• «Mittelalterliche» Tänzerinnen und Tänzer setzten einen bunten Farbtupfer in den Markt zu Huttwyl. · Bild: Barbara Heiniger

12.07.2017
Huttwil

Der Historische Handwerkermarkt dreht das Rad der Zeit zurück

Bereits zum 10. Mal fand der Historische Handwerkermarkt mit mittelalterlichem Spektakel auf dem Areal des Spycher-Handwerks in Schwarzenbach, Huttwil, statt. Auch im Jubiläumsjahr war der Anlass ein grosser Erfolg. Was einst bescheiden und klein begann, hat sich im Laufe der Jahre zu einem der prächtigsten Mittelalter-Märkte der Schweiz entwickelt. Ebenfalls sehens- und hörenswert war das spezielle Rahmenprogramm mit Auftritten von Gauklern und Musikern.

Nach dem Durchschreiten der Tore, vorbei an der Schildwache, fühlte man sich sofort in einer anderen Welt angekommen. Die liebevoll und schön präsentierten Marktstände und viele prächtig gewandeten Leute liessen das Mittelalter aufleben. Besonders begeistert war das zahlreiche Publikum von den verschiedenen Handwerksvorführungen.

Seifenmacher, Hornverarbeiter und Tierpräparator
An rund 70 Marktständen konnten die Besucherinnen und Besucher den Ausstellenden bei der Arbeit zusehen. Seit Beginn des Historischen Handwerkermarktes war es Bedingung des Veranstalters Pro Regio, dass die «Marktfahrer» ihr Handwerk zeigen. Diese präsentierten ihre Arbeit aber sehr gerne und liessen sich stolz über die Schulter gucken. Mit einfachsten Mitteln entstanden Gebrauchsgegenstände, aber auch viel Kunst und Schönes. Vom Seifenmacher über den Hornverarbeiter bis zum Tierpräparator war alles vor Ort. Aber auch Hölziges, Steiniges, Flachsiges, Wolliges und Lederiges war in Hülle und Fülle im Angebot. Dazu natürlich auch die Gutenberg-Druckerei oder die Kalligrafie, welche ab dem Mittelalter die Neuigkeiten auf Papier brachten. Hunger und Durst konnten die begeisterten Zeitenwanderer in der Schenke stillen, wo das Volk «Spys und Trunk» vorfand. Kämpfe mit Speer, Schwert und Schild, dazwischen die Auftritte von Gauklern, Tänzern sowie «Musikussen» mit historischen Instrumenten boten immer wieder kulturelle Attraktionen. Viel Spannung und Vergnügen gab es unter anderem auch beim «Mäuse-Roulette» zu erleben. Der «Schwarze Ritter» oder «Paula» liessen sich nicht beeinflussen, in welches Haus sie schlüpften und damit einen Sieger, der auf sie gesetzt hatte, glücklich machten. Imposant waren die vielen Zelte der Lager, in denen sich die verschiedenen Gruppen und Sippen während der Zeit des Marktes niedergelassen hatten.

Einzigartiges Lagerleben
Folgende Lager von den verschiedenen «Zeitzeugen» waren anwesend. Die Wikinger mit Griprfjall, Grimnir, Vidar, Feuer und Stahl sowie Yggdrasils Erben. Die Allemannen mit Graureiher Rotte, Augster Allemannen und Faroldinger. Als Spätmittelalterliche präsentierten sich der Mittelalterverein Bern und das Froburger Gesindel. Zur Unterhaltung trugen Kel Amrun, Gauklerspiel sowie Incantamus bei.
Njørdur Olafson, Sohn des Olaf Ulfgardson und der Alda Skjálfsdottir, ist der Hersir der Griprfjaller. Er gab dem «Unter-Emmentaler» einen kleinen Einblick in das Leben der Dänischen Wikinger. Die Anführer waren am grossen Bett, der Rüstung mit Schwert und Kettenhemd (gut ein Jahr Arbeit steckte darin) sowie viel Silber und Schmuck zu erkennen. Auch die Frauen der Wikinger trugen ihr Haar offen und zeigten so den Schmuck verbunden mit farbenfroher, reicher Kleidung. Das Beeindruckende am ganzen Anlass war aber die friedliche Stimmung, welche auf dem ganzen Areal herrschte. Es lag ein Hauch von leichtem und fröhlichem Leben aus vergangener Zeit über dem Markt.

Von Barbara Heiniger

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