• Ein unvergesslicher Moment: Simon Erni macht nach dem letzten Streich des «Eidgenössischen» 2015 vor jubelnden Familienmitgliedern und Hornusserfreunden einen gewaltigen Freudensprung. Soeben hat er sich zum Schlägerkönig gehornusst. · Bild: Stefan Leuenberger

17.08.2018
Sport

«Den Königsstich zu erreichen, ist sehr schwierig»

Interview: Stefan Leuenberger im Gespräch mit Simon Erni, Hornusser aus Gondiswil – Das Eidgenössische Hornusserfest in Walkringen steht bevor. Am übernächsten Wochenende tritt der 26-jährige Gondiswiler Simon Erni zur Titelverteidigung in der Team- und Einzelwertung an. Das Mitglied der HG Höchstetten A spricht im Interview von einem schwierigen Unterfangen.

 

Hornussen

Wie geht es Ihnen?
Sehr gut, danke der Nachfrage. Meine Gesundheit passt.

Wie steht es um Ihre Fitness?
Nach dem Eröffnungshornussen darf ich sagen, dass auch sie passt. Mit zwei bis drei Trainings pro Woche konnte ich mich gut auf das «Eidgenössische» vorbereiten.

Sie scheinen ranker und schlanker als bei Ihrem Grosserfolg vor drei Jahren …
(lacht) Wirklich? Ich fühle eher das Gegenteil. In der Tat bin ich aber ungefähr gleich schwer wie 2015, nämlich um die 112 Kilogramm.

Schwinger Martin Grab wurde des Dopings überführt. Wie steht es mit Doping im Hornussen, damit die Schlagleistung besser wird?
Völlig unnütz. Ich lege für alle meine Hornusserkollegen die Hand ins Feuer: Doping gibt es im Hornussen nicht.  

Ihre dreijährige Schlägerkönig-Amtszeit geht zu Ende. Traurig?
Nein, denn Schlägerkönig bleibt man ein Leben lang. Ich habe die Zeit sehr genossen.
Was hat sich seit Ihrem sportlichen Grosserfolg im August 2015 verändert?
Ich habe in Hornusserkreisen vielleicht etwas mehr Ruhm und Ehre erfahren, wurde ab und zu auf meinen Erfolg angesprochen. Sonst hat sich überhaupt nichts verändert.

Um einen Schwingerkönig entsteht jeweils ein grosser Hype. Wie sieht dies beim Hornusserkönig aus? Mussten Sie während Ihrer Amtszeit viele Autogramme geben?
Vereinzelte an interessierte Junghornusser. Ansonsten hielt es sich in Grenzen. Ich verfüge aber tatsächlich über eine Autogrammkarte.

Wurde in Ihrer Wohngemeinde Gondiswil eine Strasse nach Ihnen benannt?
(lacht) Nein, leider nicht.

Und wie steht es mit Groupies im Hornussen?
Die gibt es ebenfalls nicht. Aber sie kämen für mich auch nicht in Frage. Ich bin bei Tatjana Held in festen Händen.

Konnten Sie finanziell profitieren – und Sponsoren gewinnen?
Vereinzelte Sponsoren hat es tatsächlich gegeben. Ausserdem wurde mir ein Schuh gesponsert. Aber die finanzielle Unterstützung hält sich im absolut überschaubaren Rahmen. Das Hornussen geniesst nicht die mediale Beachtung wie das Schwingen. Dies wirkt sich im Sponsoring-Bereich aus.

Regionale Topsportler wie Bobpilot Clemens Bracher, der bereits kapituliert und seine Karriere beendet hat, Töffpilot Dominique Aegerter oder Mountainbiker Mathias Flückiger kämpfen des Geldes wegen ums sportliche Überleben. So akut dürfte es bei Ihnen nicht sein?
Überhaupt nicht, nein. Und diesbezüglich ist es halt wieder ein Vorteil, in einer überschaubaren Sportart aktiv zu sein.

Wie hoch sind denn die Auslagen für eine Hornussersaison?
Ich kaufe mir jede Saison einen neuen Hornusserstecken. Mit 1000 Franken kommt man gut durch eine Saison. Dies ist absolut kein Vergleich zu den gigantischen Saisonbudgets eines Bob- oder Töffpiloten.

Sie arbeiten nach wie vor 100 Prozent.
Logisch. Ich kenne keinen einzigen Hornusser, der wegen des Sports reduziert arbeitet.

Wie fällt Ihre sportliche Bilanz 2018 bisher aus: Sie haben mit Höchstetten den NLA-Schweizermeistertitel und die OZHV-Gruppenmeisterschafts-Ausscheidung gewonnen und wurden im NLA-Einzelschläger-Klassement Achter. Zufrieden?
Sehr sogar. Der Mannschaftserfolg steht über allem. Mit dem Meistertitel haben wir unser erstes Hauptziel des Jahres souverän erreicht. Im Einzel hatte ich keine Topsaison. Bei zwei, drei Spielen lief es mir nicht ganz wunschgemäss.

