• Im Gespräch mit dem «Unter-Emmentaler» zieht Hans Peter Kuert eine positive Bilanz der zehn «Wildschütz»-Vorstellungen. Bild: Hans Mathys

06.08.2018
Langenthal

«Der Wildschütz» brillant – was folgt 2020?

Der von Beat Wälchli präsidierte Vorstand des Vereins Gartenoper Langenthal zieht ein positives Fazit der zehn Vorstellungen

der Lortzing-Oper «Der Wildschütz». Die 380 Plätze bietende Tribüne im Rosengarten der Alten Mühle war zu 95 bis 96 Prozent besetzt, die Qualität vorzüglich. Der «UE» hat mit Hans Peter Kuert (68) gesprochen. Er ist Vizepräsident des Vereins Gartenoper.

Hans Mathys im Gespräch mit Gartenoper-Vize Hans Peter Kuert

Hans Peter Kuert, welches sind im Verein Gartenoper Ihre Aufgaben? 

In den Jahren 2012 und 2014 war ich Regieassistent und Abendregisseur. Seither bin ich als Vizepräsident zuständig für Werbung, Kommunikation, Verkauf. Ich arbeite auch im Sponsoring-Team mit. 

Wer entscheidet jeweils, welche Oper gespielt wird, und welches sind dabei die Kriterien? 

Die Entscheidung trifft Präsident Beat Wälchli. Er kennt sich bestens aus und weiss, welche Opern für den Rosengarten der Alten Mühle in Frage kommen. Er achtet aber darauf, dass es eine leichte, eine heiter-komische Oper, also eine Opera buffa ist.  

Ihre persönliche Meinung zu den zehn Vorstellungen der Lortzing-Oper «Der Wildschütz»?

Es waren fröhliche, farbige Aufführungen, die meiner Meinung nach überaus gut gelungen sind und den Besucherinnen und Besuchern Freude bereitet haben. Das Bühnenbild war einfach, aber das Ganze lebte primär von der schönen Musik Albert Lortzings. Ausgezeichnet gefallen haben mir auch der lokale Chor und der Kinderchor. 

Welches war der Grundtenor der Besucherinnen und Besucher?

Dieser war sehr positiv – wie auch die ganze Stimmung nach dem persönlichen Empfang. Total 3667 Besucher erschienen. 2650 stammten aus der Region Langenthal, 320 aus der Region Oberaargau/Emmental, 310 aus der Region Bern/Biel/Thun, 330 aus den Kantonen Solothurn, Aargau, Luzern, Baselstadt und Baselland, 45 aus der übrigen Schweiz und 12 aus dem Ausland. Es war auch ein Ehepaar aus München dabei, das die in Langenthal gebotene hohe Qualität lobte. Angetan waren viele Leute auch davon, dass, wer wollte, vor der Vorstellung mit Mückenspray ‹behandelt› wurde und nach dem Ende – weil es jetzt finster war – den Leuten der Weg beim Ausgang mit Leuchten gezeigt wurde. Zwei neu geworbene Sponsoren, die mit Kunden die Oper besuchten, äus-serten sich nach der Vorstellung begeistert – schon fast euphorisch – über das auf der Bühne Gebotene, aber auch über die tadellose Organisation. 

Die Gartenoper 2018 war vom Wetter begünstigt. Alle zehn Vorstellungen fanden im Rosengarten statt, obschon das Stadttheater eine Alternative war. Gab es je einmal eine kritische Situation?

Wettermässig leicht kritisch war es nur bei der vorletzten Vorstellung. Normalerweise haben wir für die vorgängigen Abendessen – total waren es 2350 – immer im ‹Opern-Village› vor der Alten Mühle gedeckt. Hier aber haben wir vorsichtshalber etwa die Hälfte der Plätze drinnen gedeckt. Letztlich konnte aber auch an jenem Abend draussen serviert werden. Wir haben jeweils um 16 Uhr mit Meteo Schweiz telefoniert und um die exakte Wettersituation für Langenthal gebeten. 

Waren die acht Solistinnen und Solisten immer rechtzeitig im Rosengarten  oder geriet jemals jemand in einen Autobahnstau?

Die Solistinnen und Solisten waren immer rechtzeitig vor Ort. Weil beim Orchester mehrere Musiker und Musikerinnen mit dem Zug anreisten und relativ knapp in Langenthal ankamen, haben wir sie am Bahnhof Langenthal abgeholt. Nur einmal kam es vor, dass eine Posaunistin nicht rechtzeitig eintraf. Dies deshalb, weil der Zug massiv verspätet war. 

