• Digitalisierung sei kein Produkt, sondern eine veränderte Einstellung zur Arbeit, beschrieb Referent Ralf Günthner den Begriff am Wirtschaftsanlass in Huttwil. · Bild: war

02.06.2017
Huttwil

Die grösste Veränderung in der Geschichte der Menschheit steht bevor

Der Wirtschaftsanlass der Gemeinde Huttwil befasste sich mit der Digitalisierung. Gemeindepräsident Walter Rohrbach sprach in diesem Zusammenhang von der grössten Veränderung in der Geschichte der Menschheit. Referent Ralf Günthner von der Swisscom erläuterte, wie sich Technik und Mensch entwickeln werden. Dabei kam er zum Schluss: «Im digitalen Zeitalter frisst nicht mehr der Grosse den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen.»

Das «Schreckgespenst» Digitalisierung ist aktuell in aller Munde. Die vierte industrielle Revolution, wie die Digitalisierung auch bezeichnet wird, erfasst die Menschheit, auch in den ländlichen Regionen. Aus diesem Grunde befasste sich auch der diesjährige Wirtschaftsanlass der Gemeinde Huttwil mit dem aktuellen Thema. Gemeindepräsident Walter Rohrbach versuchte den zahlreich erschienenen Huttwiler Unternehmern die Angst vor der digitalen Revolution zu nehmen und sprach davon, die Chancen, die sich durch die Digitalisierung bieten, bestmöglich zu nutzen. Rohrbach ist gleichzeitig aber auch der Meinung, dass mit der Digitalisierung die bislang grösste Veränderung in der Geschichte der Menschheit auf uns zukommt. «Da bleibt vermutlich kein Stein mehr auf dem andern. Das verlangt von unserer Gesellschaft ein radikales Umdenken», betonte der Gemeindepräsident.
Walter Rohrbach gab aber auch zu, dass die bevorstehende Verschmelzung von Mensch und Maschine in seinen Ohren nach wie vor unheimlich töne. «Die Digitalisierung wird eine gewaltige Veränderung der Arbeitswelt hervorrufen, ganze Branchen werden auf den Kopf gestellt und traditionelle Geschäftsmodelle drohen unter die Räder zu kommen», betonte er.

Daten als Rohstoff der Zukunft
Gastreferent Ralf Günthner, Business Transformation Manager bei der
Swisscom, versuchte anschliessend Berührungsängste im Zusammenhang mit der Digitalisierung abzubauen und forderte die Anwesenden auf, den veränderten Rahmenbedingungen mutig, entschlossen und mit Zuversicht zu begegnen. Fakt sei, begann Günthner seine Ausführungen, dass die Digitalisierung kein Produkt sei, welches man aus dem Regal nehmen könne. «Unter Digitalisierung versteht man eine veränderte Einstellung zur Arbeit», betonte er. In Zukunft würden Maschinen selbständig lernen und entscheiden. Für die Unternehmer bedeute dies: «Die Kunst des Unternehmertums besteht in Zukunft darin, herauszufinden wie man die technischen Möglichkeiten am besten einsetzen kann, um dem Kunden einen Mehrnutzen zu bieten.»
Ralf Günthner ist überzeugt, dass in Zukunft da Geld verdient wird, wo es Firmen gelingt, sich auf die Nutzung von Daten zu fokussieren. «Bereits die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat richtig erkannt: Daten sind der Rohstoff der Zukunft», betonte er. Aber wie können die Unternehmen von der Digitalisierung profitieren? Laut Günthner sind es drei Bereiche, auf die man sich fokussieren sollte. Die neuen Technologien gelte es bestmöglich zu nutzen. Sämtliche Arbeitsprozesse gelte es weiter zu automatisieren, aber entscheidend sei letztendlich, dass es gelinge, mit den neuen Technologien auch neue Business-Modelle zu schaffen.

Digitalisierung nur Spitze des Eisbergs
Sich zur Digitalisierung zu bekennen, brauche Mut, zeigte der Referent Verständnis für die noch anhaltende Zurückhaltung vieler Unternehmen. «Aber man darf nicht das Gefühl haben, dass dieses Thema mich nichts angeht, sondern nur etwas für die andern ist», mahnte er und bezeichnete diese Haltung für einen Geschäftsmann als fahrlässig. Die Digitalisierung erfordere in der Arbeitswelt eine ganze andere Denkweise und Herangehensweise. «Veränderungen befürworten grundsätzlich alle, aber keiner will sich selber verändern», gab Ralf Günthner zu verstehen.
Gleichzeitig nahm er den Anwesenden die Illusion, dass mit der Um- und Einstellung auf die Digitalisierung bereits ein entscheidender Schritt in die Zukunft getan sei. «Die vierte industrielle Revolution lässt sich nicht im geringsten mit den bisherigen technischen Entwicklungsschritten ver-
gleichen. Die Digitalisierung ist bloss die Spitze des Eisbergs der künf-
tigen technologischen Entwicklung», schreckte er die Anwesenden auf und nannte Schlagworte wie Big Data, Data Management, Connectivity oder Mobile Devices, die gemäss Ralf Günthner unser ganzes gesellschaftliches und berufliches Leben drastisch verändern werden. Für die Wirtschaft bedeute dies nichts anderes als: «Im digitalen Zeitalter frisst nicht mehr der Grosse den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen.»

Von Walter Ryser

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