• Der Gesangverein Gondiswil bot mit dem Singspiel «Es isch Chilbi Ziit» beste Unterhaltung. · Bild: Elsbeth Anliker

09.12.2016
Oberaargau

Für alle ist «Chilbi Ziit»

Der Gesangverein Gondiswil betrat ungewohntes Terrain: Zum ersten Mal studierten Chor und Theatergruppe ein Singspiel ein. Der leichte Stoff «Es isch Chilbi Ziit» sorgte für schönen Chorgesang, viele Lacher und minutenlangen Applaus.

Gondiswil · Der «Hofplatz auf dem Lärchenhof» als Bühnenbild könnte irgendwo im Napfgebiet sein. Auf der einen Seite ist das Haus – rote Geranien zieren die Fensterbank, auf der anderen Seite der Stall. Im Hintergrund sieht man eine schöne Berglandschaft. Die Sängerinnen und Sänger begrüssten das grosse Publikum mit dem alten Volkslied «Lueget vo Bärg und Tal». Mit kompaktem Chorklang, ausgeglichen und fein abgestimmt, brachten sie die «Abenddämmerung» auf die Theaterbühne. Dirigent Remo Freiburghaus hatte seine Sänger fest im Griff. Am diesjährigen Singspiel waren vor allem zeitlose Hits zu hören. Regisseur Fritz Nyfeler studierte mit einer neunköpfigen Truppe das Theater ein, die meisten der Akteure singen auch im Chor. «Es isch Chilbi Ziit» bescherte dem Gesangverein Gondiswil zahlreiche Besucher.

Grosses Dorftheater
Die Bäuerin Bethli bewirtschaftet den Lärchenhof zusammen mit dem gutmütigen Knecht Bänz und der flegelhaften Magd Mädi. Mit Ferien auf dem Bauernhof und Schlafen im Stroh versuchen sie, den Hof über Wasser zu halten. Doch es läuft mehr schlecht als recht. Mädi, unmanierlich und vorlaut, kann mit den Gästen schlecht umgehen.
Und es gibt sehr viele Geheimnisse: Sowohl der Gemeindepräsident als auch der Pfarrer haben je ein uneheliches Kind, was beide natürlich vertuschen wollen. Es gibt Verwechslungen und ein völliges Durcheinander. Das schauspielerische Können der Akteure machte das Zuschauen zu einem Vergnügen – und es konnte nach Herzenslust gelacht werden. Der erfahrene Regisseur Fritz Nyfeler und seine Truppe boten einmal mehr grosses Dorftheater.
Die Sängerinnen und Sänger brachten mit ihren Liedern Ruhe in das turbulente Geschehen auf der Bühne. Sie kehrten zum Beispiel als fröhliche Wanderer auf dem Lärchenhof ein und gaben den Ohrwurm der Nilsen Bro­thers. «Aber dich gibt’s nur einmal für mich» zum Besten. In gewohnt musikalischer Qualität sangen sie weitere Hits, wie Peter Maffays «Über sieben Brücken musst du gehn», «Du fragsch mi, wär i bi» oder den «Heim­weh»- Song der Mundart-Rockgruppe Plüsch. Franziska Braun begleitete virtuos am Klavier.

Ein Buurezmorge
Auf dem Lärchenhof werden die Geheimnisse gelüftet und alles bekommt seine Richtigkeit, als die Tochter der Wirtin das Zepter in die Hand nimmt. Jetzt wird auch für die bevorstehende Chilbi gebacken: Alle Gäste helfen fleis­sig mit. Und vor der grossen «Chilbi» gab es gar ein Buurezmorge. Für einen musikalischen Hochgenuss sorgte der Chor mit dem 23. Psalm «Der Herr ist mein Hirte». Damit wechselten die Singenden komplett zu einer anderen Musik-Stilrichtung und zeigten so ihr vielfältiges Können. Den Schlusspunkt setzte das Lied «Auf uns» des deutschen Popsängers Andreas Bourani. Das Singspiel war ein voller Erfolg. Für Chor und Theatergruppe gab es mehrere Minuten lang Applaus.
Unter den zahlreichen Besuchern weilte auch Stefan Schärli, der Autor des Singspiels. « Das war eine gelungene Interpretation, sowohl schauspielerisch wie auch musikalisch», lobte er. Dass der Gesangverein Gondiswil auf so hohem Niveau singt, «das ist zweifelsohne das Verdienst unseres Dirigenten», sagte Vereinspräsident Thomas Hofer und würdigte die Arbeit von Remo Freiburghaus, der das 10-Jahr-Jubiläum feiern darf.

Von Elsbeth Anliker

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