Am Mittwoch fand das Eröffnungshornussen statt. Es beinhaltete eine spezielle Neuerung. Zwei Streiche wurden wie gewohnt geschlagen. Bei den letzten beiden Streichen allerdings wurde bei der Vorbereitung des Abschlags die Lieblingsmusik des jeweils Schlagenden eingespielt. Ihre Meinung zu diesem publikumswirksamen Novum?
Ich finde es eine gute Sache, wenn Neues probiert wird. In diesem Fall war es aber eher ein Nachteil. Der Versuch war gut, hat aber starkes Verbesserungspotenzial. Der Wettkampf wurde nämlich durch die Einspielungen zu langfädig, was ich schade fand. Einzelne Zuschauer blieben so nicht bis zum Ende.   

Bei Ihnen ertönten die powervollen Klänge des Songs «Still Counting» der Band Volbeat. Wieso diese Wahl?
Ich finde es einfach ein gutes Lied. Es geht ab. Vor dem Hornussen pushe ich mich immer mit Rockmusik. Daheim höre ich aber auch Volksmusik. Ich höre eigentlich alle Stilrichtungen.

Sie haben mit vier starken Streichen den 3. Rang erreicht und damit aufgezeigt, dass im Kampf um die Einzelschläger-Krone erneut mit Ihnen zu rechnen ist.
Dieser Wettkampf ist mir wirklich gut gelungen. Schlägerkönig ist aber ein anderes Kaliber. Es muss an zwei Spieltagen wirklich alles zusammenpassen. Ich werde sicher mein Bestes geben, um den Königsstich zu erreichen.

Am Königsstich am 26. August dürfen die vier Besten der 1. Stärkeklasse, je die Sieger aus der 2. bis 4. Stärkeklasse und der Gewinner einer Ausscheidung aus den Siegern der 5. bis 8. Stärkeklasse teilnehmen. Wie schwierig ist es für Sie, unter die Top-4 der 1. Stärkeklasse zu kommen?
Überhaupt schon nur den Königsstich zu erreichen, ist sehr schwierig. Dies, weil die Breite der Langschläger momentan sehr gross ist.

Erschwert es die Aufgabe, wenn die Hauptkonkurrenz aus der eigenen Gesellschaft kommt?
Nein, es motiviert mich eher. Wir kommen gemeinsam in einen Flow. Und bei Höchstetten ist es so, dass jeder dem anderen den Erfolg gönnen mag.

Und was sagen Sie zum Königsstich-Modus?
Der Modus von 2015, bei dem alle Schläge des Königsstichs in die Wertung kamen, war viel besser. Der über alle Streiche beste Hornusser wurde König. Beim jetzt zur Anwendung kommenden K.o.-System ist es je nach Paarung durchaus denkbar, dass einer der Spitzenschläger bereits in der Vorrunde hängen bleibt.

Wie heisst Ihr Favorit auf die Einzelschläger-Krone?
Wenn es meinem Teamkollegen Stefan Studer einigermassen normal läuft, dann wird er nicht zu schlagen sein.

In der Mannschaftswertung wäre alles andere als ein erneuter Eidgenössischer Triumph der HG Höchstetten eine riesige Überraschung.
Ich stimme zu, ohne überheblich tönen zu wollen: Wenn wir unsere Leistung einigermassen abrufen können und das Ries sauber halten, müsste es reichen. Es muss aber erst gespielt werden.

Wie war es möglich, die NLA-Meisterschaft mit dem Maximum von 60 Rangpunkten zu gewinnen?
Mit einem absolut intakten Teamgeist. Es herrscht bei uns kein Neid. Und jeder geht für den anderen durchs Feuer.  Es war ein wunderbarer Triumph. Nach 2008 gelang uns das Total zum zweiten Mal. Dies ist noch keiner anderen Gesellschaft gelungen. Oberönz-Niederönz und Wäseli haben es je einmal geschafft.
Was trauen Sie Ihrer Stammgesellschaft Gondiswil am «Eidgenössischen» zu?
Wenn es sehr gut läuft, wird Gondiswil ein Trinkhorn mit nach Hause nehmen.

Und was trauen Sie Ihrem Bruder Jörg zu, der mit Gondiswil in der 2. Stärkeklasse um möglichst weite Streiche kämpft?
Sehr viel. Jörg kann um den Sieg mitkämpfen.

Gelingt ihm dies, könnte es zur Besonderheit kommen, dass zwei Brüder unter den besten Acht des Königsstichs figurieren würden.
Das wäre traumhaft. Und es ist am letzten «Eidgenössischen» 2015 schon fast passiert. Ich konnte den Titel gewinnen und Jörg verfehlte den Königsstich nur knapp. Er wurde damals Zweiter in der Einzelwertung der 2. Stärkeklasse.

Was tut Simon Erni, wenn er am 26. August erneut Eidgenössischer Schlägerkönig wird?
Ich würde ganz bestimmt wieder einen Freudensprung machen. Der Rest würde spontan geschehen. Mich würden wohl die Gefühle übermannen.

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