• Der Wyssacher Johann Günter ist als Präsident des Schwingklubs Huttwil zurückgetreten. · Bild: Yanick Kurth

28.11.2018
Sport

Der Erfolgs-Präsident der Schwinger tritt ab

Johann Günter, Präsident Schwingklub Huttwil – Johann Günter tritt nach acht Jahren als Präsident des Schwingklubs Huttwil zurück und übergibt das Amt an Marcel Scheidegger. Warum er geht? «Es ist Zeit für mich», so der 53-Jährige.

Schwingen · Johann Günter kennt die Schwingerszene wie kaum ein anderer. Dass der Wyssacher nach den Oberaargauischen Schwingfesten 2018 in Schwarzenbach bei Huttwil zurücktreten wird, hat sich in «Schwinger-Kreisen» schon lange herumgesprochen. In den letzten acht Jahren hat er den Schwingklub Huttwil präsidiert. In dieser Zeit hat er beim zweitgrössten Huttwiler Verein so einiges bewirkt. Johann Günter war die treibende Kraft, zusammen mit den Technischen Leitern und den Junschwingerleitern. «Im Schwingkeller war ich nicht so oft anzutreffen, doch der Nachwuchs lag mir immer sehr am Herzen, er ist wichtig – gerade für die Zukunft», erzählt Johann Günter. Sein unermüdliches Wirken liess den Verein weiterwachsen. In seiner achtjährigen Amtszeit stieg die Mitgliederzahl von 360 auf heute 455 Personen an. Auch die Zahl der Jungschwinger hat sich in seiner Amtszeit verdreifacht. «Dies ist aber hauptsächlich auf die hervorragende Arbeit der Trainer zurückzuführen», wie Johann Günter ausführt. Dies, obwohl das Einzugsgebiet des Schwingklubs Huttwil sehr klein ist. Es umfasst lediglich die Gemeinden Huttwil, Wyssachen, Eriswil, Dürrenroth und noch Rohrbach. «Danach stossen die Schwinger eher zum Schwingklub Sumiswald oder zum Schwingklub Langenthal», wie der abtretende Präsident weiss.

Schwere Verletzung verunmöglichte eine Schwing-Karriere
Der Wyssacher ist im Alter von zehn Jahren, zusammen mit seinen Brüdern Daniel und Andreas, zum Schwingklub Huttwil gestossen. Er weilte während sechs Jahren bei den Jungschwingern und entdeckte damals sein Talent im Schwingen. Mit 16 Jahren dann gelang er zu den Aktiven. Kurze Zeit später erlitt Johann Günter aber eine schwere Schulterverletzung, die seine ehrgeizigen Ziele in den Hintergrund drängten. Nach dem Unfall ist er wieder ins Sägemehl gestiegen, aber nicht mehr mit dem gleichen Ehrgeiz und nur noch zu Hobbyzwecken. Im Jahr 1992 wurde der damals 28-Jährige als Beisitzer in den Vorstand gewählt, übernahm kurze Zeit später das Amt als Vize-Präsident und wurde 1997 zum Kampfrichter gewählt. Auch war Günter einige Jahre lang Konditionstrainer bei den Aktivschwingern. Im Jahr 2010 übernahm er den Präsidenten-Posten. Weiter war er jahrelang Gabenchef beim Oberbühl-Schwinget, im Jahr 2000 am Oberaargauischen Schwingfest in Schwarzenbach bei Huttwil, im Jahr 2005 am Berner Kantonalen Schwingfest in Schwarzenbach bei Huttwil und nun zuletzt an den Oberaargauischen Schwingfesten 2018. Ebenso gastierte er im Gabenkomitee am Eidgenössischen Schwingfest in Burgdorf. «Ich habe diese ehrenamtlichen Arbeiten jeweils sehr gerne ausgeführt», wie Johann Günter berichtet.

Erstes Frauen- und Meitlischwingfest in Huttwil organisiert
Finanzielle Probleme hat Johann Günter während seines Präsidiums nie erlebt. «Natürlich ist die Leitung eines Vereins ein stetiger Kampf, und es wird immer schwieriger, Sponsoren zu generieren», meint der gelernte Bauführer. Im ersten Jahr als Präsident war das Frauenschwingen in Huttwil gerade im Aufkommen. Johann Günter hat dazu beigetragen und die Frauen und Meitli unterstützt. Er war es auch, der auf dem Oberbühl erstmals ein Frauen- und Meitlischwinget mitorganisierte. Weiter hat er die Fasnachtsbar, die wichtigste Einnahmequelle des Vereines, ins Leben gerufen. Im Jahr 2013 schaffte es Johann Günter, anlässlich des 75. Geburtstages des Vereines, das Berner Kader des Eidgenössischen Schwingfestes in Burgdorf auf das Nyffenegg einzuladen. «Der Jubiläumsschwinget ist mir noch in bester Erinnerung, mussten wir doch aufgrund der winterlichen Wetterverhältnisse, den Schwingplatz ins Festzelt verlegen.»

Weiterhin als Kampfrichter im Einsatz
Seit 21 Jahren ist Johann Günter als Kampfrichter im Einsatz. Sein Markenzeichen: Der Strohhut. Er steht nicht nur bei den «Grossen» und ganz «Bösen», sondern auch bei den Jungschwingern und bei den Frauen im Sägemehl. Dieses Amt will er auch noch nach seinem Rücktritt als Präsident weiterführen, wenn auch nicht mehr im gleichen Rahmen. In Zukunft will er nämlich nur noch an regionalen Schwingfesten im Ring stehen. «So will ich den jüngeren und kommenden Kampfrichtern die Gelegenheit bieten, auch an grösseren Schwingfesten teilnehmen zu können», erzählt Johann Günter. Es sei derzeit nämlich sehr schwierig, immer genügend Kampfrichter zu rekrutieren. «Die Einsätze sind sehr zeitaufwändig, was im ersten Moment viele abschreckt. Zudem steht man im Fokus der Medien und der immer mehr werdenden Zuschauerinnen und Zuschauern, die nicht immer gleicher Meinung sind.» Seine Highlights waren die Bergfeste am Schwarzsee-Schwinget, auf dem Brünig und der Schwägalp. Der Höhepunkt erreichte seine Kampfrichter-Karriere am Eidgenössischen Schwing-
fest in Estavayer le Lac im Jahr 2016.

Kaninchen züchten und fischen
«Der Verein ist in guten Händen, und ich bin überzeugt, dass er bestens weiterfunktioniert», ist der abtretende Präsident überzeugt. Das macht ihm den Abschied relativ leicht. «Für das grosse Vertrauen, das mir der Schwingklub Huttwil entgegengebracht hat, bedanke ich mich. Ich war in der glücklichen Lage, dass ich immer auf die grosse Unterstützung von meinen Vorstandskameradenzählen konnte. Dass ich mich immer auf sie verlassen konnte, gab mir die nötige Sicherheit.» Auch beim Kaninchenzuchtverein in Wyssachen wird er im Frühling als Kassier demissionieren.
In Zukunft will er sich vermehrt auf das Züchten von Kaninchen fokussieren, aber auch auf sein anderes Hobby; dem Fischen. Am meisten freut sich Johann Günter aber auf die Schwingfeste, die er nun ganz gemütlich, zusammen mit seinen Schwingerkollegen, von den Zuschauerrängen aus mitverfolgen kann. Mit dabei wird ganz sicherlich auch sein Strohhut sein.

Von Yanick Kurth

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