• Der in Langenthal geborene weltbekannte Oboist, Komponist und Dirigent Heinz Holliger wird nach seinem eindrücklichen Auftritt mit Blumen verabschiedet. · Bild: Hans Mathys

08.01.2018
Langenthal

Festkonzert mit Stargast Heinz Holliger

Mit einem Festkonzert ist das neu renovierte Stadttheater jetzt auch noch musikalisch wiedereröffnet worden. Dies vor vollen Rängen mit Heinz Holliger als Stargast und mit der Uraufführung einer Festouvertüre des Konzertvereins.

Welch ein Anblick vorgestern Sonntagabend im neu renovierten Stadttheater Langenthal. Im Nu waren alle 400 Plätze ausverkauft, weshalb der Musentempel beim Festkonzert aus allen Nähten zu platzen droht. Dem Publikum, das zur Feier des Tages Gratiseintritt geniesst, wird mit einem Konzert erster Güte verwöhnt.
Ein Hochgenuss ist nicht nur – aber speziell – der Auftritt des 78-jährigen in Langenthal geborenen Oboisten, Komponisten und Dirigenten Heinz Holliger. Der Musiker von Weltformat wurde 1999 mit dem Kulturpreis der Stadt Langenthal ausgezeichnet, und 2009 verlieh ihm Langenthal das Ehrenbürgerrecht.
Kaum zu glauben, mit welcher Leichtigkeit der vom 1903 gegründeten Stadtorchester Langenthal begleitete Solist Heinz Holliger das entzückende Oboenkonzert C-Dur von Joseph Haydn zelebriert. Der Applaus des staunenden Publikums fällt entsprechend euphorisch aus.

Geschenk der Langenthaler Vereine
Viel Beifall gibt es schon vor Heinz Holligers Gala-Auftritt, als Theaterdirektor Reto Lang bei der Begrüssung verrät, das Festkonzert des Konzertvereins Langenthal – bestehend aus Stadtorchester, Männerchor und Frauenchor – sei ein Geschenk der drei Langenthaler Vereine.
Lang, der als Moderator viel Interessantes zum attraktiven Programm erläutert, überlässt nun das Mikrofon Stadtpräsident Reto Müller, der mit Blick von der Bühne in Richtung Saal und Galerie ins Schwärmen kommt: «Langenthal hat einen enormen Reichtum an Kultur. Langenthal ist Kultur.» Nun ist die Reihe am 1841 gegründeten Männerchor Langenthal unter der Leitung von Anita Steiner-Thaler, am Piano begleitet von Yuko Ito. Die Sänger, einheitlich in schwarzer Hose, weissem Hemd und schicker gelb-blauer Krawatte, singen ihr Auftaktlied «Tanzen und Springen» nicht nur, sie inszenieren dieses zugleich tanzend und springend.

Grosser Auftritt für Männerchor und Frauenchor
Der Männerchor Langenthal bietet einen weiteren musikalischen Leckerbissen mit dem Chor der Priester «O Isis und Osiris» aus Mozarts «Die Zauberflöte» und dem aus den eigenen Reihen stammenden Bass Alfred Ammann. Beim nächsten Lied des Männerchors, «Landerkennung» von Edvard Grieg, kommt gleich noch ein Solist zum Zug: Bariton Serafin Heus-ser. Dieser wird in der Gartenoper Langenthal kommenden Sommer in Albert Lortzings «Der Wildschütz» die Rolle des Grafen von Eberbach übernehmen. Mit der «Sängerlustpolka» von Johann Strauss geht es in die Pause, die da und dort zum lustvollen
Anstossen mit einem Cüpli aufs Stadttheater generell und aufs beeindruckende Festkonzert speziell genutzt wird. Bühne frei jetzt für den von Andreas Meier-Oulevey dirigierten, 1897 gegründeten Frauenchor Langenthal, der, so Moderator Reto Lang, mit einem «typischen Heurigen-Lied» startet: «Das muss ein Stück vom Himmel sein». Die Frauen singen sich in der Folge mit vier weiteren bekannten Liedern in die Herzen des Publikums: «In einer kleinen Konditorei», «Roter Mohn», «Schlaf mein Liebling» und «Schenk mir eine Tafel Schokolade – und ich schenk dir einen Kuss». Wenn das kein Angebot ist.
Nun naht, darauf lässt allein schon der Bühnenaufbau schliessen, das grosse Finale, zu dem sich Stadtorchester, Männerchor und Frauenchor zum Konzertverein – mit Marcel Hirsiger als Dirigent – vereinigen. Faszinierend hier «From the Bavarian Highlands» mit «False Love», «Lullaby», «Aspiration» und «The Dance» des britischen Komponisten Edward Elgar, der von 1857 bis 1934 lebte. Mit Spannung erwartet das Publikum «den krönenden Abschluss» des Festkonzerts, die als «Eröffnungshymne» deklarierte Uraufführung der Festouvertüre für Chor und Orchester aus Langenthaler Feder. Volker Dübener hat diese komponiert, Slampoet Valerio Moser den Text dazu geschrieben: «Das Saallicht gedimmt, auf Schauspiel gestimmt, wartest du angespannt.
Lockende Schwere, dazwischen noch du, vor dir noch Leere, der Vorhang noch zu. Dann erste Bewegung, ein Lichtkegel scheint, im Saal keine Regung, Zuschauer vereint. Ein Spieler im Licht, erst stand er da bloss, bis das Spielen anbricht – und jetzt geht es los.» Dass das Werk gefällt und gut ankommt, beweist der grosse Applaus.
Nun bittet Schauspielerin Marlise Fischer – sie hat 2008 zusammen mit Theaterleiter und Regisseur Reto Lang das Theater Überland, das Schweizer Autorentheater Langenthal, gegründet – Stadtpräsichent Reto Müller auf die Bühne. Marlise Fischer hält ein grosses Paket aus Karton in ihren Händen. Als sie es öffnet, findet sich darin die Partitur zur Festouvertüre – ein Geschenk «ihres» Theaters Überland.

Unvergessliches Konzert
Mit einer Zugabe des Konzertvereins Langenthal endet das in jeder Beziehung würdige Festkonzert zur Wiedereröffnung des 101 Jahre und drei Wochen alten Stadttheaters. Der Anlass wird unvergessen bleiben – auch des Oboenkonzerts mit Weltstar Heinz Holliger und der Uraufführung der Eröffnungshymne wegen.  Ein zufriedener Reto Lang verabschiedet das beeindruckte Festkonzert-Publikum mit dem Hinweis auf zwei Überraschungen: Der Förderverein Stadttheater Langenthal lade alle zu einem Cüpli oder einem anderen Getränk ein – und die Forschungs-Stiftung Langenthal schenke allen zu diesem sonntagabendlichen Festkonzert Erschienenen das 176 Seiten umfassende Buch von Brigitte Bachmann-Geiser: «Kindheit und Jugendzeit des Musikers Heinz Holliger.»

Von Hans Mathys


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