• Freuen sich auf die kommenden Fasnachtstage in Huttwil: Ueli und Heidi Anliker, die sich seit über 20 Jahren mit viel Herzblut für die Huttwiler Fasnacht einsetzen. · Bild: Walter Ryser

06.03.2017
Huttwil

Den Fasnachtsvirus ins «Städtli» gebracht

Ueli und Heidi Anliker sind «vergiftete» Fasnächtler. Angesteckt mit dem Fasnachtsvirus haben sich die beiden in Basel, wo das Paar einige Jahre lebte. Seit über 20 Jahren gehören die beiden zu den treibenden Kräften der Huttwiler Fasnacht und das soll noch lange so bleiben.

Die Vorfreude und das «Fasnachtsfieber» steigen, auch bei Ueli und Heidi Anliker. Vor 14 Tagen haben sich die beiden an der Fasnacht in Kriegstetten «aufgewärmt». Das Ehepaar aus Huttwil gehört zur Huttwiler Fasnacht wie der Eiffelturm zu Paris. «Ich werde immer an der Huttwiler Fasnacht teilnehmen oder zumindest dem Umzug beiwohnen, selbst wenn ich mit dem Rollator kommen muss», sagt Heidi Anliker lachend. Fasnacht ist für die beiden nicht bloss ein Hobby, sondern eine Herzensangelegenheit und das schon seit vielen Jahren.
Angefangen hat alles in Basel, wo das Paar einige Jahre lebte. «Hier hat es uns gepackt», erzählt Ueli Anliker. Als die beiden 1976 wieder in ihre Heimat zurückkehrten und in Huttwil sesshaft wurden, seien sie regelmässig während der Fasnacht nach Basel zurückgekehrt. «Es wäre uns nie in den Sinn gekommen, in Huttwil Fasnacht zu machen», berichtet das pensionierte Ehepaar. Im Gegenteil, Ueli und Heidi Anliker haben damals, 1996, den Versuch, die Huttwiler Fasnacht neu zu lancieren, belächelt und blieben in den ersten zwei Jahren dem närrischen Treiben im «Städtli» fern.

«Götti-Obe» lanciert
Aber bereits bei der dritten Austragung hielten  es Anlikers nicht mehr zu Hause aus und mischte sich verkleidet unter das Huttwiler Fasnachtsvolk. Man habe sich köstlich darüber amüsiert, dass viele Huttwiler nicht gewusst hätten, wer sie da auf die Schippe nahm, sagt das seit 44 Jahren verheiratete Paar. Den beiden hat es gefallen. «Ja, wir fanden, dass die Huttwiler Fasnacht eine gute Sache ist, die man unterstützen sollte», bemerkt der 68-jährige, ehemalige Innenarchitekt Ueli Anliker. Wenig später sei man bereits der Fasnachtsvereinigung Huttwil beigetreten, fügte seine um ein Jahr jüngere Frau hinzu.
Die beiden haben nach dem Einstieg ins Huttwiler Fasnachtsleben den «Götti-Obe» ins Leben gerufen, einen Anlass im Stadthaussaal, von dessem Erlös jeweils ein gewisser Betrag in die Kassen einer wohltätigen Institution floss. «Hier hat es uns endgültig gepackt, haben wir doch gesehen, dass mit der Fasnacht auch in Huttwil etwas zu machen ist», sagt der gebürtige Gondiswiler Anliker, der sich neben der Fasnacht auch in vielen andern Funktionen für die Weiterentwicklung des gesellschaftlichen und politischen Lebens in Huttwil einsetzte. Noch heute ist er als Stiftungsratspräsident des Wohnheims «Öpfuböimli» sowie als FDP-Präsident in führenden Positionen tätig. Aber auch die in Huttwil geborene und aufgewachsene Heidi Anliker beteiligt sich aktiv am Leben in der Gemeinde, leistet seit vielen Jahren Freiwilligenarbeit im Seniorenpark Sonnegg (vormals Altersheim).
Die Fasnacht ist und bleibt jedoch ihre grosse Leidenschaft. «Wir haben rasch realisiert, dass es möglich ist, Auswärtige an die Huttwiler Fasnacht zu locken», erzählt Heidi Anliker. Mittlerweile engagieren sich die beiden seit über 20 Jahren in der Organisation der  Fasnacht im Blumenstädtli. Es sei immer wieder schön, wenn man feststellen dürfe, dass man mit diesem Anlass vielen Leuten eine Freude bereiten könne. «Es erfüllt uns natürlich auch mit einem gewissen Stolz, dass es uns gelungen ist, die Fasnacht in Huttwil zu etablieren», bemerken die beiden, die jedoch explizit betonen, dass dies nicht ihr Verdienst sei, sondern das Werk vieler leidenschaftlicher Huttwiler Fasnächtler und Helfer. Heute sei die Huttwiler Fasnacht weitherum bekannt. «Viele Guggenmusiken aus der ganzen Schweiz wollen zu uns kommen, weil unsere Fasnacht mitten im Städtli über eine ganz spezielle Atmosphäre verfügt», weiss Ueli Anliker. Sie erhielten stets viele Komplimente, «die uns immer wieder anspornen, weiterzumachen», sagt Heidi Anliker. Dennoch sind die beiden, zusammen mit dem Vorstand der Fasnachtsvereinigung, bemüht, Nachwuchs zu rekrutieren, damit die Huttwiler Fasnacht auch nach Anlikers weiterlebt.
Der dieses Jahr ins Leben gerufene Zeichnungswettbewerb für Schüler sei ein wichtiger Schritt in diese Richtung, sind die beiden überzeugt. Denn auch kommende Huttwiler Fasnachtsgenerationen sollen einmal so viele schöne, unvergessliche Momente erleben dürfen wie Ueli und Heidi Anliker, sagen die beiden, die darauf hinweisen, dass jedes Jahr wieder ein Höhepunkt bilde, weil man immer wieder neue und verblüffende Sachen sehe.

Immer verkleidet an der Fasnacht
Der Auftritt der weltbekannten Mainzer Höfsänger im Jahr 2012 im «Mohren»-Saal sei aber auch für sie ein ganz besonderer Fasnachts-Höhepunkt gewesen, betonen Ueli und Heidi Anliker, die an jeder Fasnacht mottogetreu verkleidet teilnehmen. Durch die Fasnacht seien auch viele schöne Freundschaften entstanden, geben die beiden weiter zu verstehen.
Nicht zuletzt auch deshalb sind beide der Meinung, dass ihnen zweifellos etwas fehlen würde, wenn es die Huttwiler Fasnacht nicht mehr geben würde. Dann hätten sie zwar wieder einmal Zeit, an der Basler Fasnacht teilzunehmen. «Ja», sagen beide unisono, «das würden wir gerne tun, doch die Basler Fasnacht liegt für uns zeitlich ungünstig», sagt Ueli Anliker, weshalb die beiden hoffen, noch lange der Huttwiler Fasnacht den Vorzug geben zu können.

Von Walter Ryser

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