• Peter Gerber aus Affoltern ist ein vielseitiger Ausdauersportler. Das Inline-Skaten liegt ihm vom Eishockeyspielen her. · Bilder: Stefan Leuenberger, Dominic Scheidegger

14.07.2017
Sport

«Die Vielseitigkeit macht mir grossen Spass»

Interview: Stefan Leuenberger im Gespräch mit Peter Gerber, Affoltern – Innert wenigen Monaten ist der langjährige Eishockeyspieler Peter Gerber aus Affoltern zu einem starken Ausdauersportler avanciert. Der 33-Jährige steigerte seinen Trainigsumfang massiv. Mit dem Gewinn des Multisportevents Biennathlon feierte er kürzlich seinen bisher grössten Erfolg. Nun bereitet sich der zweifache Familien­vater auf den Inferno-Triathlon vor.

Polysport · Bei Ihrer ersten Teilnahme haben Sie auf Anhieb den Biennathlon gewonnen. Ihr bisher grösster Erfolg?
Ja, ganz sicher. Der 2. Rang bei der allerletzten Austragung der S2-Challenge im letzten Jahr war auch schön. Doch dieser Sieg bedeutet mir mehr.

Sie haben dabei den Seeländer Bienn­athlon-Seriensieger Jan Pyott bezwingen können.
Ich wusste bereits vor dem Rennen, wie stark Pyott ist. Umso schöner ist es, ihn bezwungen zu haben. Fairnesshalber muss ich aber erwähnen, dass er die Distanzen etwas unterschätzte und zudem nicht den allerbesten Tag erwischte. Ich hingegen hatte eine ausgezeichnete Tagesform.

Was bleibt Ihnen vom Biennathlon 2017 besonders in Erinnerung?
Der ganze Renntag war schön. Speziell war sicher der Rennrad-Abschnitt. Mit viel Einsatz konnte ich eine Zehner-Spitzengruppe  einholen. Dann stürzte ich und verlor dadurch wieder den Anschluss. Bei starkem Wind musste ich mich erneut herankämpfen, was dann gelang. Auch mein erster Schwimmwettkampf im offenen Gewässer bleibt in Erinnerung. Die Wellen und die Orientierung waren eine besondere Erfahrung. So wollte ich beispielsweise bereits eine Boje zu früh wenden…

Schwimmen, Radfahren, Biken und Laufen lauteten die Disziplinen am Bieler Multisport-Wettmessen. Welche sagt Ihnen am meisten zu?
Eindeutig das Biken. Diese Disziplin liegt mir einfach, und ich übe sie auch am liebsten aus. Auf dem Bike konnte ich am Biennathlon auch die grösste zeitliche Distanz zur Konkurrenz schaffen.

Am Wochenende überzeugten Sie bereits wieder. Sie wurden Dritter am Sempachersee-Triathlon.
Auch dies freute mich sehr. Ich rechnete nicht damit, habe den Wettkampf als Training bestritten. Es lief mir in allen drei Disziplinen gut. Auch in der Sorgendisziplin Schwimmen kommt es immer besser.

Warum haben Sie sich nicht für den zeitgleich stattfindenden Gigathlon entschieden?
Eine gute Frage, denn ich war mir danach schon etwas reuig, nicht am Gig­athlon mitgemacht zu haben. So nehme ich mir fest vor, im nächsten Jahr anzutreten. Dieses Jahr wäre es für mich aber nicht so passend gewesen, weil statt dem Inline-Skaten zweimal gelaufen werden musste. Das Laufen ist nicht unbedingt meine Paradedisziplin. Ausserdem verspüre ich gelegentlich Wadenkrämpfe. Dies hätte bei soviel Laufen an zwei Tagen Probleme geben können. Ich hoffe darauf, dass nächstes Jahr die Disziplin Inline-Skaten, die mir aufgrund meiner jahrelangen Tätigkeit als Eishockeyspieler liegt, wieder im Programm ist.

