• Gute Stimmung unter den beiden Moto2-Töffpiloten. Der Rohrbacher Dominique Aegerter (links) muss sich im Gespräch vom Lindener Tom Lüthi anhören lassen, wie handysüchtig er sei. · Bild: zvg

22.03.2017
Sport

«Du funktionierst ohne Handy gar nicht mehr»

Interview: Klaus Zaugg im Gespräch mit Dominique Aegerter und Tom Lüthi, Moto2-Töffpiloten – Nach zwei Jahren trennen sich die Wege der Töffstars Tom Lüthi (30) und Dominique Aegerter (26) wieder. Kurz vor dem Saisonstart 2017 am Wochenende in Katar ein Rückblick mit überraschenden Erkenntnissen über Rennsport, Freundschaft und Handy-Sucht.

Motorsport · Beim letzten gemeinsamen Interview am 14. August 2014 fuhren Sie beide noch nicht im gleichen Team – und jetzt sind Sie beide nicht mehr im gleichen Team.
Tom Lüthi: Ja, das war vor zwei
Jahren …
Dominique Aegerter: … in einer anderen Zeit.
Tom Lüthi: Viel ist passiert, viel hat sich verändert seither. Wir sind beide älter geworden.

Was war die grösste Veränderung?
Tom Lüthi: Ich überlege gerade, was ich in diesen zwei Jahren alles von Domi gelernt habe.
Dominique Aegerter: Wir sind Freunde geworden und waren gemeinsam in den Ferien.
Tom Lüthi: Das war cool, ja, das sollten wir auch künftig wieder einmal machen. Es war wirklich toll, was wir gemeinsam erlebt haben.
Dominique Aegerter: Ja wir haben einiges gemeinsam erlebt.

Seid ihr wirklich Freunde geworden?
Dominique Aegerter: Ja, ich denke schon.
Tom Lüthi: Wir sind durch die gemeinsame Zeit im gleichen Rennteam im Laufe der zwei Jahre sehr gute Kollegen geworden. Freunde sind etwas anderes: Freunde sind meine Vertrauten schon aus der Schulzeit. Aber ich hätte ja schon nie gedacht, dass ich mal mit dir Ferien mache.
Dominique Aegerter: Ich habe dich vorher nicht gut gekannt und falsch eingeschätzt. In den zwei Jahren haben wir uns besser kennengelernt und ich habe jetzt ein anderes Bild von dir. Wir haben ja tatsächlich viel erlebt und es ist gut, dass vieles davon unter uns bleibt. Das gehört zu einer guten Kollegschaft.

Wie hat sich das Bild von Tom verändert?
Dominique Aegerter: Ich dachte immer, Tom sei zurückgezogen, nicht so offen und immer so ernsthaft und nicht für Spass zu haben. Aber er ist auf dem Rennplatz einfach konzentriert.

Tom, sind Sie ein Schauspieler?
Tom Lüthi: Ja, ich glaube schon. Es ist so wie Domi sagt: Wenn es um den Job geht, dann mache ich keine Kompromisse und ich bin hundertprozentig konzentriert. Es kann sein, dass ich dann auf andere reserviert oder fast abweisend wirke. Das bin ich mir bewusst. Aber wenn es nicht mehr um den Job geht und ich in einem Umfeld bin, zu dem ich Vertrauen habe, dann bin ich bewusst lockerer und für einen Spass zu haben.

Haben Sie Vertrauen zu Domi?
Tom Lüthi: Ja, auf jeden Fall.
Dominique Aegerter: Das gilt auch für mich und es müssen wirklich nicht immer alle alles wissen, was wir gemeinsam unternommen haben.

Jetzt seid ihr wieder Gegner. Ändert sich dadurch etwas?
Tom Lüthi: Es ändert sich nichts an unserem guten Verhältnis. Aber wir sind nun wieder in verschiedenen Teams, wir reisen nicht mehr gemeinsam und verbringen weniger Zeit zusammen.

Bringen die getrennten Wege für Sie Dominique auch eine Befreiung?
Dominique Aegerter: Ja, ja, das musste ja kommen. Ja, ja, ich habe jetzt keinen Lüthi-Komplex mehr, weil ich nicht mehr in seinem Team bin. Für mich ist es gleich wie für Tom. Wir  verbringen nun weniger Zeit zusammen und sonst ändert sich nichts. Ich hoffe, dass ich Tom Lüthi nun auf der Rennpiste wirklich herausfordern kann. Und dies wäre doch gut so. Wir warten ja alle darauf, zwei Schweizer auf dem Podest zu sehen.

Wann ist es soweit?
Dominique Aegerter: Beim Saisonauftakt am 26. März haben wir die erste Chance.

Aber es ist eben schon so, dass Sie im gleichen Team wie Tom immer kleiner geworden sind.
Dominique Aegerter: Ich bin immer noch 174 Zentimeter gross. Ich bin also nicht kleiner geworden. Ja, meine Leistungen stimmten in den zwei Jahren nicht. Aber was sind die Gründe? Dass Tom mein Teamkollege war? Weil wir auf Kalex umgestiegen sind? Weil ich schwer gestürzt bin? Es gibt viele Ursachen.

