• Willy und Martina Birrer mit «Everton», «Endo» und «Navaro D», den drei Freibergern, die nach Chile reisen werden. · Bild: Karin Rohrer

14.02.2017
Luzerner Hinterland

Drei Freiberger reisen nach Chile

Drei Freibergerpferde wechseln vom heimischen Stall in Luthern nach Curicó in Chile. Aber nicht zu Zuchtzwecken, sondern als unkomplizierte und gutmütige Fahrpferde, die jedoch trotzdem über eine sportliche Fahreignung verfügen.

Luthern · Beim Besuch der Freiberger im Luthertal herrscht Anfang Februar klirrende Kälte und die drei Braunen tragen einen dicken Winterpelz. «Für die Reise nach Chile werden sie aber noch geschoren, denn dort herrschen im März bei mediterranem Klima Temperaturen um die 25 Grad», schmunzelt Martina Birrer, während sie «Navaro D», «Endo» und «Everton» für den Fototermin aus dem Stall holt.
 
Trio für Chile
«Navaro D» gehört Hanspeter Bühlmann aus Schwanden i.E. und hat am Feldtest im Jahr 2014 den zweiten Rang geholt. Der braune Wallach wurde von Sepp Durrer in Kerns gezüchtet und Familie Birrer kaufte ihn als dreijährigen Hengstanwärter. Er verfügt über viel Erfahrung im Ein- und Zweispännerfahren und kam Anfang dieses Jahres als Verkaufspferd nach Luthern. «Endo» wird diesen Frühling drei Jahre alt. Er wurde von Familie Birrer als Fohlen gekauft und hat sich auf der Fohlenweide prächtig entwickelt. Er zeigt sich sehr gangewaltig und wird sicher ein leistungsstarkes Fahrpferd abgeben. Sein Vater, der achtjährige «Everton», war als Deckhengst und Fahrpferd im Einsatz und startete im In- und Ausland im Zweispänner.
Birrers haben «Everton» vor etwa vier Jahren gekauft und er hat einige Siegerfohlen an Pferdeschauen gebracht. Dieses Jahr werden 22 Fohlen von ihm erwartet. «Vor allem der goldige Charakter von ‹Everton› hat uns überzeugt. Wir konnten ihn für Fahrstunden mit Behinderten einsetzen, im Vierspänner mit Stuten und im Umgang war er nicht hengstig, ein richtiger Gentleman», meint Martina Birrer.
Nach nun vier Jahren Deckeinsatz wäre für Familie Birrer sowieso ein Hengst-Wechsel angesagt gewesen. Sonst hätten sie sich niemals zum Verkauf von «Everton» entschieden, zumal er für die Reise nach Südamerika kastriert werden musste, was für den Hengsthalter doch mit etwas Emotionen behaftet war.

Hohe gesundheitliche Anforderungen
«Für die Einreise nach Chile herrschen strikte Importbestimmungen und Impfvorschriften. Es müssen viele verschiedene Blut-Test gemacht werden. Die Ergebenisse dieser Blutwerte sind so wichtig, da Chile seuchenfrei ist», erklärt Willy Birrer. Anfang Dezember wurde den Pferden Blut abgenommen und mit bestandenen Bluttests steht der langen Reise nichts mehr im Wege. Zuerst beziehen die Pferde nämlich einen Quarantäne-Stall in Frankreich und verbringen nach ihrem Flug von Amsterdam nach Santiago de Chile weitere 20 Tage in Quarantäne.

Landschaftlich ähnlich der Schweiz
Mit etwas mehr als 100 000 Einwohnern gehört die Stadt Curicó zur «Región del Maule» in der Mitte des südamerikanischen Andenstaates. Etwa 210 m über dem Meer und knappe 200 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago de Chile beziehen die Freiberger ihren neuen Stall. Die Tages- und Nachttemperaturen in dieser Region schwanken relativ stark, was jedoch für einige Rebsorten ideale Bedingungen schafft, denn Curicó hat sich einen beachtlichen Namen als Weinanbaugebiet gemacht. «Die drei Freiberger kommen alle in denselben Stall, auf einen Betrieb mit 60 Hektar Kirschen-Plantagen. Es ist dort alles grün und die Ställe sehen gepflegt und modern aus», weiss Martina Birrer von Fotos, die ihnen Christian Iseli gezeigt hat. Die ganze Vermittlung der Pferde lief über diesen Schweizer Fahrsport-Fachmann, welcher Ende November letzten Jahres Fahrpferde für Chile suchte und auch den Stall von Birrers besuchte.

Positive Reaktionen
«Wir freuen uns natürlich, dass das ‹Abenteuer Chile› entstanden ist und der Platz, an den die Pferde kommen, stimmt für uns. Aus unserer Zucht sind schon Pferde nach Deutschland oder Italien gereist, aber ein Verkauf nach Südamerika ist schon ein Novum», betont Martina Birrer.
Die Reaktionen aus dem Umfeld seien alle durchwegs positiv gewesen und es gab natürlich viele Fragen zum Wieso und Warum. «Wir haben auch keinen Hehl daraus gemacht, dass ‹Everton› kastriert wird und haben uns das Ganze gut überlegt. Der Pferdeverkauf nach Chile hat mich darin bestärkt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und der Freiberger nicht nur in der Schweiz für seine Vielseitigkeit geschätzt wird», ergänzt Willy Birrer, welcher in seinem Stall dieses Jahr fünf Fohlengeburten erwartet. Drei davon sind von «Everton», womit der hübsche Braune quasi ein Andenken hinterlässt, bevor er seine weitere Fahrpferd-Karriere in Südamerika unter die Hufe nimmt.

Von Karin Rohrer

AUF facebook kommentieren