• Mit der Ortsplanungsrevision will man in Ursenbach Voraussetzungen schaffen, damit die vorhandenen Wachstumsmöglichkeiten optimal ausgeschöpft werden können. · Bild: Walter Ryser

09.12.2016
Oberaargau

Die Gemeinde will sich entwickeln

Gemäss dem Richtplan 2030 des Kantons Bern wird der Gemeinde Ursenbach in den nächsten 15 Jahren lediglich eine Bevölkerungsentwicklung von zwei Prozent prognostiziert. Mit der Ortsplanungsrevision, die im Januar 2017 gestartet wird, wollen die Ursenbacher den minimalen Spielraum zur Siedlungsentwicklung nutzen und damit eine moderate, nachhaltige Entwicklung einleiten.

Ursenbach · «Auch in Ursenbach sind in jüngster Zeit immer wieder neue Wohnhäuser entstanden. Das beweist, dass Bauen auf dem Lande für viele immer noch attraktiv ist», zeigt sich Dorfbewohnerin Esther Brand an der Gemeindeversammlung überzeugt, dass sich Ursenbach in den kommenden Jahren moderat, aber kontinuierlich weiter entwickeln kann. Eingeleitet werden soll diese Entwicklung mit der ab Januar startenden Ortsplanungsrevision, wie an der von 42 Stimmberechtigten (6 Prozent der total 695 stimmberechtigten Ursenbacher) besuchten Gemeindeversammlung bekanntgegeben wurde. Die letzte Ortsplanungsrevision in Ursenbach liegt bereits einige Jahre zurück. Im Jahre 1992 wurde diese realisiert und seither sind lediglich einige marginale Teilrevisionen erfolgt. «Wir sind überzeugt, dass unsere Gemeinde noch über Wachstumsmöglichkeiten verfügt, die wir mit
der kommenden Ortsplanungsre­vision ausschöpfen wollen», betonte Gemeinderat Daniel Schüpbach (Ressort Bauwesen). Mit der geplanten Ortsplanungsrevision gelte es gute Bedingungen zu schaffen, damit sich die Gemeinde weiter entwickeln könne, fügte Schüpbach hinzu.

Nutzungspotenziale prüfen
Mit der Ortsplanungsrevision beauftragt wurde das Büro georegio AG aus Burgdorf. Raumplaner Thomas Frey erläuterte, wie der Prozess ablaufen und welche Schwerpunkte er beinhalten wird. Er erwähnte, dass gemäss dem neuen Raumplanungsgesetz, das vom Schweizer Stimmvolk 2013 angenommen wurde, die Siedlungsentwicklung nach innen gelenkt werden soll. Zugleich gelte es, die Siedlungsfläche zu verdichten, brachliegende Flächen und Reserven zu nutzen sowie die Verfügbarkeit von Bauland zu erhöhen.
Für Ursenbach bedeute dies, dass man überbaute Bauzonen auf mögliche Nutzungspotenziale prüfen werde, mögliche Einzonungen in weitgehend überbauten Gebieten prüfen und nicht zuletzt, dass man unüberbaute Bauzonen auf Nutzungsreserven hin prüfen werde. Damit wolle man eine bessere Ausnutzung der bestehenden Bauzonen erreichen, unter Wahrung der bestmöglichen Siedlungs- und Wohnqualität. Beim ganzen Prozess werde die Dorfbevölkerung intensiv miteinbezogen und aufgefordert, sich aktiv an der Ortsplanungsrevision zu beteiligen. Dazu wird im kommenden Jahr eine öffentliche Mitwirkung stattfinden. Ziel ist es laut Thomas Frey, bis Ende 2018 eine beschlussfähige Vorlage zuhanden der Gemeindeversamm-
lung präsentieren zu können.

Freiheit für Ursenbacher Hühner
Bei den übrigen Traktanden der Gemeindeversammlung hielt sich das Interesse der Anwesenden in Grenzen. Diese nahmen davon Kenntnis, dass die Gemeinde für das kommende Jahr mit einem Budget-Fehlbetrag von 57 384 Franken rechnet, dies bei einer gleichbleibenden Steueranlage von 1,75 Einheiten. Für ein weiteres Jahr abgesegnet wurde das geltende Besoldungsregulativ, das auf 1. Januar 2018 vollständig überarbeitet werden soll, womit dieses dann jeweils identisch mit der Legislatur des Gemeinderates zu genehmigen ist.
Aufgehoben wurde das Reglement über die Hühnersperre aus dem Jahr 1941. Lachend nahmen die Anwesenden zur Kenntnis, dass im Reglement festgehalten war, den Hühnern im Winterhalbjahr freien Auslauf zu gewähren, während sie dagegen vom 1. April bis 31. Oktober eingesperrt bleiben mussten, ausser der Gemeinderat erteile eine endgültige Bewilligung, dann dürfe das Geflügel auf eigenem oder nutzungsberechtigtem Land oder Pachtland frei herumlaufen. Wenn die Bestimmungen nicht eingehalten wurden, wurden Besitzer gebüsst, mit Beträgen von zwei bis zehn Franken, im Wiederholungsfall sogar bis 20 Franken. Genehmigt wurde dagegen das neue Abfallreglement, das den neuen Gesetzen und Gegebenheiten angepasst wurde und das alte aus dem Jahr 1979 ersetzt.
Gemeindepräsident Andreas Kurt forderte abschliessend die Ursenbacher auf, sich an den kommenden Advents- und Neujahrs-Anlässen zu beteiligen, miteinander in Kontakt zu treten und die Gemeinschaft zu stärken.
Dabei wies er auf das kürzliche Treffen der beiden wichtigsten Männer der Welt hin, den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den amerikanischen Präsidenten Barack Obama, die sich am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft ganze vier Minuten lang unterhielten. «Die beiden hätten es in der Hand, für Entspannung, bessere Verhältnisse und engere Beziehungen zu sorgen, doch dafür reichen vier Minuten mit Sicherheit nicht aus», versuchte Kurt den Ursenbachern klar zu machen, dass sie diesem Beispiel im kommenden Jahr nicht unbedingt folgen sollten. 

Von Walter Ryser

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