Aber Sie wirken jetzt selbstsicherer, lockerer.
Dominique Aegerter: Aber nicht, weil Tom nicht mehr mein Teamkollege ist. Es ist vieles anders geworden. Die Sportler-RS im vergangenen Winter hat mir auch geholfen. Der Militärdienst hat Spass gemacht und ich konnte von den anderen Spitzensportlern viel lernen und einen Schritt vorwärts machen. Und es hat gutgetan, während des Winters sechs Wochen in Spanien zu trainieren. Ich fahre jetzt mit der Suter wieder die Maschine, die ich wollte und fühle mich in einem neuen Team wohl.
Tom Lüthi: Ich verstehe, was du meinst. Wenn immer alles gleich ist, dann tut ein Wechsel manchmal gut. Ja, manchmal ist ein Wechsel notwendig. Ich denke, dass es nicht der Wechsel von der Kalex zurück auf die Suter ist, der dir helfen wird. Sondern einfach der Wechsel in ein anderes Team.

Warum waren Sie im gleichen Team gut und warum Dominique nicht?
Tom Lüthi: Wir hatten ja beide innerhalb des Teams unsere eigenen Leute. Ich habe aber am Rande mitbekommen, dass es zwischen Domi und dem Cheftechniker nicht gepasst hat. Das spielte eine wichtige Rolle. Aber es ist nicht so, dass seine Resultate etwas mit meiner Präsenz zu tun haben. Ich wollte ihm nicht etwas wegnehmen.
Dominique Aegerter: Das sehe ich ja auch so. Natürlich habe ich, als bekannt wurde, dass du in unser Team kommst, auch gedacht: Du und ich im gleichen Team, das geht nicht.
Tom Lüthi: Das ging mir auch so.
Dominique Aegerter: Aber wir haben uns schnell zusammengerauft. Wir haben nie gegeneinander gearbeitet und ich hatte nie das Gefühl, dass du mir etwas wegnimmst. Das Problem warst nicht du. Es war die Summe vieler Kleinigkeiten, die mich um die Resultate gebracht haben.

Zwei Alphatiere im gleichen Team – geht das überhaupt?
Tom Lüthi: Es gibt Beispiele, die zeigen, dass es funktioniert.

Aber bei euch hat es nicht funktioniert.
Dominique Aegerter: Ja, aber nicht, weil wir Probleme miteinander hatten. Tom war in diesen zwei Jahren einfach zu gut. So einfach ist das.
Tom Lüthi: Deine Schwierigkeiten hatten nichts mit unserem Charakter zu tun. Bringen wir es doch auf den Punkt: Du wirst viel zu sehr von deinem Handy abgelenkt. Ständig bist du mit diesem Ding beschäftigt. Aber Konzentration ist das A und O in unserem Sport.
Dominique Aegerter: Na ja, ich bin schon ein wenig handysüchtig.
Tom Lüthi: Ein wenig? Du bist ganz schwer handysüchtig. Du drehst ja gleich durch, wenn du mal irgendwo keine Verbindung kriegst und keinen Zugang zum Internet hast. Du funktionierst ohne Internetverbindung gar nicht mehr.
Dominique Aegerter: Es ist eben auch ein Zeitvertreib. Ich kann schauen, was meine Kollegen so machen …
Tom Lüthi: … und die Kolleginnen.
Dominique Aegerter: Die Kolleginnen auch, ja. Das gehört halt dazu. Aber während der Arbeit lasse ich mich nicht ablenken. Du bist nicht der Einzige, der deswegen ständig hinter mir her ist. Auch der Sigi (der Manager von Aegerter – die Redaktion) sagt das immer wieder. Er wollte mir schon das Handy wegnehmen.

Was hätten Sie getan, wenn er Ihnen das Handy weggenommen hätte?
Dominique Aegerter: Ich hätte heimlich ein neues gekauft.
Tom Lüthi: Schaltest du das Handy überhaupt einmal aus?
Dominqique Aegerter: Ja, wenn ich schlafen will.
Tom Lüthi: Aber was machst du, wenn jemand Hilfe braucht? Dann bist du nicht erreichbar. Ich lasse es eingeschaltet.

Sind die Unterschiede im Fahrstil auch so offensichtlich wie bei der Handynutzung?
Tom Lüthi: Ja, die Unterschiede sind so gross, dass sie sogar bei den TV-Bildern gut ersichtlich sind. Ich fahre flüssiger, runder.
Dominique Aegerter: Ich habe deinen Stil auch probiert. Es ging nicht. Aber ich bin jetzt lockerer drauf als vor einem Jahr.

Wisst ihr eigentlich, wieviel der andere verdient?
Dominique Aegerter: Äh, nein, darüber haben wir noch nie gesprochen.
Tom Lüthi: Das Geld war noch nie ein Thema.

Wer von euch verdient mehr?
Dominique Aegerter: Also bei mir ist es nach den letzten zwei Jahren schon weniger geworden. Ich denke, du verdienst mehr.
Tom Lüthi: Dann lassen wir das so stehen.

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