• Blick auf das Dorf Sumiswald: Schon bald werden neue Leute an der Spitze der Gemeinde mit den drei Dörfern Sumiswald, Wasen und Grünen wirken. · Bild: Liselotte Jost-Zürcher

31.10.2016
Emmental

Ein designierter Gemeindepräsident und 21 Kandidierende für den Gemeinderat

In Sumiswald steht ab nächstem Jahr ein neuer Gemeinderat mit einem neuen Gemeindepräsidenten an der Front der Gemeinde. Ebenso neu ist die Ausgangslage: Der Rat wirkt ab der kommenden Legislatur mit sieben anstatt neun Mitgliedern. Sechs Bisherige, unter ihnen Gemeindepräsident Christian Waber, treten nicht zur Wiederwahl an. Für die Wahlen am 27. November haben sich 21 Kandidatinnen und Kandidaten zur Verfügung gestellt. Neuer designierter Gemeindepräsident ist Fritz Kohler aus Weier.

Von Liselotte Jost-Zürcher · Fritz Steffen (SVP) ist das ratsälteste Mitglied des Gemeinderats Sumiswald. Nach zwölf Jahren kann er nicht mehr zur Wiederwahl antreten. Ebenso klar steht seit langem fest, dass auch Gemeindepräsident Christian Waber keine weitere Amtsdauer mehr anhängen wird. Als er vor dreieinhalb Jahren nach dem Rücktritt von Roland Holzer in die Bresche sprang, liess der Voll- und Herzblutpolitiker schon damals wissen, dass er «nur» die Legislatur beenden würde.

Zeitintensiv
Doch ausser den beiden treten mit Peter Gygax, Heinz Jenni (beide SVP), Karin Aeschbacher-Pfister und Michael Wymann (beide Freie Wähler Sumiswald) vier weitere gute, erfahrene Leute nicht mehr zur Wiederwahl an – was Christian Waber verstehen kann: «Ein Gemeinderatsmitglied ist stark gefordert; das Amt lässt sich schlecht mit einem Vollzeit-Job vereinbaren.» Denn zu den eigentlichen Aufgaben im Rat und in den Kommissionen würden stets noch weitere «Nebenjöblis» kommen wie Repräsentationspflichten und andere.

Privilegiert – und gefordert
Dennoch: «Wir wollen ein Ort bleiben, wo man arbeiten, leben, Bildung geniessen kann; ein Ort, wo etwas geboten wird. Sumiswald ist in vielen Hinsichten sehr fortschrittlich, erfreut sich eines gesunden Gewerbes und sogar einer positiven Pendlerbilanz. Das heisst, es kommen mehr Leute hierher zur Arbeit als dass Einwohner auswärts arbeiten gehen.»
Zudem habe der Ortsteil Sumiswald als Subzentrum 4 – neben Burgdorf und Langnau der einzige Ort im Emmental – im Richtplan des Kantons einen privilegierten Platz und werde deshalb in seiner Urbanisierung gefördert. Das verbessere die Möglichkeiten für den ÖV, für die Bildung und die Bautätigkeit. Doch es fordere auch. «Es ist sehr wichtig, dass unsere Bürgerinnen und Bürger bereit sind, Verantwortung für die Gemeinde zu tragen und sich mit ihren Angelegenheiten zu befassen», so Christian Waber. Er sagt dies im Wissen, dass viele Herausforderungen auf den künftigen Rat zukommen.
«Mit dem verkleinerten Rat werden die Ressortleiter noch mehr gefordert sein. Die klare Aufteilung der operativen und der strategischen Geschäfte zwischen Rat und Verwaltung muss in Zukunft besser unterschieden werden; es ist grundlegend, damit die Bewältigung der Aufgaben funktionieren kann.» Und: Der Gemeinderat Sumiswald arbeitet ab Neujahr mit Tablets. Alle Akten werden künftig digital zur Verfügung stehen; sie können von jedem Ratsmitglied eingesehen werden. Die Ratsmitglieder werden zeitlich und örtlich unabhängiger sein, müssen aber selbst differieren, welche Dossiers für sie wichtig sind und wieviel Zeit sie investieren können und wollen. Die Sitzungen werden durch diese Neuerung künftig völlig anders verlaufen.

Transparent informiert
Schon seit längerem war bekannt, dass der grössere Teil der jetzigen Gemeinderatsmitglieder nicht mehr zur Wahl antreten wird. Der Gemeinderat hat deshalb konsequent daraufhin gearbeitet, wichtige Geschäfte abzuschliessen oder sie soweit zu konzipieren, dass sie der Nachfolge geordnet übergeben werden können. Zudem hat er rechtzeitig informiert, damit sich Gemeindebürgerinnen, -bürger und Parteien frühzeitig Gedanken für die Kandidaturen machen konnten.
Tatsächlich kandidieren diesmal mehr Leute als vor vier Jahren; damals waren es 18 Leute auf vier Listen für acht Sitze (Roland Holzer wurde als Gemeindepräsident still gewählt); diesmal sind es 21 Leute auf sechs Listen für sechs Sitze. Dies ist aber nicht auf die Propagierung zurückzuführen, sondern vielmehr darauf, dass auch die SP wieder zu den Wahlen antritt. Vor vier Jahren hatte sie keine Kandidatenliste. Bereits damals kündigte sie an, dass sie wieder kommen werde. Ihre Mitglieder hatten sich in den vergangenen Jahren politisch stark engagiert, auch ohne im Gemeinderat vertreten zu sein. Zudem wurde im vergangenen Jahr die EVP Region Sumiswald gegründet. Für die aktuellen Wahlen ist sie eine Listenverbindung mit der EDU eingegangen.

Comeback als Gemeindepräsident
Für das Amt als Gemeindepräsident kandidiert Fritz Kohler, Waldmatt, Weier; er wurde überparteilich angefragt. Fritz Kohler war von 2009 bis 2012 Mitglied des Gemeinderats Sumiswald. Das Präsidium wird nach dem Majorz-Wahlverfahren gewählt. Da keine weitere Kandidatinnen oder Kandidaten gemeldet wurden, wird ihn der Gemeinderat am 7.  November als neuen Gemeindepräsidenten bestätigen.
Das Fazit von Christian Waber für die Gemeinderatswahlen am 27. November: «Das politische Interesse in Sumiswald hat merklich abgenommen. Die Stimmbeteiligung ist generell tief, tiefer noch als der Durchschnitt im Kanton Bern. Die Parteien hatten Mühe, Leute für die Wahlen zu finden. Ich hoffe sehr, dass sich die Stimmbürgerinnen und -bürger ihrer Verantwortung bewusst sind und an die Urne gehen.»

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