• Mei Rettenmund, Präsidentin Bibliothek Huttwil, mit dem bekannten Schauspieler, Kabarettist und Vorleser Hanspeter Müller Drossaart. · Bild: Barbara Heiniger

03.04.2017
Huttwil

Hanspeter Müller-Drossaart zu Gast im Städtli

Mit der Lesung von Hanspeter Müller-Drossaart unter dem Titel «Walz & Stör» bot die Bibliothek Huttwil ein spezielles Erlebnis. Der bekannte Schauspieler, Kabarettist, Vorleser und Multitalent überhaupt verstand es hervorragend, das Publikum zu begeistern. Vorgängig fand die ordentliche Hauptversammlung der Bibliothek Huttwil statt.

Stimmig war das Ambiente im «Grotto Ticinese», Huttwil, am Leseabend. Auf dem kleinen Tisch stapelten sich Bücher, und die Lampe gab einen heimeligen Schein. Der bequeme Stuhl allerdings blieb unbenutzt; der Gast las stehend.
Hanspeter Müller-Drossaart wurde im September 1955 im Kanton Obwalden geboren. Nach seiner Ausbildung zum Schauspieler und Theaterpädagogen an der Schauspiel-Akademie Zürich war er Ensemble-Mitglied beim Theater am Neumarkt Zürich, am Schauspielhaus Zürich und am Wiener Burgtheater.
Seit 2004 ist er freischaffender Schauspieler und in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen, aber auch als Sprecher tätig. Bekannte Rollen waren unter vielem anderen in «Sennentuntschi» und die Figur des Berner Stadtoriginals «Dällebach Kari», die er im gleichnamigen Musical und im Spielfilm «Eine wen iig» von Xavier Koller verkörpert. Zum 60. Geburtstag trat er im Herbst 2015 mit «zittrigi fäkke» als Mundart-Lyriker an die Öffentlichkeit.

«So lang dass das chasch läse blibsch hie u ou am Läbe»
Hanspeter Müller-Drossaart verstand es bestens, die einzelnen Dialekte in «Walz & Stör» zu interpretieren. So war Franz Hohlers «Herbstgedicht» zu hören, aber ebenso schöne berndeutsche Literatur von Ernst Eggimann. Humorvoll und verspielt wurde unter anderem auch die tragische Geschichte von «Ein Taschenkrebs und ein Känguru» (Joachim Ringelnatz) erzählt. In «Walliserditsch» interpretierte Hanspeter Müller-Drossaart «Shaksespeare und Marti» und stellte dabei fest, «so lang dass das chasch läse blibsch hie u ou am Läbe». «Läse – dür Büecher stägere wie dür Landschafte» war ein Genuss.
Mit grosser Redekunst wusste der Schauspieler und Literat die Vorurteile von Oberaargau und Emmental zu definieren. Zitierte aber auch ganz fehlerfrei Mundartexte von Ernst Burren und «Inslä vom Glück» aus der frechen Feder von Stefanie Grob. Texte von Peter Bichsel, Pedro Lenz und Anderen mehr waren im spannenden, abwechslungsreichen Programm zu hören. Aus seinem eigenen Werk «zittrige fäkke» trug Hanspeter Müller-Drossaart Gedichte in Obwaldner Mundart vor.  Nach dem «Chrippespiel» stellte er fest: «Bevors mi het gäh, hetts mi Millione vo Jahr nid gäh u das isch ömel o gange».
Mei Rettenmund, Präsidentin Bibliothek Huttwil, stellte daraufhin fest «es wäre o gange, aber vilicht wärs nid so schön gsi». Sie dankte Hanspeter Müller-Drossaart ganz herzlich für die wunderbare Lesung.
 
«Dem Haus eine Seele geben»
Die vorgängige Hauptversammlung der Bibliothek Huttwil stellte Mei Rettenmund unter den Ausspruch «Einem Haus eine Bibliothek hinzuzufügen heisst, dem Haus eine Seele zu geben» von Marcus Tullius Cicero.
Die grosse Herausforderung für den Vorstand war die noch nicht genau voraussagbaren finanziellen Auswirkungen der neuen Bibliotheksstrategie des Kantons und damit verbunden des Kulturförderungsgesetzes auf die Bibliotheksfinanzen.
An der ausserordentlichen Hauptversammlung wurde die Erhöhung des Mitgliederbeitrags um zehn Franken beschlossen. Dies soll die Aktualität und Attraktivität des Medienbestandes sicherstellen.

Förderung für dezentrale Leseförderung
«Wir machen uns weiterhin stark für den Bibliotheksstandort in Huttwil. Leseförderung muss dezentral geschehen können; wir wollen mit unserem Angebot weiterhin unsere Leser in der Subregion bedienen und erfreuen können», sagte Mei Rettenmund. Im Namen der Bibliothek Huttwil dankte sie der Einwohnergemeinde Huttwil für den Leistungsvertrag, den Gemeinden Auswil, Dürrenroth, Eriswil, Gondiswil, Rohrbach, Rohrbachgraben, Ufhusen, Wyssachen und Zell für die freiwilligen Beiträge, den Gönnern für den finanziellen Zustupf. Den grössten Dank erhielt das kompetente, freundliche Ausleihteam. Margrit Jäggi (Leitung), Käthi Akermann, Nelly Nyffeler, Daniela Ait Salem und Franziska Heiniger leisten grosse Arbeit.
Vielfältig waren die Veranstaltungen und Aktivitäten in der Bibliothek. Von der «mobilen Bibliothek im Seniorenpark» über die «Erzählnacht» bis zum «Bastelatelier» war alles zu erleben.Das Lesejahr mit einem «Bücherkaffee» einzuläuten könnte zur Tradition werden; der Anlass sei sehr erfolgreich, so die Präsidentin. 
Ende 2016 hatte die Bibliothek 1901 eingeschriebene Leser, davon 934 aktiv. 245 neue Benutzerkarten wurden ausgestellt, 16 Schulklassen benutzten die Einführung. 2016 stiegen die Ausleihzahlen um 51 635 Ausleihen wieder etwas an. Mit 602 Ausleihen war der
4. Januar der stärkste Tag. Die Bibliothek war an 258 Tagen geöffnet.
Die Jahresrechnung 2016, abgefasst und erläutert von Kassierin Elisabeth Kohler Feldmann, schliesst mit rund 800 Franken im Plus ausgeglichen ab. Das Budget 2017 sieht mit Einnahmen von 136 705 Franken und Ausgaben von 138 700 Franken ein kleines Minus vor. Alle Traktanden wurden diskus-sionslos genehmigt.
Sandra Lambroia Groux ist die neue Vertreterin der Gemeinde Huttwil in der Bibliothek. Die langjährige Revisorin Andrea Graber wird von Brigitte Baltensperger ersetzt.
Wiedergewählt wurden die Vorstandsmitglieder Heidi Grossenbacher, Huttwil, und Elisabeth Kohler Feldmann, Eriswil.

Von Barbara Heiniger
 

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