• Jürg Ingold (links) und Michael Schär sind begeistert von der neuen Einrichtung und der Technik im Kino Scala. · Bild: Leroy Ryser

07.12.2018
Langenthal

Ein zweiter Saal und modernste Technik

Das Kino Scala hat nach einer etwas mehr als zweijährigen Bauphase seit Mitte November zwei Säle in Betrieb und begeistert damit seine Besucher. Mit gutem Gewissen können Jürg Ingold und Michael Schär von der neuen Ausstattung schwärmen. Mit dieser sind sie schweizweit einzigartig und überragen andere regionale Kinos deutlich.

Es fällt auch den Nicht-Kinoexperten auf, dass das Kino Scala technisch gesehen einen grossen Schritt nach vorne gemacht hat. Davon sind die Betreiber Jürg Ingold und Michael Schär überzeugt. «Man versteht hier alles so gut», habe er einst eine Besucherin schwärmen hören, meint Jürg Ingold, nicht selten tragen die Besucher auch Feedbacks an Michael Schär heran, der von der überragenden Bildqualität hört, die weitgehend auffällt. Das hat zweifellos seinen Grund. Vor zwei Jahren hat das Langenthaler Kino Scala sein Umbau- und Renovationsprojekt physisch gestartet. Dabei wurde ein zweiter Saal erbaut und der bisherige grosse Saal renoviert. «Jetzt haben wir in beiden Sälen einen neuen rot-grün-blau-Laser, der den Projektor mit Licht versorgt. Damit sind die Bilder gestochen scharf – das Resultat ist berauschend», erklärt Jürg Ingold begeistert. Selbst 2D-Filme würden aussehen wie 3D-Projektionen, weil die Darstellung fast an ein Hologramm erinnert. In der Schweiz ist dies einzigartig, kein anderes Kino kann eine derartig neue Technik vorweisen. Auch deshalb wurde im ersten Saal der ursprüngliche Plan, die Tontechnik nicht zu ersetzen, über den Haufen geworfen. So ist das Langenthaler Kino jetzt nicht nur mit neuem Eingangsbereich, einem zweiten Saal und vergrösserten WC-Anlagen ausgestattet, sondern vor allem technisch in allen Belangen überragend aufgestellt.

Mehr Premieren möglich
Für die Kinobetreiber noch entscheidender ist aber die Tatsache, dass das Kino Scala nun dem Publikum einen zweiten Saal anbieten kann. Während im ersten Saal weiterhin 290 Plätze zur Verfügung stehen, sind es im kleineren Saal deren 48. Das ermöglicht, dass mehr Premieren gespielt werden können. «Die Verleiher schreiben uns vor, dass ein neuer Film beispielsweise drei Wochen lang im Hauptabend-Programm, also um 8 Uhr, laufen muss. Wenn man nur einen Saal hat, blockiert ein solcher Film, für lange Zeit das Programm», erklärt Jürg Ingold. Jetzt gibt es die Möglichkeit, einen solchen Film wenn er nicht so begehrt ist, in den zweiten Saal zu verschieben, entsprechend haben im Jahresprogramm mehr Premieren Platz. Sowieso können allgemein mehr Filme gespielt und mehr Besucher begrüsst werden.

Diverse Herausforderungen
Wiedereröffnet wurde der erste Saal am Abend des 15. November mit dem Harry Potter Spin-off «Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen». Seither herrscht im Scala reger Betrieb mit bis zu zwölf verschiedenen Filmen pro Woche. Insbesondere zurzeit ist das eine grosse Herausforderung. «Noch ist die Liegenschaft eine Baustelle, ein paar Sachen sind noch nicht ganz fertig gebaut und deshalb bewegen sich hier den Tag hindurch sehr viele Handwerker», erklärt Michael Schär. Nicht selten kommt es deshalb vor, dass Schalter umgelegt werden, die nicht hätten berührt werden sollen. Ausserdem agiert das Scala für die Anbieter der neuen Technik fast wie ein Beta-Tester. «Wir haben eine derart neue Ausstattung, dass selbst die Anbieter froh um Rückmeldungen von uns sind, damit sie sie weiterentwickeln können», erklärt Ingold. Solche «Kinderkrankheiten» verbunden mit den Herausforderungen der Baustelle seien kräftezehrend. Wahrlich freue er sich auf den Moment, meint Jürg Ingold, in dem alles endgültig wie gewünscht läuft. Noch müssen aber die Wohnungen im oberen Stock renoviert werden, ausserdem wird die alte Eingangstüre noch ersetzt, Beschriftungen und Präsentationsscreens angebracht, Lichtquellen im Eingang fehlen teilweise noch und die Zufahrt soll noch asphaltiert werden.

Ausbau im Angebot geplant
Längst bereitet die neue Infrastruktur aber Freude. «Nur schon wenn man eintritt. Es ist alles hell und offen. Es gefällt uns sehr», sagt Michael Schär. Mit neuen Gerätschaften wie einer Abwaschmaschine ist zudem geplant, auch das Essens- und Snackangebot zu vergrössern, bald sollen im Scala auch Kaffees angeboten werden. Damit hoffen die beiden Betreiber, dass das Scala in der regionalen Kinolandschaft wieder vermehrt an Bedeutung gewinnt und noch attraktiver wird. Damit der Betrieb zugleich aber nicht aufwändiger und teurer wird, hilft letztlich auch hier die neue Technik, die es bald ermöglicht, dass Filme direkt an der Kasse beim Eingang gestartet werden können. Der Hauptaufwand liegt zwar weiterhin in der Vorbereitung, in der Pausen definiert und Werbefilme eingefügt werden, was aber jetzt durch die neuen Abläufe noch zusätzlich herausfordernd ist, schrumpft schon bald auf einzelne Klicks am Computer zusammen.
«Die Kinofans bemerken es, dass hier viel geboten wird, obwohl wir vergleichsweise klein sind», ist Jürg Ingold überzeugt und erzählt, dass hin und wieder auch Reservationen aus Solothurn, Oftringen, dem Napfgebiet mit Huttwil oder dem nahen Luzerner Hinterland kommen. Mit dem modernen Ambiente und der überzeugenden Technik könnte sich dies etablieren. «Kinotechnisch haben wir schliesslich alles zu bieten», betont Michael Schär erneut. Wer für sich deshalb keinen Besuch im Scala vorsieht, der ist bei dieser Ausgangslage selber schuld, schmunzeln Schär und Ingold. Nicht zuletzt der zweite Saal sorgt ja schliesslich auch für ein breitgefächertes Angebot, das jeden ansprechen dürfte.

Von Leroy Ryser

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