen mit den kleineren Streichinstrumenten versuchten sie mit Erfolg Aufbruchsstimmung zu schaffen. Abgelöst wurden sie in dieser Aufgabe von den Holzbläsern. Selbst wenn sich der Wechsel von Schwermut zur Vitalität der Natur nur langsam vollzog, unterstützten die Streicher das Vorhaben, führte das Waldhorn mit sanften Tönen und mit der Unterstützung von  Oboe, Klarinetten und Flöten zu erwachender Freude.

Yuko Ito malt den Sommer  
Des Sommers Faszination, als weiterer Aufbau der Lebensfreude, nahm sich die Komponistin Yuko Ito mit dem «Sommersatz» ihres Zyklus zu den vier Jahreszeiten zu Herzen. Sie baute ihren Sommer über vier Sätze auf und nutzte dazu die vielen musikalischen Bilder, die ein Symphonieorchester anzubieten hat. Die Nebelschwaden, die die Komponistin über den Langenthaler Wässermatten erlebte, führten zum Erwachen dieser Landschaft. Das Summen der Celli eignete sich zum Beschrieb dieser Atmosphäre bestens. Es weckte Gefühle und Hoffnungen und forderte den Einsatz  der Bläser, um das Aufleben der Natur mächtig und mit abschliessender Kraft der Paukenschläge zu unterstützen. Volle Lebensfreude entdeckte die Komponistin beim Wasser, setzte sich an den Flügel und nutzte die prikelnde Stimmung des rauschenden Wassers über ihre Fingerarbeit an den Tasten mächtig um, und Dirigent Hirsiger forderte das Orchester ohne das Blech zu einer sanften Begleitung auf. Der Sonne Strahlen setzte die Landschaft in neues Licht. Das Orchester übernahm das Thema des Flügels und breitete es zu mächtigen Finaltakten aus.
Spielend gings weiter mit der Bassklarinette, die zum tänzerischen Fest einlud, das Orchester erinnerte sich an das Volkslied «Lueget vo Bärg und Tal» und erreichte sein Ziel mit sanftem, lieblichem Dreiviertelklang. Die Trompeten führten zu neuen Klängen mit allen Bläsern zusammen, die die Festlichkeiten zu vollen Klängen brachten. Dynamisches Spiel war die grosse Klasse des Orchesters und der Komposition von Yuko Ito, denn den aufbrausenden Bläsern liess sie die Celli zu sanften gezupften Klängen folgen.

Ultimativer Lockstoff
Die Lebensfreude, die Itos Werk zu grossem Applaus führte, übernahm der erste Satz  der 5. Sinfonie von Ludwig van Beethoven unter dem Titel «Pastorale». Dirigent Hirsiger umschrieb das Werk vorerst mit den Worten, dass dies nun ein ultimativer Lockstoff für einen schönen Sommer sei und Parallelen zu den zwei erst gespielten Werken einnehme. Echte Sommergefühle weckte das grossartige Werk Beethovens im ersten Satz. Kontrastreich dazu war der ruhige zweite Satz. Doch der bewegenden Momente fehlte es auch da nicht, denn das Orchester nahm sich der Ruhe an und überraschte dazu mit sanft bewegenden Momenten mit abwechselnden solistischen Einlagen. In den folgenden Sätzen wurde das Hauptthema wieder über die Holzbläser  aufgenommen. Das ganze Orchester war dann in technischer und musikalischer Weise weiter in der Interpretation des aufkommenden Sommergewitters gefordert. Und die daraus erlebten Klänge führten zur Einsicht, dass sich der Sommer, wie natürlich auch die begeisterten Zuhörer und Musizierenden, geschmeichelt gefühlt haben mussten. Und so darf zum Schluss gesagt sein, dass das Stadtorchester Langenthal mit seinem Sommerkonzert den Zuhörerinnen und Zuhörern in Rohrbach ein ganz besonderes musikalisches Geschenk machte.

Weitere Aufführung
Sonntag, 21. Mai, 17 Uhr,  Reformierte Kirche Herzogenbuchsee. Eintritt frei, Kollekte zur Deckung der Unkosten.

Von Rolf Bleisch

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