• Die Illustration zeigt das neue Gebäude an der Lotzwiler Hauptstrasse, in welchem im Parterre Gewerberäume entstehen. · Bild: zvg

26.01.2018
Oberaargau

Die lange Vorbereitungsphase endet

Nächste Woche fahren die ersten Bagger auf. Im Herbst 2019 sollen 33 Wohnungen bezugsbereit sein: An der Hauptstrasse des ehemaligen Restaurant Bären in Lotzwil geht endlich etwas. Endlich? Die Vorbereitungsarbeiten hatten es in sich, verrät Projektleiter Markus Gerber von der Architekturfirma Ducksch & Anliker Architekten AG.

 

Lotzwil · Eigentlich hat man das Gefühl, rund um den Bären in Lotzwil sei in letzter Zeit nicht viel passiert. Einzig das alte Holzgebäude hinter dem ehemaligen Restaurant wurde abgerissen, der Parkplatz des Restaurants ist eingezäunt und die Fassade hat eine Graffiti-Verzierung erhalten, die aber nichts mit dem Bauvorhaben an sich zu tun hat. Von blossem Auge sind die Veränderungen marginal. Immerhin sind mittlerweile gut zweieinhalb Jahre vergangen, seit klar ist, dass die ABG Baugroup, Tochterfirma der Ducksch und Anliker, das Grundstück käuflich erworben hat. Seit bald einem Jahr ist auch klar, dass der Bären abgerissen wird.
Nur schon bis zu diesem Entscheid sei viel passiert, rechtfertigt Projektleiter Markus Gerber die vermeintlich ruhige Zeit. «Es gab einige Hürden, die wir überwinden mussten. Wir verhandelten wegen reduziertem Grenzabstand gegenüber anderen Parzellen, dem Parkplatzrecht von Anwohnern und zuletzt war auch die Zufahrt zur Baustelle zu klären, weil die Erschliessung nicht über die Hauptstrasse, sondern hinter dem Gebäude über eine temporär angefertigte Baupiste auf landwirtschaftlichem Grund erfolgen soll.» Zudem muss während der Abbruch- und Bauphase die Hauptstrasse sicher sein, sodass eine Holzwand als Sicherheitsschutz errichtet werden muss, ausserdem will die Gemeinde Lotzwil im Untergeschoss der neuen Überbauung zeitgleich eine neue Trafostation einrichten. Und ganz zu Beginn war indes noch nicht einmal klar, ob der Bären überhaupt abgerissen wird oder ob das Gebäude umgenutzt werden soll.
Herausfordernd, aber konstruktiv war derweil auch die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege. Das Gebäude an der Langenthalstrasse ist geschützt, weil es das Lotzwiler Ortsbild entscheidend prägt. Die Planung musste daher in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege erfolgen. «Im Hintergrund ist sehr viel passiert. Wir hatten viele Sitzungen, Gespräche und Verhandlungen. Der Aufwand für das Bauvorhaben war organisatorisch gesehen sehr gross», so Gerber weiter. Bis zuletzt konnten fast alle Bittsteller befriedigt werden, sodass in der kommenden Woche die Bauphase mit ersten Vorbereitungsarbeiten beginnen wird. Zu diesem Zweck wird unter anderem die Hauptstrasse geöffnet, um das geplante Gebäude mit einer Werkleitung zu erschliessen.

Drei Blöcke auf 3600 Quadratmetern
Gebaut werden derweil 33 Wohnungen, vorwiegend Zwei- und Dreieinhalb-, dazu kommen einzelne Viereinhalbzimmer-Wohnungen. Alle haben laut Gerber einen hohen Ausbaustandard, grosszügige Flächen und moderne Einrichtungen. Ebenfalls vorhanden ist eine grosszügige Einstellhalle, sodass sämtliche Wohnungen eigentlich dem Eigentumsstandard entsprechen, dennoch ist aber geplant, dass sie vermietet werden. Geheizt wird mit Grundwasserwärmepumpen und nötigenfalls bei Spitzenbedarf mit Gas. Auf der Grundstücksfläche von über 3600 Quadratmetern – von der Langenthalstrasse bis kurz vor den Friedhof – entstehen dereinst drei einzelne Wohnblöcke, in jenem direkt an der Hauptstrasse sind im Parterre auf der Strassenseite zudem Gewerberäume geplant. «Die Metzgerei Haas konnten wir für den ersten Bereich neben dem Volg bereits gewinnen. Ein Vertrag ist zwar noch nicht unterschrieben, aber es sieht sehr gut aus, dass wir einen Drittel der Fläche frühzeitig vermieten können», informiert Markus Gerber. Damit der Deal zustande kommt, muss die ABG baugroup AG dem ehemaligen und zukünftigen Mieter dieser Ladenfläche deutlich entgegenkommen. «Es war der Gemeinde ein Anliegen, wieder eine Metzgerei im Dorf zu haben, deshalb beteiligen wir uns mit einer sechsstelligen Investitionssumme am Ladenausbau. Wir hoffen aber auch, dass dieser erste Mieter andere gewerbliche Interessenten ins Lotzwiler Zentrum bewegt.» Vorschläge und Ideen zur Nutzung dieser Flächen gäbe es viele, tatsächliche Interessenten habe es aber noch keine.

Ab Herbst 2019 bezugsbereit
Abgerissen wird das noch bestehende Gebäude in der letzten Februarwoche, diese Arbeiten sollen etwa einen Monat dauern. Im April beginnt dann der Aushub, ab Mai soll der Baumeister vor Ort seine Arbeit aufnehmen. «Aktuell ist es unser Ziel, dass wir im Herbst 2019 die Wohnungen bezugsbereit haben», sagt Markus Gerber.  Bis zu diesem Zeitpunkt versucht die ABG baugroup AG auch, einen Investor für dieses Projekt zu finden. «Schön wäre es, wenn wir alle drei Gebäude gemeinsam verkaufen könnten, möglich wäre aber auch ein Einzelverkauf der drei Blöcke.» Die gesamte Investitionssumme beträgt ungefähr 19 Millionen Franken. Solange niemand die Objekte kaufen will, läuft alles unter der Regie der Ducksch-und-Anliker-Tochter. «Ich bin überzeugt, dass die Chancen deutlich steigen, wenn das eine oder andere Appartement vermietet ist», sagt Markus Gerber. Oder vielleicht schon beim Baustart. Vorfreude und Interesse entsteht nämlich meistens erst, wenn die Veränderungen nicht nur hinter den Kulissen geschehen, sondern vordergründig handfest werden.

Von Leroy Ryser


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