• Clemens Bracher aus Wasen und Anschieber Michael Kuonen während einer Trainingsfahrt im Olympiakanal. Bild: Keystone

18.02.2018
Sport

«Ein Diplomgewinn wäre schön»

Der 31-jährige Bobpilot Clemens Bracher hat sich seinen Olympiatraum verwirklicht. Am Sonntag startet er in Pyeongchang in den Zweierbob-Wettbewerb. Kurz vorher gibt er dem «UE» über den Ist-Zustand Auskunft.

Interview: Stefan Leuenberger im Gespräch mit Clemens Bracher, Bobpilot aus Wasen

Was betrachten Sie eher als schwierig?

Das Essen hat man schnell einmal gesehen. Es ist schwierig, sich ausgewogen zu ernähren. Oft weiss man beim asiatischen Essen auch nicht so genau, was man überhaupt isst. Mittlerweile hält sich der Magen aber glücklicherweise still.  

 

Im Olympischen Eiskanal fühlen Sie sich hoffentlich wohler als am Esstisch?

Ich habe mich mit Videostudium intensiv vorbereitet. Darum war ich auch nicht nervös, als ich die Bahnbegehung absolvierte. 

 

Und mit Ihren Schlitten ist alles okay?

Jawohl, diese sind heil in Südkorea gelandet. Allerdings ist es schwer zu sagen, wo wir stehen, weil wir bei den den Zweier-Testfahrten Trainingskufen verwendet haben. Dadurch dürften wir natürlich noch etwas Reserven haben. Wie es genau steht, wissen wir, wenn wir mit dem Originalmaterial die letzten Trainings absolviert haben. 

Wie steht es mit Ihrem Team? Es kam ja noch zu einer kurzfristigen Änderung. 

Mein vorgesehner Vierer-Anschieber Sandro Ferrari vom Bobteam Hefti musste sich notfallmässig einer Operation unterziehen. Es geht ihm zum Glück gut. Die Gesundheit geht vor, auch wenn er nun den Olympia-Einsatz verpasst. Es freut mich natürlich, dass mit Alain Knuser ein Anschieber aus meinem eigenen Bobteam nachgerückt ist. So kann ich nun das olympische Viererrennen mit meinem Stammanschieber auf der zweiten Position bestreiten. Das passt.  

 

Hat Sie das Olympiafieber erreicht – sind Sie nervös? 

Es ist komisch: Ich bin ganz ruhig. Und ich studiere auch überhaupt nicht an den bevorstehenden Wettkämpfen herum. Ich hoffe, dass dies ein gutes Omen ist. Und ich denke, dass eine gewisse Nervosität dann schon noch auftauchen wird, wenn der erste Einsatz kurz bevor steht. 

 

Sind Sie im olympischen Dorf schon einer Sportgrösse begegnet?

Ja. Ich bin neben Lindsey Vonn vorbei gelaufen. Und auch Snowboard-Star Shaun White habe ich kurz gesehen. Aber ich getraute mich nicht, diese Stars anzusprechen. Allerdings bin ich ja auch nicht dafür hier. Ich möchte mich auf meine Einsätze konzentrieren und gute sportliche Leistungen abliefern. Eine Ausnahme gibt es allerdings. Und zwar kam es im Schweizer Lager zu einer interessanten Begegnung. Ich konnte mit Skispringer Simon Ammann gute Gespräche führen und habe mit ihm auch schon ein paar mal gegessen.   

 

In Ihrer Heimat wird mitgefiebert. In der Old Factory Lounge in Wasen gib es am Sonntag und Montag ein Public Viewing. Was sagen Sie dazu?

Ich habe es mitbekommen, dass etwas auf die Beine gestellt wurde. Dies freut mich natürlich. Ich fühle mich sehr geehrt. Handkehrum ist es mir nicht so recht, wenn da wegen mir ein solcher Aufwand betrieben wird. Gut ist dieses Viewing für meine Eltern und die engsten Familienangehörigen und Freunde, denn diese sind nervöser als ich. Für sie kann es eine Erleicherung sein, die Rennen gemeinsam anzuschauen. So können sie die Nervosität etwas teilen. 

 

Wie stehen kurz vor dem Showdown und bisherigen Karrierenhighlight die Chancen, dass das Bobteam Clemens Bracher im Zweier ein Olympisches Diplom schafft?

Nach den bisherigen Fahrten ist es sehr schwierig abzuschätzen, wieviel Reserven die Konkurrenten haben. Es ist auch schwierig abzuschätzen, was an der Bahn noch geändert wird. Ein wichtiger Punkt sind die Rodlerkehlungen in der Bahn. Die Rodler haben ihre Wettkämpfe vor uns Bobfahrern absolviert. Nun bekunden viele Piloten Mühe mit diesen Rodlerkehlungen. Dies ist ein Vorteil für mich, weil ich mir die Bahn mit diesen Kehlungen verinnerlicht habe. Rangmässig möchte ich mich nicht äussern. Wir müssen uns auf uns und unsere Fahrten konzentrieren. Dann sehen wir, was resultiert. Natürlich, ein Diplomgewinn wäre schön. Wir können aber nichts erzwingen, müssen vier Läufe parat sein. Die Bahnpassagen neun bis zwölf waren schon bei den Rodlern matchentscheidend. Wer diese Stellen viermal einwandfrei erwischt, ist vorne mit dabei.  

Info: Olympische Bobrennen im Zweier am Sonntag/Montag, 18./19. Februar (je zwei Läufe); im Vierer am Samstag/Sonntag, 24./25. Februar (je zwei Läufe).

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