• Reto Reist referierte in Huttwil zum Thema «Generation Y». · Bild: ljw

30.05.2018
Huttwil

«Generation Y» im Sog der «Work-Life-Balance»

Am Huttwiler Wirtschaftsanlass sprach Reto Reist, CEO von Moser-Baer AG in Sumiswald, zur «Generation Y», den jungen Menschen der Jahrgänge 1980 bis 2000. Reto Reist, selbst ein «Y-er», sieht aus Sicht des Arbeitgebers viele Vorteile der «fragenden Generation» und hält – bezüglich seines eigenen Firmenmanagements – vor allem eines fest: Mitarbeitende müssen in Unternehmensentscheidungen einbezogen werden.

Kaum je zuvor waren soviele Teilnehmende zum Huttwiler Wirtschaftsanlass erschienen wie vorgestern Dienstagabend. Im Städtlisaal des Hotels Kleiner Prinz mussten von den Organisierenden, Gemeinderat Huttwil und Arbeitsgruppe Standortmarketing Huttwil, zusätzliche Tische und Stühle gebracht werden. «Generation Y – Mitarbeiter aus der Region gewinnen, fördern und binden» war das Thema; generationenübergreifend aber schien das Interesse.
«Selbstverwirklichung und Sehnsucht danach, glücklich zu werden, sind die wichtigsten antreibenden Kräfte der Generation Y», zitierte der Huttwiler Gemeindepräsident Walter Rohrbach die Sachbuchautorin Kerstin Bund aus deren Buch «Glück schlägt Geld». An den Gastreferenten Reto Reist aber richtete er vor allem die Frage: «Wie Mitarbeitende aus der Region gewinnen, fördern und binden?»

Mit Freude an der Arbeit
Reto Reist beschrieb kurz die prägendsten Charakteren der aktiv im Erwerbsleben stehenden Generationen. Die «Babyboomer» aus den Nachkriegsjahren 1955 bis 1969, strebsam und leistungsorientiert, mit christlichen Werten, zukunftsgläubig. Die Generation X, die «Schlüsselkinder», mit hohem Bildungsniveau und ausgeprägtem Konsumverhalten, oft ohne berufliche Erfüllung, mit privater individueller Ausrichtung und alternativen Lebensentwürfen. Die Genera-tion Y, gut ausgebildet und im jugendlichen Alter digital sozialisiert, mit technikaffinem Lebensstil, Freude an der Arbeit, Selbstverwirklichung und lieber in Teams arbeitend als in einer Stufenhierarchie. Gefolgt dann von «Z», 2000 bis 2010, den Individualisten, mit geringer Bildungsbereitschaft, streben nach Anerkennung, nach Status und Karriere.
Und schliesslich die ganz Jüngsten, die «Alphas», deren biologische und soziokulturelle Generation erst prophezeit werden kann. Die «Scroller-Generation», in welcher Kleinkinder noch bevor sie sprechen können auf dem Smartphone von Mama und Papa die Bilder finden. «Eine spannende, aber auch bedenkliche Entwicklung», wie Reto Reist definierte.
Zurück aber zur Generation Y bezeichnete er diese als die «fragende Generation», die suchende, die Egotaktiker. Unsicherheiten und der Umgang mit Krisen, weder privat noch geschäftlich, sei kein Problem, werde gut bewältigt; die Work-Life-Balance stehe im Vordergrund. Im Arbeitsmarkt
seien diese Leute äusserst wertvoll, mit vielen guten Eigenschaften. Die Globalität trage viel dazu bei. «Es ist die internationalste, örtlich flexibelste und vielsprachigste Generation, die je den Arbeitsmarkt betreten hat», stellte der CEO eines Unternehmens mit weltweit 375 Arbeitskräften, 120 davon in Sumiswald, fest. Wichtiger als Status und Prestige sei die Freude an der Arbeit – intensives Arbeiten und lebenslanges Lernen inbegriffen.
Mobatime in Sumiswald erfreut sich vieler langjähriger Mitarbeitenden und verhältnismässig tiefen Fluktuationen. Spannende internationale Tätigkeiten in verschiedenen Kulturen und Sprachen würden viel dazu beitragen, hielt Reto Reist fest. Motivierte Mitarbeiter würden mit Weiterbildungen gefördert, flexible Arbeitsmodelle seien heute Bedingung. Und: «Die Mitarbeiter brauchen einen Arbeitsinhalt mit Sinn. Sie müssen in Betriebsentscheidungen mit einbezogen werden. Arbeiten als gesamtes grosses Team, welches das Unternehmen weiterbringen will, ist das A und O; es würde nicht funktionieren, wenn den Mitarbeitenden Entscheidungen vorgesetzt würden, hinter denen sie nicht stehen können. Sie wollen verstehen, was dahinter steckt.» Hingegen könne sich unter anderem negativ auswirken, dass das Technikum von Burgdorf abgezogen werde, dass immer mehr Fachschulen zentralisiert würden: «Wenn der Bildungspool abwandert, wird es kritisch. Die Tendenz ist da, dass junge Arbeitskräfte sich in der Region niederlassen, wo sie ihre Bildung und damit auch ihr Kollegium finden.» Die Fragen aus dem Publikum widerspiegelten das grosse Interesse an Reists Worten. Trotz begrenzter Zeit und dank einem etwas gesprengten Zeitrahmen kam es zu spannenden Fragen und Antworten. Walter Rohrbach bedankte sich beim Gast für das gehaltvolle Referat, aber auch dafür, was er in Sumiswald und auf seinen vielen Reisen für die Region leiste.

Gegen den Leerwohnungsbestand
Gemeinderat Marcel Sommer informierte kurz über die aktuellen Aktivitäten in der Arbeitsgruppe Standortmarketing. Im Mittelpunkt der Bemühungen stehe der imageschädigende Wohnungsleerstand, dem die Gruppe entgegenwirken wolle. Dies mit einem neuen Image-Film, der einem breiten Publikum abgegeben werden könne; mit einer Präsentationsmappe für Neuzuzüger, aber auch mit andern Auftritten wie kürzlich an der Eigenheimmesse in Bern, wo man den Besuchern eine Image-Broschüre gezeigt und ein «Give-away» mitgegeben habe. «Wir haben sehr gute Feedbacks erhalten.» Zudem solle ein Konzept erstellt werden für Firmenbesuche.
Beim delikaten Apéro wurde die Gelegenheit gut genutzt, die angeregten Diskussionen weiterzuführen.

Von Liselotte Jost-Zürcher

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