• Blick auf die Baustelle im Brand, Rohrbach. Zahlreiches Volk liess sich am Samstag die Hochwasserschutzmassnahmen erklären. · Bild: ljw

  • Kiddy Dome – ein europaweites Pilotprojekt.

18.10.2018
Oberaargau

Grosse Werke für die Öffentlichkeit

Zahlreiches Volk benützte am letzten Samstag die Gelegenheit, die drei Grossbaustellen des Regionalen Hochwasserschutzprojekts Langeten zu besichtigen und sich vor Ort von Fachleuten führen und informieren zu lassen. Grossandrang herrschte insbesondere im Rohbau des Kiddy Domes in Rohrbach, wo das werdende Swiss Family Center vorgestellt wurde, wo aber auch ein Informationszentrum für alle Baustellen eingerichtet war.

 

Huttwil / Rohrbach / Kleindietwil · «Ich bin stolz darauf, dass Markus Bösiger bei uns im schönen Rohrbach etwas so Verheissungsvolles wie den Kiddy Dome realisiert. Das Projekt ist gut durchdacht; der Bau fügt sich in die Landschaft ein, und die Lage ist äusserst ideal für Familien aus nah und fern», freut sich die Rohrbacher Gemeindepräsidentin Elisabeth Spichiger im Gespräch mit dem «Unter-Emmentaler». Dieses findet im Erdgeschoss des Rohbaus statt, wo ab nächsten Frühling fröhliche Kinderstimmen und Stimmen junger Entdeckerinnen und Entdecker hallen werden. Der moderne Erlebnispark auf kompaktem Raum ist in dieser Kombination einmalig in Europa und hat das Potenzial, dem Oberaargau und auch dem Dorf selbst neuen Bekanntheitsgrad zu verschaffen.
Er wird von der Kiddy Dome Swiss AG Rohrbach betrieben. Hinter den Betreibern steht viel Erfahrung von deutschen Fachleuten, die Ideen in verschiedensten Freizeitpärken Europas gesammelt haben, bei den Umsetzungsmöglichkeiten jedoch sämtliche neusten Erkenntnisse und auch die Realisierung von neuen Anlagen einbeziehen (siehe Kasten).
Die östliche Gebäudemauer des Kiddy Domes ist ein Teil vom Regionalen Hochwasserschutz-Projekt Langeten, dem Rückhaltedamm Brand – für den Tag der offenen Baustellen eine ideale Voraussetzung, um die Präsentation des werdenden Kiddy Domes und des baulich fortgeschrittenen Hochwasserschutzes zu kombinieren.
Ein gut benutzter Shuttlebus frequentierte laufend zwischen den Baustellen in Huttwil, Rohrbach und Kleindietwil. Überall zeigten die Fachleute mit viel Herzblut, dass es sich beim grossräumigen Hochwasserschutzprojekt um kein gewöhnliches Bauprojekt handelt. Baulich herausfordernd, jahrelang geplant und nun breit abgestützt auch von der Bevölkerung, soll es Katastrophen, wie eine 2007 geschah, künftig vermeiden helfen.
Mit viel Freude und Begeisterung zeigten die Fachleute direkt an den Baustellen, aber auch anhand zahlreicher detaillierter Pläne, die geplanten und die bereits realisierten Arbeiten. Viel Freude bereitete es den Kindern, wenn sie selbst – natürlich unter Aufsicht! – auf einen Bagger sitzen und diesen «bedienen» durften. «Es wird für den Buben unvergesslich sein», freut sich ein stolzer Grossvater, nachdem er den strahlenden Enkel wieder in Empfang genommen hat.
Vor rund einem Jahr begann in Tschäppel, Huttwil, der Bau des Durchlasslaufwerks, im Frühjahr dann des 300 Meter langen Erddamms und parallel dazu die Massnahmen in den Gemeinden Rohrbach und Kleindietwil (der «Unter-Emmentaler» berichtete). Der trockene Sommer unterstützte die Unternehmen und Bauleute beim zügigen Vorwärtskommen der komplexen Arbeiten. Der Erddamm in Tschäppel ist zu gut 30 %, das heisst zwischen 1 und 1,5 m aufgeschüttet – Schicht für Schicht, jede genau mit der Beschaffenheit, die sie nach Vorschrift haben muss. «Es ist wichtig, dass wir die Transportwege möglichst kurz halten, das Erdmaterial möglichst in der Region beschaffen – und dies genau zum richtigen Zeitpunkt umlagern, um damit Mehrkosten und Mehraufwand zu vermeiden», erklärt Hans Mathys, Gemeinderat von Huttwil Ressort Bau und Mitglied des Steuerungsausschusses Regionales Hochwasserschutz obere Langeten, gegenüber dem «UE». Zudem sind hier die Arbeiten am Bachauslauf in vollem Gange, und die Metallkonstruktion für den Rechen oberhalb des Einlaufwerks ist eingebaut.

