• Die Teilnehmerinnen der Herbst-Trainingstage setzen die Anweisungen der ungarischen Leiterin (rechts hinten) um. · Bild: Walter Ryser

17.10.2017
Sport

Ein Hauch Weltklasse in der Turnhalle

Rhythmische Gymnastikgruppe Langenthal - Traditionell absolvieren die Mädchen der Rhythmischen Gymnastikgruppe (RG) Langenthal im Oktober ihre Herbst-Trainingstage. Dabei weht ein Hauch von Weltklasse durch die Turnhalle Kreuzfeld in Langenthal, ist doch mit der Ungarin Kata Kiss eine ehemalige Spitzen-Gymnastin als Trainingsleiterin zu Gast.

TURNEN · Die Herbst-Trainingstage gehören seit Jahren zum fixen Programm der RG Langenthal. Auch dieses Jahr absolvieren rund 20 Mädchen eine Intensiv-Trainingswoche in der Turnhalle Kreuzfeld. «Rhythmische Gymnastik ist eine äusserst trainingsintensive Sportart. Mit den Herbst-Trainingstagen bieten wir den Mädchen ein zusätzliches Angebot, das ihnen in den Ferien einerseits Abwechslung, Spass, aber auch die Möglichkeit bietet, sich weiter zu entwickeln», betont Nicole Howald, Hauptleiterin der Rhythmischen Gymnastik Langenthal, einer Untergruppe des Turnvereins Langenthal. 

Aus diesem Grunde sei man auch bestrebt, ein qualitativ gutes Programm zu bieten. Bereits zum dritten Mal weilt deshalb mit Kata Kiss eine ehemalige Weltklasse-Gymnastin in Langenthal, die als Leiterin fungiert. Die 35-jährige Ungarin ist nicht alleine angereist, sondern erstmals auch mit zwölf ungarischen Gymnastinnen, die sich während den Herbst-Trainingstagen in Langenthal auf ihre nationale Meisterschaften vorbereiten.

 

Die Schönheit der Schweiz

Kennengelernt hat Nicole Howald Kata Kiss während eines nationalen Trainingslagers in der Schweiz, als diese kurzfristig als Leiterin für ihre in der Schweiz lebende Tante einsprang. Zwischen den beiden Frauen hat sich in der Folge eine Freundschaft entwickelt und Howald fragte die Ungarin vor einigen Jahren an, ob sie nicht Lust hätte, als Leiterin bei den Herbst-Trainingstagen mitzuwirken. Kiss, die heute auch als Zirkusartistin tätig ist, sagte spontan zu. Mittlerweile gehört sie bereits fix zum Leiterteam der RG Langenthal während den Herbst-Trainingstagen. Die Ungarin kommt immer wieder gerne in die Schweiz, ist sie doch von diesem Land begeistert. «Ich liebe die Schweiz, die ich am liebsten mit dem Zug bereise, damit ich die Schönheit dieses Landes bewundern kann», sagt die Ungarin, die vor allem Fondue mag und ganz besonders auch die Langenthaler Fasnacht.

 

Grosse Unterschiede

Die Langenthaler Mädchen seien sehr beeindruckt von der ehemaligen Weltklasse-Athletin, die noch immer alles selber vorturnen könne, sagt die 27-jährige Nicole Howald, selber eine ehemalige Rhythmische Gymnastin und seit 20 Jahren Mitglied der RG Langenthal. «Aber nicht bloss die Kinder, auch ich profitiere enorm von Kata Kiss, von ihrer grossen Erfahrung und ihrem Wissen, vorab im Bereich der Choreographie», erwähnt Nicole Howald. Begeistert sind aber auch die ungarischen Mädchen, von denen die meisten zum ersten Mal in der Schweiz weilen und während den Trainingstagen bei Gastfamilien untergebracht sind. Die Schweiz gefalle ihnen, hier sei alles so sauber und unglaublich grün, erzählt Nicole Howald. «Am meisten erstaunt sind sie jedoch, dass sie mitten in einer Stadt wie Langenthal Kühe antreffen», erwähnt die Lehrerin lachend. Unterschiede machen sich aber auch in der Turnhalle bemerkbar. So würden die ungarischen Gymnastinnen täglich bis zu drei Stunden trainieren, «während unsere Mädchen pro Woche auf rund zehn Stunden Training kommen», gibt Howald zu verstehen, die froh ist, dass ihre Mädchen sehen, dass es Gymnastinnen gibt, die noch viel mehr und härter trainieren.

 

Alle Schmerzen sind vergessen

Eine Erfahrung, die auch Kata Kiss gemacht hat. Sie habe als Kind eine russische Trainerin gehabt und habe im Training oft gelitten, weil diese ungemein streng und hart zu ihr gewesen sei, berichtete die Ungarin, mehrfache Landesmeisterin sowie EM- und WM-Teilnehmerin. Heute ist sie froh darüber. «Wenn ich auf meine Karriere zurückschaue, dann sind all die Schmerzen vergessen und ich bin nur noch glücklich», sagt sie, die Rhythmische Gymnastik als ihre grosse Leidenschaft bezeichnet. «Es hat mich stark gemacht für das ganze Leben und mir gezeigt, dass nichts im Leben unmöglich ist», fügte Kata Kiss hinzu.

Wenn auch keine Weltklasse-Ambitionen, so zumindest ehrgeizige Ziele verfolgt auch Nicole Howald mit der RG Langenthal. Nach einer kleinen Baisse habe man letztes Jahr wieder einen grossen Zulauf an Kindern registriert, so dass aktuell über 50 Mädchen Rhythmische Gymnastik betreiben. Für Nicole Howald steht im Vordergrund, aus den bescheidenen Möglichkeiten das Beste herauszuholen. «Wir trainieren nach dem Motto: lernen, lachen, leisten», bemerkt die RG-Hauptleiterin, die stolz darauf ist, dass sich aktuell immerhin drei ihrer Mädchen im Regionalen Leistungszentrum in Biel befinden.

 

Für jede Leistungssparte etwas

Dennoch sei es nicht einfach, die Balance zu finden, ist sich die gebürtige Langenthalerin bewusst, die heute im Bremgarten bei Bern wohnt. «RG ist eine äusserst trainingsintensive Sportart, die einige rasch überfordert, während andere gerne noch einen Schritt weiter gehen. Hier versuchen wir, allen Ansprüchen und Leistungsniveaus gerecht zu werden», erwähnt Nicole Howald und weist darauf hin, dass man auch über eine reine Showgruppe verfüge, in der jene Mädchen mitmachen könnten, die reduziert trainieren und nicht an Wettkämpfen teilnehmen möchten. «Alle Mädchen sollen RG machen können», lautet letztendlich die Philosophie von Nicole Ho-wald. Und jene, die gerne noch etwas mehr machen, die absolvieren einfach die Herbst-Trainingstage mit Kata Kiss…

Von Walter Ryser

AUF facebook kommentieren