• Kirchgemeinderatspräsident Reto Steiner mit den drei Architektinnen, die für das Projekt Erneuerung Kirche Geissberg zuständig sind (von rechts): Miyuki Inoue, Vanessa Hull und Silvia Radlinksy. · Bild: Hans Mathys

02.03.2018
Langenthal

Erneuerung der Kirche – viele Anregungen

Im Februar 2020 soll die bis dann erneuerte Kirche Geissberg feierlich eröffnet werden. Zum Infoanlass im Forum Geissberg erschienen über 100 Interessierte. Diese liessen sich von den drei involvierten Architektinnen orientieren und nutzten die Gelegenheit, ihre Wünsche und Vorschläge einzubringen.

Kirchgemeinderatspräsident Reto Steiner freute sich über das grosse Interesse der Bevölkerung und betonte, dass an diesem Anlass keine Beschlüsse gefällt würden. Vielmehr handle es sich um eine reine Informations- und Mitwirkungsveranstaltung zur Erneuerung der Kirche. «Dem Kirchgemeinderat ist es ein Anliegen, dass das Projekt von der Öffentlichkeit getragen wird», hielt Steiner fest. Deshalb gäbe es auch keine Ratsentscheide «im stillen Kämmerlein», zu denen die Mitglieder der Reformierten Kirche Langenthal dann nur noch «Ja und Amen» sagen könnten. Man wolle die Anliegen der Bevölkerung aufnehmen und erfahren, welche Themen besonders wichtig seien.
Reto Steiner begrüsste die drei Architektinnen des Zürcher Büros Hull Inoue Radlinsky GmbH, das den Zuschlag für das Projekt erhalten hat: Vanessa Hull, Miyuki Inoue (geboren in Osaka, Japan) und Silvia Radlinsky – sowie Karin Gerber von der Firma Baukontext, die das Projekt als Beraterin begleitet. An der Kirchgemeindeversammlung vom 10. Dezember 2018 soll über das Bauprojekt abgestimmt werden. Der Zeitplan sieht vor, dass dann noch Ende 2018 die Baueingabe erfolgen soll. Im März/April 2019 erwarte man den Bauentscheid. Der Baubeginn sei für Mai 2019 vorgesehen, die Eröffnung für Februar 2020.

Ideen und Visionen gefragt
Kirchgemeinderat Heini Hasler, Ressortleiter Immobilien und Präsident der Baukommission, informierte anhand von Bildern über die Geschichte der Kirche Geissberg inklusive der letzten Erneuerung von 1956/57. Die reformierte Kirche Geissberg biete Platz für die Jugend und die ältere Generation. Die Nutzung sei bereits heute mit neuen Gottesdienstformen, neuer Musik, und Nutzung für kulturelle Anlässe vielfältig.
Welchen Ansprüchen der Kirchenraum für die künftigen 50 bis 60 Jahre genügen müsse, sei die grosse und schwierige Frage.
Dann präsentierten und kommentierten die Architektinnen Referenzprojekte. Dazu zeigten sie Bilder vom Strohmuseum im Park in Wohlen und vom katholischen Pfarreizentrum in Zollikon. Ob Wohlen oder Langenthal: Wichtig sei es, den einmaligen Charakter eines Gebäudes zu erkennen und zu bewahren.
Dabei sei Altes mit Neuem zu verbinden. Die drei Architektinnen bezeichneten den Info- und Mitwirkungsanlass in Langenthal als wichtige Grundlage für die Projektentwicklung. Gefragt seien hier die Ideen, Anregungen und Visionen der Gemeinde.

Kategorien der Mitwirkung
Dann stellte Reto Steiner die Hauptkategorien für die Mitwirkung vor und zeigte auf die vier Stellwände, die mit «Stimmung, Wahrnehmung, Gestaltung», «Technik, Akustik», «Ausstattung, Mobiliar» sowie «Nutzung/Räume/Erschliessung» angeschrieben waren. Auf Zetteln notiert sind bereits die im Vorfeld schriftlich eingegangenen Impulse. So stand auf der ersten Stellwand beispielsweise «neuer Anstrich, wärmere Farben», «äusseres Erscheinungsbild behalten» und «sanfte Renovation», auf der zweiten «Orgelsanierung», «Heizung verbessern», «Akustik verbessern» und «Wärmeisolation, weniger Durchzug», auf der dritten «Chorgestühl erhalten», «Bänke mit Kissen», «verschiebbarer Altar», auf der vierten «WC», «flexible Nutzung», «Kinderhüteraum» und «Feiern». Die Anwesenden können mit roten Klebern bestimmen, welche der Vorschläge nach ihrer Meinung Priorität geniessen sollen.
Nach angeregten Diskussionen liess Kirchgemeinderatspräsident Reto Steiner die Ergebnisse von den vier Moderatoren (Kirchgemeinderäte) zusammenfassen. Zur Stellwand 1: Die Kirche soll ein multifunktionaler Raum sein. Die Teilnehmenden wollen aber keine Turnhalle. Die Kirche soll Ort des Gebets, der Ruhe und der Gottesdienste sein. Das Ankommen und Eintreten soll freundlicher und heller gestaltet werden. Ein Mittelgang soll geprüft werden.
Zur Stellwand 2: Die Kirche soll eine Kirche bleiben und den sakralen Charakter nicht verlieren. Die künftige Nutzung wird kontrovers diskutiert. Die Kirche soll über eine WC-Anlage verfügen und zudem einen behindertengerechten Zugang bieten. Die Einrichtung eines Cafés wird eher abgelehnt. Solche Veranstaltungen sollen im Forum Geissberg stattfinden.
Zur Stellwand 3: Zentrales Thema ist die Frage, ob die Kirchenbänke belassen, teilweise oder ganz ersetzt werden sollen. Die Chöre sollen besser sichtbar gemacht werden, wofür die Empore verkleinert werden könne. Thematisiert wird auch die Bühne.
Zur Stellwand 4: Am häufigsten beanstandet werden die Lichtverhältnisse und die Beschallung. Die Akustik stellt ein wichtiges Thema dar, zu dem sich viele äussern. Diskutiert wird auch die Heizung.
Die Architektinnen lobten die rege Beteiligung und das grosse Interesse. Sie wollen alle Eingaben sichten, prüfen und das Projekt aufgrund der Inputs im Dialog mit der Bauherrschaft weiter entwickeln. Dabei würden Varianten erarbeitet und diskutiert. Das Ziel ist eine grosse Übereinstimmung des Projekts. An der Versammlung vom 21. Juni wird es weitere Informationen geben. Man rechnet mit 3,5 Millionen Franken Baukosten. Der Infoanlass dauerte zweieinhalb Stunden und machte deutlich: Die Kirche Geissberg soll ein Ort der Begegnung bleiben.

Von Hans Mathys


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