• Die Lehrerinnen und Lehrer der Schule Affoltern am Informationsabend. · Bild: Barbara Heiniger

22.05.2018
Emmental

«Der Lehrplan 21 ist ein Kompass»

An einer sehr gut besuchten Veranstaltung gaben die Verantwortlichen der Schule Affoltern umfangreiche Informationen zum Lehrplan 21. Aufgezeigt wurden ebenso die Auswirkungen auf die gemischte Oberstufe in Affoltern. Informiert wurde über die Schulorganisation des kommenden Schuljahres, die Lehrpersonen und deren Einsatzbereiche.

Affoltern · Viele Eltern, Behördenvertreter von Gemeinderat und Schulkommission sowie Lehrkräfte begrüsste die Schulleiterin Katharina Hasler in der Aula Affoltern. Zum Thema «Aktuelles aus unserem Umfeld» zeigte die Schulleiterin mit Beispielen auf, wie sehr sich die Umwelt und Gesellschaft verändert haben. «Das Wissen verdoppelt sich innerhalb von fünf bis zwölf Jahren, wobei sich diese Rate noch beschleunigt. Das lebenslange Lernen ist also ein Muss. Zudem ist der Umgang mit Neuerungen und Veränderungen ein wichtiger Lernprozess. Deshalb haben sich auch die Lehrmittel und die Unterrichtsgestaltung diesen Erkenntnissen teilweise angepasst», sagte Katharina Hasler.

«Digitalisierung greift in allen Lebensbereichen»
Hasler zeigte eindrückliche Vergleiche mit dem alten Kursbuch und der Telefonkabine, zum modernen Führerstand der Lokomotive, dem Bedienterminal im Traktor oder einem Ausschnitt vom Referat von Eva Jaisli (PB Swiss Tools) zum Thema «Die Arbeitswelt im digitalen Wandel». Mit Grafiken und Zahlen erläuterte die Schulleiterin anschaulich, wie die Aktivitäten der Kinder und Jugendlichen heute sind und in welchem Zusammenhang diese auf den neuen Lehrplan 21 einen Einfluss nehmen. Draus-sen spielen, Fussball, Freunde, Sport und Lesen werden in der Freizeit der Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren immer noch vor «Gamen» und TV-Schauen gesetzt.
Viele besitzen aber ein Handy, Smartphone, CD-Player oder Tablet und kennen die Onlinedienste. Katharina Hasler erklärte, was dies mit dem Lehrplan 21 zu tun hat. «Wissen steht jederzeit und überall in unüberblickbaren Mengen bereit, die Digitalisierung greift in allen Lebensbereichen und permanente Weiterentwicklung rückt noch mehr ins Zentrum», meinte sie. Der Lehrplan definiert den Auftrag der Gesellschaft an die Schule. Er beschreibt, was die Schülerinnen und Schüler in der Schule lernen sollen, um zukünftig mit den Erwartungen und Ansprüchen der Gesellschaft, der Familie sowie von Beruf und Freizeit umgehen zu können.

Massstab für eine zeitgerechte Bildung
Er setzt den Massstab für eine umfassende zeitgerechte Bildung, damit die Jugendlichen lernen, ein eigenständiges Leben zu führen und mündige Bürgerinnen und Bürger werden. Mit den Lehrmitteln zusammen unterstützt der Lehrplan die Lehrpersonen bei der länger- und mittelfristigen Unterrichtsplanung. Er ist eine Grundlage für die Lehrmittelentwicklung sowie die Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen. Der Lehrplan 21 ist ein «Kompass und kein Gesetzbuch», er lässt den Schulen vielfältige Gestaltungsfreiräume. Mit dem Lehrplan 21 orientieren sich die 21 deutsch- und mehrsprachigen Kantone erstmals an einem gemeinsamen Lehrplan für die Volksschule. Dies ist ein Meilenstein in der Geschichte des Schweizer Bildungswesens. Die Einführung erfolgt im Kanton Bern am 1. August 2018 für Kindergarten bis 7. Klasse. Am 1. August 2019 für die 8. Klasse und am 1. August 2020 für die 9. Klasse. Mit dem Lehrplan 21 ist es für Schülerinnen und Schüler einfacher, den Schulort, sogar in einen anderen Kanton, zu wechseln.

