• Viel altes Handwerk, Show und Spektakel … auch die elfte Auflage des Historischen Handwerkermarkts Huttwyl war ein grosser Erfolg. · Bild: Barbara Heiniger

09.07.2018
Huttwil

«Gehabt euch wohl …»

Der historische Handwerkermarkt mit mittelalterlichem Spektakel fand auf dem Areal vom Spycher Handwerk in Schwarzenbach, Huttwil, statt. Dank grossem Wetterglück und sehr vielen Besuchern war der Anlass ein riesiger Erfolg.

Zwei Tage lang liessen Hunderte Mitwirkende die Zeit aus vergangenen Jahrhunderten aufleben. Spannend für die Besucherinnen und Besucher waren die verschiedenen Handwerksvorführungen. An über sechzig Marktständen konnten die Besucher den Ausstellenden bei der Arbeit zusehen. Seit Beginn des historischen Handwerkermarkts war das vom Veranstalter Pro Regio Huttwil eine Bedingung an die «Marktfahrer», ihr Handwerk zu zeigen. Diese liessen sich gerne über die Schulter gucken.
Mit den einfachsten Mitteln entstanden Gebrauchsgegenstände oder Kunst der verschiedenen Epochen. Auch ein Blick weit in die Vergangenheit konnte getan werden. Rund 10 000 Jahre zurück bei André Schnellmann, alias «Hubertus». Er zeigte, wie in der Mittelsteinzeit zum Beispiel die «Hirngerbung» oder «Feuersteinbearbeitung» gemacht wurde.
Dass eine «Fibel» die Sicherheitsnadel im Mittelalter war, erklärte der freie Wikinger Michael Berger. Bei der Seifensiederin gab es «Drachenblut», «Blumenmeer» und sogar «Seidenseife» zu entdecken.
In der Salberey, wo selber Salben gemacht werden konnten, waren sowohl Lavendel und Beinwell als auch die Blacke ein Thema. Prächtige Kämme hatte es aus Horn. Aber auch Hölziges, Steiniges, Flachsiges, Wolliges und Lederiges gab es in Hülle und Fülle. Dazu natürlich auch die Gutenberg-Druckerei oder die Kalligrafie, welche bereits im Mittelalter die Neuigkeiten auf Papier brachten.

Mäuseroulett, Falkenflüge und Korbkarussell
Für Spannung und Vergnügen war unter anderem beim «Mäuse-Roulette» gesorgt. Genau nach den Vorschriften des Tierschutzes wurden die «Prinzessin» und ihre Artgenossinnen gehalten. Sie arbeiteten aber gerne auch sonntags und liessen sich nicht beeinflussen, in welches Handwerkerhaus sie schlüpften und damit einen Sieger, der auf sie gesetzt hatte, glücklich machten. Eindrücklich waren die Falkenflüge der Erlebnisfalknerei. Die Falknerei ist eine der ältesten Beziehungen zwischen dem Menschen und den Greifvögeln. Schon vor mehr als viertausend Jahren wurde sie betrieben. Spass und Vergnügen pur wurde beim handgetriebenen Korbkarussell erlebt. In vier geflochtenen Körben die Runden zu drehen war ein spezielles Highlight. Das erste und einzige seiner Art in der Schweiz ist aus ökologischer Sicht nicht zu übertreffen. Viele weitere Attraktionen waren speziell für Kinder ein grosses Erlebnis, so beispielsweise die «Tjostbahn» mit dem hölzernen Pferd.
Hunger und Durst konnte das Volk in der Schenke bei «Spys und Trunk», aber auch an diversen Ständen stillen.
Diverse Kämpfe mit Speer, Schwert und Schild, dazwischen die Auftritte von Gauklern, Tänzern sowie «Musikussen» mit historischen Instrumenten, boten immer wieder kulturelle Attraktionen. Die Besucher wurden dabei unter anderem zum gemeinsamen Tanzen eingeladen.

Tagesbesuch vom Hochmittelalter
Verschiedene «Zeitzeugen» waren anwesend. Die Wikinger und die Alemannen waren vertreten, und als Spätmittelalterliche präsentierte sich auch der Mittelalterverein Bern. Als «Georg von Ehrendingen» stellte sich ein schön gewandeter Ritter vor, der mit seiner edlen Dame durch den Markt schritt und sich dem Volke präsentierte. «Wir stammen von den Gewappneten Freyen. Dies ist eine Lagergruppe, die seit einigen Jahren den Zeitraum vom Ende des 13. bis Mitte 14. Jahrhunderts mit all seinen Facetten repräsentiert. Wir machen heute nur einen Tagesbesuch in Huttwyl, treffen da zahlreiche liebe Bekannte und geniessen das Beisammensein», erklärte «Georg von Ehrendingen». «Heinrich von Farnstein» und sein lustiger Kollege «Juan Ramos» waren zwei von unzähligen Wachtleuten, die am historischen Markt den Eingang bewachten. «Das Beeindruckende am ganzen Anlass ist immer wieder die friedliche Stimmung, welche auf dem ganzen Areal herrscht. So viele Leute, die sich treffen, und es gibt dabei keine Probleme», stellte Walter Rohrbach, der Markterfinder, dankbar fest.
Gab es nicht gerade Schaukämpfe oder Vorführungen, lag ein Hauch von leichtem und fröhlichem Leben aus vergangener Zeit über dem prächtigen historischen Markt. Bereits ist die nächste Auflage geplant. Dem Volke wurde zum Abschied an der Holztafel verkündet «Gehabt euch wohl bis zum 6. und 7. Juli 2019».

Von Barbara Heiniger

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