• Der Autor mit dem neuen Buch. · Bild: Hans Mathys

12.10.2017
Langenthal

Drei Landstriche in einem Buch

Allein der Blick auf das Inhaltsverzeichnis des brandneuen Buches des 73-jährigen Rudolf Baumann lässt Bücher-Gourmets

und geschichtlich Interessierten das Wasser im Mund zusammenlaufen. Das Werk ist das erste, das die Geschichte(n) der

drei Landstriche rund um den Grenzstein in St. Urban am Dreikantonseck Luzern, Bern und Aargau gleichwertig aufgreift

und diverse Dokumente dieser Gegend in einem Buch vereinigt.

«Der Napf», «Katholisch und reformiert», «Fasnacht im Luzärner äne», «Wandern im Oberaargau um 1900», «Das Rottal der drei Kantone» und ­viele andere Kapitel bringen der Leserschaft viel Historisches auf lockere, humorvolle Art und Weise näher. Unter dem Titel «An Pfaffnern und Rot» wird Spannendes aus dem Luzerner Hinterland, aus Roggliswil, Pfaffnau, St. Urban, Altbüron, Grossdietwil sowie aus Melchnau, Reisiswil und Busswil erzählt. «An der Langete» vermittelt Geschichten aus Langenthal und Obersteckholz. Rudolf Baumann geht auch der Bedeutung der Wässermatten nach, die früher das wertvollste Kulturland waren und heute nicht nur wegen ihrer Schönheit, Seltenheit und Eigenart eine schützenswerte Landschaft sind. Köstlich wird «Das Bähnchen», die Zeit des «Melchnauerli», beschrieben. Vier Seiten im neuen Buch sind dem Original und Unikum Bickel Joggi gewidmet, der im 19. Jahrhundert auf dem Hofe Bikadei in ­

St. Urban lebte und seinen Lebtag nichts anders als die strenge Bauernarbeit kannte. Ans Herz gewachsen war ihm der Dienstag-Märit in Langenthal, den er allwöchentlich besuchte. Bickel ­Joggi ersann fantasievolle Lügenmärchen, wofür er bis hin zu den Markt­orten Langenthal, Huttwil, Solothurn und Zofingen bestens bekannt war. Rudolf Baumann beschreibt auch sonntägliche Spaziergänge ins «Bad» (Hirschen, Langenthal) und in die «Chauteli» (Kal­ten­herberge, Roggwil). Letztere habe sonntags sogar «Feinschmecker und Leckermäuler» aus der Hauptstadt ­angelockt. An der Sprache habe man erkennen können, woher die Leute kamen: Langetu, Roggu, Woufu und Bau (Bannwil). Der Autor erinnert sich in seinem Buch auch an seine Zeit als Dreikäsehoch – an Wanderungen zur Hohwacht, an Ausflüge «mit dem ­lustigen, gelben Bähnchen» zum «Juja» (gemeint ist der Jura, aber er konnte damals den Buchstaben R noch nicht aussprechen) und mit dem «Huttu­schnägg» ins Emmental, «um dort ­einen verlockenden Hoger zu erklimmen». 

Herzerfrischende Geschichten

Das Buch «Geschichte(n) rund um den Dreiländerstein» bietet nicht nur viel Wissenswertes aus dem  Oberaargau, dem Napfgebiet und dem Luzerner Hinterland, sondern auch zahlreiche zum Schmunzeln anregende, herzerfrischende Geschichten. Ältere Semester werden in Erinnerung schwelgen, weil sie sich bei vielen Geschichten ihrer Kindheit erinnern. Junge Leser erfahren so manches von früher, das für sie erstaunlich oder schier unvorstellbar ist. Auch die Jasskarten sind ein Thema. Das Buch illustriert, dass es eine wichtige kulturelle Grenze zu überschreiten gab. Noch heute jassen die Leute im Kanton Bern und im angrenzenden Aargau mehrheitlich mit französischen, jene der Zentral- und Ostschweiz mehrheitlich mit Deutschschweizer Jasskarten. Es sei selten, dass beide Jasskartensorten am selben Tisch Verwendung finden – wie im Rössli Roggwil und im Klostergasthaus Löwen in St. Urban. Berater und Projektleiter Werner Stirnimann (Langenthal) im Vorwort des neuen Buches: «Mit seinem Enthusiasmus, seiner Freude und seiner Beharrlichkeit hat Rudolf Baumann mit diesem Buch eher unbeabsichtigt ein wertvolles Grundlagenwerk für diesen Grenzraum geschaffen. Das Werk gilt es nun zu geniessen! Bestimmt wird es viele inspirieren! Und wer weiss, vielleicht fallen nebenher ein paar Samenkerne an, die den Grenzraum rund um den Dreiländerstein noch zusätzlich in einen Landstrich mit blühender Zukunft verwandeln.» 

Rudolf Baumann: «Das Buch ist eine Fortsetzung von ‹Sagen aus dem Oberaargau› von 2011 in identischer Ausstattung. Diesmal dreht sich der Inhalt um Geschichte und Geschichten der Gegend um den Dreiländerstein in ­St. Urban, welche ich mit ­vielen Illustrationen in den letzten Jahren gesammelt habe. Was mich besonders freut, ist die Tatsache, dass ich dank vieler Leute in den Gemeinden rund um den Dreiländerstein wieder zahlreiche Sagen zusammentragen konnte.»

 

Gut zu wissen: «Geschichte(n) rund um den Dreiländerstein» von Rudolf Baumann wird dieses Wochenende an einer Ausstellung in der Galerie Nyffelerkeller, Käsereistrasse 2, Langenthal, präsentiert. Die Öffnungszeiten: Freitag, 13. Oktober, 19 bis 21 Uhr; Sonntag, 15. Oktober, 15 bis 17 Uhr; Dienstag, 17. Oktober, 17 bis 20 Uhr. Auch am Rottaler Erntefest in St. Urban vom Samstag, 14. Oktober, 12 bis 14 Uhr, ist das Buch zum reduzierten Preis von 35 Franken erhältlich (Ladenpreis 47 Franken). Im Buchhandel erhältlich unter ISBN 978-3-905817-86-7.

Von Hans Mathys

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