Zum Publikumsliebling avancierte Uwe Schönbeck als Gottfried Luzius Trieb beziehungsweise als Erzähler. Wie kam sein Engagement zustande? 

Der Tipp kam von Bruno Leuschner, unserem musikalischen Leiter. Er empfahl uns diesen deutschen Sänger und Schauspieler, der schon bei den Salzburger Festspielen sowie den Staatsopern Wien und München mitgewirkt hat und seit 1991 in Bern wohnt. Beat Wälchli hat ihn dann kontaktiert und war sehr angenehm überrascht, dass uns Uwe Schönbeck zugesagt hat. Er erwies sich als wahrer Volltreffer. 

Wie war das Feedback der Solistinnen und Solisten und überhaupt des Ensembles nach den Auftritten in Langenthal? 

Die Solistinnen und Solisten zeigten sich sehr erfreut – auch über die Verpflegung, die ihnen geboten wurde. Zudem gab es Mineralwasser und Kaffee, nicht aber Alkohol. Dieser Service sei einmalig. Anderswo müssten sie selber für die Verpflegung sorgen und etwas zur Stärkung einkaufen. Auch alle anderen Beteiligten schätzten dieses Gratis-Angebot. Eine Super-Idee und einfach fantastisch war auch die Aktion der Bäckereien und Konditoreien aus Langenthal und Umgebung, die jeweils ihre bis zum Abend nicht verkauften Sandwiches, Nussgipfel und so weiter zur Verfügung stellten. 

Der 60-jährige Bündner Andrea Zogg war bei dieser vierten Gartenoper der dritte Regisseur. Er ist national und international bekannt, spielte schon in acht ‹Tatort›-Krimis und zuletzt im Film ‹Schellen-Ursli›. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?

Die Art und Weise, wie er das Ganze anging, war beeindruckend. Er war sehr menschlich, hörte auch auf die Meinungen von anderen. Er hat das Ensemble zusammengeschweisst und ist auch auf Wünsche der Solistinnen und Solisten eingegangen. Trotzdem war er sehr bestimmt. Er wusste genau, was er wollte, war aber bereit, Kompromisse einzugehen – beispielsweise im Bereich der Ökonomie mit dem Bühnenbild. Für uns war die Zusammenarbeit mit Andrea Zogg sehr positiv.

Hat es auch Kritik gegeben, weil Regisseur Andrea Zogg die Handlung in die Gegenwart verlegt und die Jäger durch Golfer ersetzt hat?

Das Publikum hat diese Version wohlwollend aufgenommen. Der eine oder andere war im Vorfeld recht skeptisch. So hat sich ein Opernfreak geäussert, das Ganze sei gewagt. Nach der Vorstellung fügte er dann an ‹gewagt, aber gut gelungen›. Wichtig war natürlich, dass an der ursprünglichen Musik nichts geändert wurde – und diese ist wunderschön. 

Die brennende Frage ist nun, ob es im Rosengarten der Alten Mühle auch 2020 wieder eine Gartenoper geben wird – und falls ja, ob Beat Wälchli bereits eine Oper im Hinterkopf hat?

Beat Wälchli hat uns vom Vorstand des Vereins Gartenoper Langenthal gefragt, ob wir auch 2020 wieder mitmachen würden. Das war seine Bedingung. Als Präsident möchte er sich natürlich wieder auf das eingespielte Team verlassen können. Wir haben zugesagt. Das ist das erste Element. Das zweite Element ist, dass die Gartenoper auch in zwei Jahren wieder im Rosengarten der Alten Mühle stattfinden könnte. Dies wird entscheidend sein, ob es 2020 erneut eine Gartenoper gibt. Die Stadt Langenthal wird nach den Sommerferien darüber entscheiden. Beat Wälchli weilt zurzeit in Frankreich in den Ferien. Dort beschäftigt er sich intensiv mit der Stückwahl für die nächste Gartenoper, die es hoffentlich nach den Erfolgen von 2012, 2014, 2016 und 2018 wieder geben wird. 

Würde, falls es eine Gartenoper 2020 gäbe, erneut Andrea Zogg die Regie führen – und hat man ihn damit schon konfrontiert?

Das ist noch offen. Wir geben nie Versprechungen ab – weder dem Regisseur, noch den Solistinnen und Solisten. Zudem müssen diese ja dann auch zur neu zu inszenierenden Oper passen. Bisher war eine einzige Solistin seit 2012 immer dabei: Sopranistin Rebekka Maeder, mit der wir ein schon fast familiäres Verhältnis pflegen. 

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