• Die 15-jährige Huttwilerin Lara Christen – auf dem Bild im Dress ihres Stammvereins SC Langenthal – ist an den Olympischen Spielen in Pyeongchang höchstwahrscheinlich nicht dabei. · Bild: Leroy Ryser

29.01.2018
Sport

Es bleibt die Olympiachance via Pikett

Lara Christen, Eishockeyspielerin aus Huttwil – Lara Christen aus Huttwil ist erst 15 Jahre alt. Und deshalb gehört das Talent nicht zum Olympiakader der Schweizer Frauen-Nati. Die Enttäuschung über den Entscheid ist klein, denn Christens Zeit kommt noch. Und: eine leise Olympiachance gibt es gleichwohl, da die Schülerin der Pikettliste angehört.

 

Eishockey · «Die Enttäuschung hält sich sehr in Grenzen», sagt Lara Christen. «Aufgrund meines Alters musste ich mit dieser Entscheidung rechnen.» Das Nichtaufgebot für das Schweizer Frauen-Eishockeyteam von Pyeongchang wurde der 15-jährigen Huttwilerin von Nationaltrainerin Daniela Diaz mitgeteilt. «Sie lobte meine grossen Fortschritte, meinte aber, dass es dieses Mal noch nicht ganz gereicht habe», erklärt Christen. «Die Nationaltrainerin sagte, dass meine Zeit noch kommen werde.» Die Huttwilerin ist mit Jahrgang 2002 das jüngste Mitglied der Schweizer Nationalequipe. Die Schülerin blickt bereits voraus. Christen möchte an den Olympischen Spielen 2022 in Peking unbedingt dazu gehören. 19 Jahre alt wird sie dann sein und damit immer noch jung.

Auf der Pikett-Liste
Am 10. Februar 2018 startet die Schweizer Frauen A-Nationalmannschaft ins Olympische Turnier. Für das Turnier in Südkorea hat Head-Coach Daniela Diaz drei Torhüterinnen, acht Verteidigerinnen und zwölf Stürmerinnen nominiert. Eine leise Olympia-Hoffnung besteht für Christen noch. Auf der Pikett-Liste figurieren sechs Spielerinnen. Zu ihnen gehört die Huttwilerin, welche beim SC Langenthal gross wurde. Was heisst dies? Nun, wenn bis zum ersten Spiel zwischen der Schweiz und dem gemeinsamen Team aus Nord- und Südkorea am 10. Februar eine Verteidigerin verletzt ausfällt, rückt Lara Christen nach. «Bei allem Ehrgeiz, ich wünsche es keiner Natikollegin, sich zu verletzen», meint Lara Christen sportlich. «Ich halte mich aber bereit. Komme ich zum Zug, werde ich mit grösster Freude und vollstem Einsatz ans Olympische Turnier ran gehen.»

Steiler Aufstieg
Auch wenn es jetzt mit der Reise an die Olympischen Spiele nicht klappen sollte, blickt Lara Christen auf eine hervorragende Zeit zurück. Die Huttwilerin wechselte von den Langenthaler Damen (zweihöchste Liga) zu den ZSC Lions, welche in der höchsten Schweizer Frauenliga als Qualisieger um den Meistertitel spielen. Dort hat sich die am 10. Oktober 2002 geborene Blumenstädterin bereits zur Stammspielerin gemausert. Paralell dazu ist sie Stammspielerin in der U16- und U18-Nationalmannschaft. Mit der U18-Nati bestritt sie im Januar 2017 in Tschechien die WM. Anschliessend folgte die U16-EM in Ungarn. Mit ausgezeichneten Leistungen machte Lara Christen beste Werbung für sich. Prompt wurde die Neuntklässlerin auch ins A-Natiteam berufen. Und zwar als jüngste Akteurin. Am Vierländerturnier in Tschechien im Dezember kam sie in jedem Spiel zum Einsatz. Und wenige Tage später stand bereits das nächste Highlight für Lara Christen auf dem Programm.
An der U18-WM in Russland lief es der Schweiz aber nicht wunschgemäss. «Weil wir mit drei Linien durchgespielt haben, erhielt ich viel Eiszeit. Leider haben wir aber alle drei Partien knapp verloren», bilanziert Christen. «Dies war ärgerlich, denn das Team wäre zu Höherem berufen. Auch die Stimmung innerhalb der Equipe ist grandios. So gesehen war es wichtig, dass wir die Abstiegsspiele gegen Deutschland mit 7:3 und 3:0 gewinnen und so den Ligaerhalt schaffen konnten.» Der letzte grosse Wurf in der noch so jungen Eishockeykarriere passierte am Sonntag. Die Frauenequipe der ZSC Lions traf in Biasca im Cupfinal der Frauen auf Bomo Thun. Lara Christen und ihre Teamkolleginnen feierten mit einem 3:2 nach Verlängerung den Cupsieg.

Meistertitel im Visir
Während den Olympischen Spielen ruht der Eishockeybetrieb in der Frauen-Meisterschaft. Damit wird Lara Christen, falls sie nicht doch noch aufgeboten wird, für die Mini-Novizen ihres Stammclubs SC Langenthal einige Partien bestreiten. Anfangs März beginnen dann die Playoffs in der höchsten Frauenliga. Der amtierende Schweizer Meister ZSC Lions gewann 19 von 20 Spielen der Qualifikation und steigt als haushoher Favorit in den Playoff-Halbfinal gegen den SC Reinach. Das Double winkt. «Ich möchte unbedingt meinen ersten Schweizermeistertitel feiern», blickt Christen mit Vorfreude voraus. Bis dahin schaut sie, dass die ausgezeichnete Form hält. Entweder auf Glatteis in Langenthal – oder mit etwas Glück sogar in Südkorea. 

Von Stefan Leuenberger

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