Strenge gesetzliche Auflagen
«Mit dem Bau sowohl der Erddämme in Huttwil und Kleindietwil als mit der Betonsperre in Rohrbach unterstehen wir dem Bundesgesetz für Stauanlagen. Das heisst, wir müssen Sicherheitsstandards wie zum Beispiel für die Staumauern Grand Dixence, Grimsel oder Mattmark erfüllen», ergänzt der ebenfalls im Steuerungsausschusses sitzender Huttwiler Ingenieur Roger Flückiger, welcher als Gesamtkoordinator Hochwasserschutz Langeten amtet.
In Huttwil steht parallel zu den laufenden Arbeiten in Tschäppel der Bau des Schwemmholzrückhalterechens in Nyffel bevor; Baubeginn wird noch in diesem Herbst sein. Ebenfalls diesen Herbst beginnt die Realisierung der ökologischen Ausgleichsmassnahmen in der Lochmühle. Für den Bau der Ammon-Brücke in der Häbere liegen die Gesuchsakten zurzeit beim zuständigen Ingenieur, der das Detailprojekt ausarbeitet. Der Baubeginn erfolgt, sofern alles nach Wunsch verläuft, in rund einem halben Jahr.

«Pistenbully» im Einsatz
In Rohrbach (Brand) sind die Hangsicherungsarbeiten auf der anderen Seite der Langeten abgeschlossen. Zurzeit ist die Abtragung des felsigen Bachbetts im Gang. In Kürze wird die zweite Bauphase mit den Betonarbeiten für die Betonsperre starten. Unterhalb der Betonsperre ist eine Beruhigungsstrecke vorgesehen, damit der Schwung des heraustosenden Wassers bei einem allfälligen Überlastfall abgeschwächt wird. Zirka im Februar wird die Langete in das definitive Bachbett umgelegt und der zweite und abschliessende Teil der Betonrückhaltemauer erstellt. Nach dem Bau des Abschlussdamms zirka im Mai 2019 erfolgen die Rückbauarbeiten.
Für die Bearbeitung des Oberbodens, oberhalb des Erddammes, wurde in Kleindietwil ein Pistenfahrzeug, der «Pistenbully», benützt. «Was im Schnee funktioniert, bewährt sich auch auf dem Erdboden sehr gut. Niedriger Bodendruck und die sehr guten Schub- und Nivelliereigenschaften sind der Vorteil, um eine gute Modellierung und Fruchtfolge zu gewährleisten», stellt Roger Flückiger fest.
Im unteren Teil der Engermatte, oberhalb der Garage Käser, sind die Gerinneausweitungen und Uferarbeiten abgeschlossen. Nun folgen die Arbeiten bachaufwärts. Eben wurde die Baupiste mit Zufahrt über den Steffenweg erstellt. Das gesamte Hochwasserschutzprojekt wird im Laufe des Jahres 2020 abgeschlossen sein. Der Tag der offenen Baustellen hat viel Volk für die wichtigen, unumgänglichen und komplizierten Hochwasserschutzmassnahmen sensibilisiert. Sie sollen die Bevölkerung im oberen Langetental vor einem Jahrhundert-Ereignis schützen. Tendenzen lassen darauf schliessen, dass vermehrt verheerende Hochwasser auftreten und «Jahrhundert-Ereignisse» nicht mehr hundert Jahre auf sich warten lassen.

