• Der Weg zum Schloss Sumiswald als Musik- und Begegnungszentrum ist immer noch sehr weit, nachdem der Bund dafür keine finanzielle Mittel sprechen will. Der Verein hat sich aufgelöst. · Bild: Liselotte Jost-Zürcher

06.06.2017
Emmental

Der Verein «Musik- und Begegnungszentrum Sumiswald» hat sich aufgelöst

Die Hürden, im Schloss Sumiswald ein national bedeutendes Musik und Begegnungszentrum zu realisieren, sind zumindest im Moment zu hoch. Unter anderem sind vom Bund keine Mittel für das angestrebte Millionen-Projekt zu erwarten. Deshalb hat sich

der Verein «Musik- und Begegnungszentrum Sumiswald» aufgelöst.

Sumiswald · Die Ambitionen des Vereins «Musik- und Begegnungszentrum Sumiswald» waren gross. Mit dessen Gründung 2012 wurde das Projekt, im Schloss Sumiswald ein national bedeutendes Musikzentrum zu realisieren, breit abgestützt angegangen. Von Anfang an war den Initianten klar, dass ein Gelingen riesige Lobbyarbeit bei den Berner National- und Ständeräten voraussetzte - und damit die Unterstützung des Bundes. Je nach Umsetzung des Vorhabens rechneten sie mit Kosten um Plus/Minus 14 Millionen Franken. Die Bemühungen, den substanziell gut erhaltenen und landschaftlich schön gelegenen Bau in ein Musik- und Begegnungszentrum umzuwandeln, waren damals schon seit längerer Zeit gelaufen.
Die Initianten hatten im Vorfeld umfassende Abklärungen getätigt und gingen davon aus, dass es in der Schweiz kaum Räume für Gruppen mit 100 Leuten gibt, welche über die nötige Infrastruktur für das Musizieren verfügen. Die Konservatorien wichen deshalb nach Deutschland aus.
Bei der Projektierung wurden entsprechend breite Nutzungsmöglichkeiten angestrebt, unter anderem für Kammermusikwochen, Musikschulwochen, Bandcamps, Tanztage, Rock/Pop-Workshops, Musiktherapie oder Dirigentenlehrgänge.

Baulich sehr gute Substanz
Das Schloss, baulich in sehr guter Substanz, hätte sich perfekt für Aufenthalt, Unterkunft, Verpflegung und Empfang geeignet. Es war geplant, 100 Betten zur Verfügung stellen zu können und im Hang vor dem Schloss eine Einstellhalle für 24 Fahrzeuge sowie einen 800 Quadratmeter grossen, akustisch auf das Musizieren ausgerichteten Neubau zu errichten.
Doch über Jahre hinweg waren dem Verein die Hände gebunden, wenn auch die ersten Zeichen vorerst nach oben gezeigt hatten. Seit 2012 ist die musikalische Förderung durch Bund und Kantone, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, in der Bundesverfassung festgehalten; dies nach einem Beschluss durch das Volk. In einer Vernehmlassung über die Kulturbotschaft im Mai 2014 hatte der Bundesrat festgelegt, wie der Artikel 67 a BV im Bereich der musikalischen Förderung umgesetzt werden sollte. Umgehend hatte sich damals der Vorstand des Musik- und Begegnungszentrums Sumiswald dazu mit einer umfassenden Antwort vernehmen lassen, da die Musik aus seiner Sicht, im Gegensatz zur Film-förderung, viel zu wenig zum Zuge komme.

Keine finanziellen Mittel vom Bund
Für das geplante Musik- und Begegnungszentrum erfolgte aber trotz allen Bemühungen keine finanzielle Zusage durch den Bund. An der 5. Generalversammlung des Vereins «Musik- und Begegnungszentrum Sumiswald» informierte Präsident Christian Waber nun dahingehend, dass nach neusten Erklärungen des Bundesamts für Kultur keine finanziellen Mittel in Infrastruktur wie für ein Musik- und Begegnungszentrum fliessen können. Vielmehr würden Coaching, Zertifikatsausbildung etc. gefördert.
Der Verein wäre damit vor der unüberwindlichen Hürde gestanden, im Alleingang eine gesicherte Geldmittelbeschaffung für das 14-Millionen-Projekt zu beschaffen.
Als Folge dieser Tatsache hat der Vereinsvorstand der Versammlung die Auflösung des Vereins beantragt. Gemeindepräsident Fritz Kohler hielt fest, dass die Gemeinde zwar weiterhin offen sei für einen Investor mit einem Konzept für ein Musikschloss, dass der Gemeinderat aber intensiv nach anderen Nutzungsmöglichkeiten für die Liegenschaft suche. Das leerstehende Gebäude kostet die Gemeinde jährlich zwischen 60 000 und 70 000 Franken. Als Zwischennutzung sieht das Dienstleistungszentrum Sumiswald (DLZ) aktuell vor, ein «Bed & Breakfast»-Angebot im Schlossturm und in einigen angrenzenden Räumen zu betreiben (der «Unter-Emmentaler» berichtete). Das Konzept, die Gemeindeverwaltung im Schloss zu integrieren, wurde durch den Gemeinderat nach dem Legislaturwechsel anfangs dieses Jahres nicht in erster Priorität weiterverfolgt.
Einstimmig sprachen sich die Anwesenden der GV für die Auflösung des Vereins aus. Ebenso entsprachen sie dem Antrag des Vorstands, das restliche Vereinsvermögen auf ein zweckgebundenes Konto der Gemeinde Sumiswald zu transferieren. Kann der ursprüngliche Vereinszweck nicht erfüllt werden, ist der Betrag in fünf Jahren der Musikschule Sumiswald zukommen zu lassen.

Von Liselotte Jost-Zürcher

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