Neu ist Zyklus 1 bis 3
Ganz neu sind die Stufenbezeichnungen, bisher war es Kindergarten, Unterstufe 1./2. Klasse (teils auch 3. Kl.), Mittelstufe 3. bis 6. Klasse sowie Sekundarstufe 1 / Oberstufe 7. bis 9. Klasse. Neu wird eingeteilt in Zyklus 1: Kindergarten bis 2. Klasse, Zyklus 2: 3. bis 6. Klasse, Zyklus 3: 7. bis 9. Klasse. Alle Lernenden vom Kindergarten bis in die 9. Klasse werden als Schülerinnen und Schüler bezeichnet. Die Lerninhalte bleiben im Wesentlichen gleich, neu werden sie in Kompetenzformulierungen verpackt. Mit dem Lehrplan 21 liegt der Fokus stärker als bei den früheren Lehrplänen auf der Anwendung von Wissen. Die Schüler erhalten vielfältige Gelegenheiten, um das Wissen in unterschiedlichen Situationen anwenden zu können, dadurch wird es abruf- und nutzbarer. Reichhaltige Aufgaben werden nicht einfach «abgearbeitet», und es gibt nicht nur eine einzige Lösungsmöglichkeit. Mit dem neuen Fach Medien/Informatik werden aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und Themen behandelt. In Affoltern stehen die nötigen Mittel, dank der 2015 angeschafften Infrastruktur, zur Verfügung. Das Fach NMM wird neu zu NMG (Natur Mensch Gesellschaft) und erhält mit Haushalt und Zusammenleben sowie Ernährung und Gesundheit vermehrt Wissen, um das Leben praktisch zu meistern. Im Fach IVE (individuelle Vertiefung und Erweiterung) sind drei Lektionen im 8. und 9. Schuljahr (ab 2019) vorgesehen. Es besteht die Möglichkeit für Schwerpunkte, zum Beispiel in Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen, zu vertiefen.

Mehr Lektionen, weniger Hausaufgaben
«Neben den Fächern hatten Lehrpersonen schon im alten Lehrplan den Auftrag, sogenannte überfachliche Kompetenzen zu fördern. Kompetenzen also, die über das fachliche Lernen hinausgehen und für eine erfolgreiche Lebensbewältigung zentral sind», sagte Katharina Hasler. Diese sind im Lehrplan 21 mit Personale, Soziale und Methodische Kompetenzen definiert.
Mit dem Lehrplan 21 wird es mehr Lektionen geben, und an Schulen, welche in den Zyklen 1 und 2 38 Schulwochen behalten, gibt es eine zusätzliche Wochenlektion zur publizierten Lektionentafel des Kantons. Dafür weniger Hausaufgaben, die Verantwortlichen in Affoltern haben bereits abgeklärt, was dort reduziert werden kann und was sicher bleibt. Ebenfalls wird an der Schule Affoltern ein Versuch in der Unterrichtsstruktur gemacht. Es sollen Blöcke von jeweils zwei Lektionen ohne kleine Pausen, dafür wird eine halbstündige grosse Pause gemacht. Ebenfalls wird am Pilotversuch mit dem neunen Lehrmittel «Mathwelt» vom Kindergarten bis zur 6. Klasse teilgenommen. Ausführlich informierte die Schulleiterin auch über die Beurteilungen in dem jeweiligen Zyklus. Bereits seit zwei Jahren sind die Lehrkräfte von Affoltern in diversen Weiterbildungen zum neuen Lehrplan 21, diese sollen nun abgeschlossen werden. Bei der Arbeit im Kollegium wird nun die interne Weiterbildung, das heisst Konzepte und Leitfäden überarbeiten sowie das Überprüfen der neuen Unterrichtsstruktur, grosses Gewicht haben. Weiter steht in der Schule Affoltern auch die Elterninformation, an Elternabenden und auf der Schulhomepage, stets im Zentrum. Für spezielle Fragen ist Katharina Hasler (Schulleitung Affoltern) mit Mail jederzeit erreichbar. Allgemeine Infos sind auf der Website der Erziehungsdirektion des Kantons Bern (www.erz.be.ch) zu finden. Vorgestellt wurden an der Informationsveranstaltung ebenfalls die Lehrpersonen und ihre Funktionen im Schuljahr 2018/19 an der Schule Affoltern. 

Von Barbara Heiniger

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