Oberes Langetental · Das Hochwasserschutzprojekt auf einen Blick
Das 14,67 Millionen Franken teure Gesamtprojekt zieht sich über eine Länge von gegen acht Kilometern hinweg und umfasst fünf grössere Baustellen: Das erwähnte Einlaufbauwerk mit Bachauslauf und den Erddamm für die Langete bei Tschäppel (Huttwil), den Schwemmholzrechen am Nyffelbächli in Huttwil, den Neubau der Ammon-Brücke in der Häbere, das Rückhaltebecken mit Betonsperre im Brand, Rohrbach, sowie der Gerinneausbau mit Objektschutzmassnahmen in Kleindietwil über eine Länge von rund 400 Metern. Und: «Was wir der Natur mit dem Bau der Sperren wegnehmen, geben wir ihr zurück», so der
Gesamtkoordinator Roger Flückiger. Dies ebenfalls als Bedingung für die
Erwirkung der Subventionen von Bund und Kanton. Vorgesehen sind zwei
ökologische Ausgleichsmassnahmen in Huttwil und Madiswil. In Huttwil wird das Bachgerinne in der Lochmühle, unterhalb von Strasse und Bahngeleise,
aufgewertet und fischgängig gestaltet. In Madiswil wird in der stillgelegten Kiesgrube an der Melchnaustrasse ein Biotop angelegt.
Unser Bild: Blick auf die Stahlgerüste des Kiddy Domes, im Hintergrund die Hangsicherung für das Hochwasserschutzprojekt und die Einsparung für die Betonsperre, mit deren Bau in Kürze begonnen wird.

Rohrbach · Kiddy Dome – ein europaweites Pilotprojekt
Bereits läuft die Werbung auf Hochtouren – der Kiddy Dome im Rohrbacher Brand nimmt Form an. Hier entsteht eine europaweit einzigartige Familienerlebniswelt, die grösste in der Schweiz, das grösste «Spielzimmer» Europas. Das Angebot richtet sich an Kinder von 2 bis 12 Jahren, an Teenies ab 12 Jahren, aber ebenso an Eltern und Begleitpersonen, für die es bequeme Lounges geben wird. Dabei fehlt auch ein Kleinkinderbereich nicht. «Man muss sich bewegen!», ist das Credo der Betreiber für die Hauptzielgruppen Kinder und Teenies. FreeJump, Schnitzelgrube, Ninja Parcours, Dodgeball, Jump Tower, Europas grösster Donutglider (die 80 m lange Rutsche), das Mega-Klettergerüst, der Kletter-Vulkan, die Dschungel-Themenwelt … Einmalig ist neben der Kombination auf kompaktem Raum auch die Tatsache, dass eine fast komplette Übersicht über die Angebote auf 6000 m2 Fläche herrschen wird. Das heisst, die insgesamt 17 Spiel- und Bewegungsstationen sind akustisch getrennt, nicht aber optisch. Das Gebäude ist völlig kindersicher abgeschlossen; kein Kind kann unbeaufsichtigt das Areal verlassen. Von der «In Front-Küche» (mit Sichtfläche) kann die gesamte Gastronomie auf mehreren Stockwerken versorgt werden, unter anderem auch Events und private Kindergeburtstage, die hier dereinst in abtrennbaren Räumen durchgeführt werden können. Elternlounge, Männerzimmer, absolute Wohlfühlatmosphäre mit Dschungelwelt, und im Dachstock mit Sternenhimmel und Effektbeleuchtung sind weitere Teile des Angebots. Elektronische Bezahlung mittels Batch soll das Konsumieren vereinfachen. Anfangs 20 bis 30, später, wenn er angelaufen ist soll der Kiddy Dome bis 50 Arbeitsplätze mit sich bringen. Und anlaufen, auf Hochtouren kommen soll er, wird er. «Wir sind zuversichtlich, dass das tolle Angebot von Familien aus nah und fern benützt wird. Unser Ziel ist es, dass alle, die den Dome verlassen, sagen: ‹Das war genial!›. Und wir wollen auch die richtige Kombination zwischen Wirtschaftlichkeit und den Preisen, die Familien sich leisten können, finden», sagt der erfahrene Dustin Schaber, vertretungsberechtigter Geschäftsführer der deutschen Firma Sportpark GmbH & Co., gegenüber dem «Unter-Emmentaler». Sportpark GmbH & Co. steckt hinter Kiddy Dome Swiss AG, der Betreiberin der neuen Familien-Erlebniswelt. Der Kiddy Dome wird im Frühjahr 2019 eröffnet.

Von Liselotte Jost-Zürcher

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