• Stadtpräsident Reto Müller (r.) am Tisch des Neuzuzügers und Vorstehers der Steuerverwaltung des Kantons Bern, Claudio Fischer, der mit Frau und Tochter erschien.

  • Die Gemeinderätin Helena Morgenthaler stellt sich vor. · Bilder: Hans Mathys

  • Stadtchronist Simon Kuert brachte den Neuzuzügern die Geschichte Langenthals näher.

  • Gute Laune bei den Neuzuzügern auf der Stadtrundfahrt, bei welcher sie viele wichtige Daten zu Langenthal erfuhren.

04.09.2017
Langenthal

Die Stadt präsentiert sich den Neuzuzügern

91 Neuzuzüger folgten der Einladung der Stadt Langenthal zum Willkommensanlass mit einer kompetent kommentierten Stadtrundfahrt, vielen historischen Fakten und offeriertem Essen. Veranstalter und Gäste zogen ein sehr positives Fazit.

Langenthal wachse, zähle 15 772 Einwohner – 350 Frauen mehr als Männer –, der Anteil der ausländischen Bevölkerung betrage 22,75 Prozent, diese rekrutiere sich aus 92 verschiedenen Nationen, und erstmals hätten die Deutschen die Italiener überholt. Mit diesen Angaben begrüsste Langen-thals Stadtpräsident Reto Müller im Barocksaal des «Bären» die 91 (789 Einladungen) zum Traditionsanlass erschienenen Neuzuzüger – namentlich den mit Frau und Tochter neu in Langenthal wohnhaften Claudio Fischer, Vorsteher der Steuerverwaltung des Kantons Bern.

Gemeinderäte stellen sich vor
Sechs der sieben Gemeinderäte waren anwesend und stellten sich vor – darunter mit Helena Morgenthaler die einzige Frau in der Exekutive. Nur Michael Witschi fehlte aus sportlichen Gründen. Reto Müller: «Ausser mir als Stapi sind alle Gemeinderäte nebenamtlich tätig.» Langenthal zählte innerhalb eines Jahres (1. August 2016 bis 31. Juli 2017) inklusive Geburten 1308 Zuzüge und verzeichnete 946 Wegzüge – 135 Todesfälle nicht eingerechnet.
Nach der Begrüssung ging der eine Teil der Neuzuzüger in zwei Bussen auf eine Stadtrundfahrt, während der andere Teil von Stadtchronist Simon Kuert mit der Geschichte Langenthals vertraut gemacht wurde. Stapi Reto Müller war Stadtführer in einem Bus, Gemeinderat Markus Gfeller im anderen. Zuerst ging es Richtung Untersteckholz, das am 1. Januar 2010 mit Langenthal fusionierte. «Ziel ist es, hier den ländlichen Charakter zu wahren», so der Stapi.
Auch drei Stadien passierte der Bus – und überall informierte Müller die Neuzuzüger. Bei der Rankmatte des FC Langenthal erwähnte er den Aufstieg in die 1. Liga, bei der Eishalle Schoren den zweimaligen Nati-B-Meistertitel des SCL (2012 sowie 2017) und beim Stadion Hard, dass dies die Heimat der Leichtathleten sei und hier soeben Stangen montiert werden, um endlich die Fahnen aller Schweizer Kantone hissen zu können. «Zurzeit laufen Fusionsverhandlungen mit Obersteckholz. Solche mit Thunstetten wären interessanter für uns», liess der Stapi beim Schloss Thunstetten humorvoll durchblicken, welche der beiden Gemeinden finanzkräftiger ist. «Wir sind im Wald – ich schweige», so Reto Müller auf der Busfahrt zurück nach Langenthal.

Austausch erster Erfahrungen
Dies wiederum bot den Sitznachbarn Gelegenheit zu angeregten Gesprächen. Dabei zeigte sich, dass einige Neuzuzüger aus beruflichen Gründen, andere der Liebe oder Verliebtheit wegen nach Langenthal gezogen sind. Erste Erfahrungen vom neuen Wohnort Langenthal tauschten eine junge Frau (bisher Bern-Bümpliz) und ein junger Chilene mit Hut (bisher Niederbipp) aus. Neuzuzügerin Romy Hug (bisher Bützberg) lobte den Anlass und wurde spontan von einem ebenfalls von Bützberg nach Langenthal gezogenen Ehepaar unterstützt: «Bisher kannten wir vor allem die Einkaufsläden, jetzt sahen wir auch die Aussenbezirke.»

Vom Bus in den «Bären»
Szenenwechsel nach Anweisung von Luis Gomez, Fachbereichsleiter Einwohnerdienste: Die Buspassagiere dislozierten in den Traffeletsaal des Bären und umgekehrt. Langenthals Stadtchronist Simon Kuert empfing diese musikalisch mit dem auf seinem Waldhorn gespielten Oberaargauerlied. Er erläutert die Geschichte dieses melancholischen Liedes, das den Blick von der Hohwacht auf den schönen Oberaargau zum Thema hat. Auf dem Hohwachtturm, dem Werk der Langenthaler August Rikli (1864 bis 1933) und Hector Egger (1880 bis 1956), flattere stets die gelbblaue Fahne Langenthals.
Der ehemalige Pfarrer Simon Kuert blickte zurück auf den grossen Brand in Langenthal von 1542. «Verbrunnen sind 29 Sässhäuser, 9 Spycher und zwo gross Schüren», sei überliefert. Die Neuzuzüger erfuhren die Bedeutung der hohen Trottoirs bei Hochwasser der Langete, dass es am 30. August 1975 zu einem Jahrhundert-Hochwasser mit Millionenschaden kam und dass diese Situation inzwischen mit einem Entlastungsstollen bei Madiswil entschärft wurde. Kuert erklärte, dass sich Langenthal nicht wie Huttwil aus einem Ortskern entwickelt habe, sondern umgekehrt: Erst Geissberg/Kirche, Wuhr, Hübeli/Kreuzhof, Aufhaben, Greppen, zuletzt die Marktgasse. Seines liberalen Geistes wegen sei Langenthal als «Rütli der Schweiz des 19. Jahrhunderts» bezeichnet worden. Christoph Meiners, Professor in Göttingen, habe 1784 geschwärmt: «Langenthal ist gewiss eines von den schönsten und reichsten Flecken
Europas.» 

Von Hans Mathys

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