Noch vor wenigen Jahren waren Sie im Ausdauersport ein unbeschriebenes Blatt. Wie kam es zu dieser intensiven Annäherung?
Ich habe vor allem Eishockey gespielt, bei den Huttu High Flyers. Dazu war ich gelegentlich auf dem Bike unterwegs. Vor einem Jahr startete ich im Gigathlon-Fünferteam «Ahornblatt». Dies hat mich dazu gebracht, mich auch für die S2-Challenge anzumelden. Ich habe an den vielseitigen Ausdauersportarten einfach grossen Spass. Schon in der Schulzeit war es so, dass ich im Sport nirgends super, dafür überall recht gut war. Im Triathlon, auf den ich in Zukunft setzen möchte, kommt mir dies nun zugute. Es hat mich richtig gepackt. Das Eishockey werde ich nur noch nebenbei ausüben.  

Und Sie haben sich 2017 ein grosses Ziel gesteckt.
Genau. Ich habe mich für den Inferno-Triathlon am 19. August angemeldet.

Um dermassen stark aufzutreten, wie Sie dies zuletzt taten sowie um am Inferno-Triathlon zu bestehen, ist ein grosser Aufwand nötig. Erzählen Sie über Ihre Trainingsumfänge.
Die Trainingsstunden sind in der Tat in den letzten Monaten massiv gestiegen. In den letzten drei Monaten trainierte ich wöchentlich zwischen 10 und 15 Stunden. Ausserdem lege ich meinen Arbeitsweg von Affoltern in die Afag AG nach Huttwil immer mit dem Rennvelo zurück. Damit ich dieses Pensum, welches zu 80 Prozent aus Rennvelofahren und Laufen besteht, absolvieren kann, ohne meine junge Familie zu belasten, stehe ich oft um 4.15 Uhr auf, um dann bis 7 Uhr ein Morgentraining durchzuführen.  

Ist dieser Trainingsaufwand mit Ihrem Job gut vereinbar?
Wie die Familie betrifft er auch den Job nicht. So gehe ich beispielsweise in der Mittagspause laufen. Ausserdem kommen mir die gleitenden Arbeitszeiten entgegen.

Und die Ehefrau kommt auch nicht zu kurz?
Ich hoffe nicht. Ich achte ja auch darauf. Wo ich zuletzt ganz bestimmt Abstriche machen musste, ist bei der Zeit mit den Kollegen sowie beim Ausgang.

Im letzten Jahr haben Sie die bekanntesten regionalen Polysport-Ausdauerwettmessen in der Einzelkategorie gewonnen. Treten Sie im August zur Titelverteidigung an der Ursenbacher Trophy und am Run & Bike in Gondiswil an?
Der Inferno-Triathlon geniesst dieses Jahr absolute Priorität. So werde ich als idealen Test dafür an der Eiger Bike Challenge starten. Diese findet eine Woche nach der Trophy statt. Deshalb ist ein Start in Ursenbach eher fragwürdig. Und das Gondiswiler Run & Bike findet am gleichen Tag wie der Inferno-Triathlon statt.

Was nehmen Sie sich für den Inferno-Triathlon vor?    
Die lange Wettkampfdauer wird für mich eine Premiere sein. Ausserdem habe ich grossen Respekt vor der abschliessenden Laufstrecke von Mürren über 25 km und 2175 m auf das Schilthorn. Finishen ist daher mein absolutes Hauptziel. Gleichzeitig liebäugle ich aber auch damit, die 10-Stunden-Schallmauer zu durchbrechen.

Sie wohnen in Affoltern. Dort lebt mit Martin Zürcher ein sehr bekannter Ausdauersportler. Kennen Sie ihn?
Natürlich. Mit «Züri» trainiere ich regelmässig. Mindestens alle zwei Wochen sind wir gemeinsam auf dem Rennrad oder laufend unterwegs. Das nächste Training ist beispielsweise das gemeinsame Abfahren der Inferno-Radstrecke, denn Zürcher wird auch am Inferno-Triathlon starten.

Zürcher hat die erwähnten regionalen Multisportanlässe auch bereits gewonnen. Wie stehen Ihre Chancen beim Duell am Inferno-Triathlon?
Dies ist schwierig zu sagen. Am Bantiger-Triathlon Anfang Juni konnte ich ihn knapp bezwingen. Ich denke aber, dass wir ungefähr auf dem gleichen Level stehen. Und alleine die Tatsache, dass ich mit hartem Training das Niveau eines solch starken Athleten erreichen konnte, macht mich glücklich.

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