• Grosses Thema im «Blick»: Ausschreitungen nach einem Spiel des FC Lotzwil-Madiswil beschäftigen mittlerweile die Justiz. · Bild: Leroy Ryser

14.11.2016
Sport

FC Lotzwil-Madiswil fühlt sich «angepinkelt»

4. Liga, Gruppe 6: FC Trubschachen – FC Lotzwil-Madiswil 3:3 (3:1): Nach dem Spiel zwischen dem FC Lotzwil-Madiswil und Trubschachen kam es zu einer leidigen Szene, die es bis in das Boulevardblatt «Blick» geschafft hat. Das Spiel endete mit 3:3, kann aber vorerst noch nicht ad acta gelegt werden. Polizeiliche Untersuchungen sind im Gange.

Fussball · Der FC Lotzwil-Madiswil hat vor kurzem Negativschlagzeilen gemacht. Am 2. November hat der «Blick» eine Drei-Viertel-Seite über Ausschreitungen nach dem Viertliga-Spiel gegen und in Trubschachen veröffentlicht. «Spieler pinkelte auf meine Kleidung» stand als Titel in grossen Lettern geschrieben, verdächtig wird der Lotzwil-Madiswil-Spieler Ilja M.*, der kurz vor Spielschluss wegen eines rüden Fouls mit Gelb-Rot vom betroffenen Schiedsrichter des Feldes verwiesen wurde. Der Fall ist mit dem «Blick»-Beitrag aber nicht abgeschlossen. Referee David M.* klagte bei der Polizei gegen unbekannt, diese hat daraufhin die Ermittlungen aufgenommen. Mittlerweile sah sich der FC Lotzwil-Madiswil gezwungen, eine offizielle Stellungnahme abzugeben. Darin wird die Unschuld des verdächtigten Spielers beteuert und die Vorverurteilung durch den Schiedsrichter und den «Blick» bemängelt. Die ganze Stellungnahme ist seit dieser Woche auf dem Facebook-Konto sowie der Website des Vereins zu sehen.

Kein unbeschriebenes Blatt
Wie der «Unter-Emmentaler» aber weiss, ist es nicht das erste Mal, dass Ilja M. sich auffällig und daneben benimmt. Der Spieler mit südosteuropäischer Abstammung zettelte schon mehrere Schlägereien während Spielen und Trainings an und ist wegen seiner aufbrausenden Art oftmals im Fokus von Schiedsrichtern und Gegnern. Trotzdem stellt sich der Verein hinter seinen Spieler. Weil Präsident Peter Schüpbach trotz mehrmaligen Kontaktversuchen nicht erreichbar war, gab Spielkommissionsverantwortlicher und Vorstandsmitglied Daniel Röthlisberger Auskunft: «Der Ablauf passt nicht. Der Spieler wurde in der 89. Minute ausgeschlossen, danach wurde er beim Schuhe putzen gesehen und kurz nach dem Abpfiff kehrte er bereits auf den Platz zurück», erklärt Röthlisberger und führt aus, dass er somit trotz Nachspielzeit kaum genügend Zeit für diese Tat gehabt habe. Die Kabinen in Trubschachen seien zu weit entfernt, der FCL-M geht daher davon aus, dass sein Spieler unschuldig ist. Ilja M. suchte aber nach dem Schlusspfiff erneut die Konfrontation mit dem Schiedsrichter um seinem Frust Luft zu verschaffen, wonach ihn sein Trainer beruhigen musste. Referee David M. habe daraufhin den Spieler vorverurteilt, so Röthlisberger, ohne dass er sich über dessen Schuld sicher sein konnte.

Alles für Entlastung getan
Die leidige Geschichte vom 22. Oktober hat polizeiliche Ermittlungen nach sich gezogen. Diese bestätigt die Kantonspolizei, will aber zum laufenden Verfahren keine weiteren Äusserungen tätigen. Gemäss dem FC Lotzwil-Madiswil habe Ilja M. allen Aufforderungen der Polizei Folge geleistet. Dazu gehörte auch ein Urin-Test, der endgültig Aufschluss über seine Schuld geben soll, sowie Befragungen. «Er hat klar zum Ausdruck gebracht, dass er zu unrecht verdächtigt wurde und hat sich sofort für eine Urin/DNA-Probe zur Verfügung gestellt», erklärt der Fussballclub in seinem Statement. Zudem wurde der Vorfall «in aller Form verurteilt», der FCL-M unterstütze und fordere eine «lückenlose Aufklärung des Vorfalls in jeder Hinsicht». Für Daniel Röthlisberger ist derweil klar: «Unser Spieler hat alles gemacht, um das Gegenteil dieser Anschuldigung zu beweisen. Für mich ist das Ganze deshalb unlogisch.» Und sollte deshalb tatsächlich die Unschuld von Ilja M. bewiesen werden, so seien rechtliche Schritte vom FC Lotzwil-Madiswil durchaus möglich. Zuerst wolle man aber die Resultate der Untersuchungen und harte Fakten abwarten. Eines aber ist schon jetzt klar: Am Schluss hat in dieser leidigen Geschichte niemand gewonnen. Und vortrefflich benommen haben sich auch die wenigsten der beteiligten Parteien.

* Name der Redaktion bekannt

Von Leroy Ryser

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