• Im Kreuzfeld 4 wird künftig die Oberstufe beheimatet sein, einzelne Räume sollen zudem im K3 genutzt werden. · Bild: Leroy Ryser

18.08.2017
Langenthal

Hard und Elzmatte künftig ohne Oberstufe

Die Stadt Langenthal will auf das Schuljahr 2020/2021 die Oberstufe innerstädtisch neu organisieren. Während in den Schulzentren Hard und Elzmatte diese Klassen wegfallen, wird die Oberstufe im Kreuzfeld 4 zusammengeführt.

Oberstufenschüler haben heutzutage in den meisten Berner Gemeinden die Möglichkeit, in verschiedenen Fächern Schulstunden in unterschiedlichen Levels zu besuchen. Im Fach Mathematik besuchen sie dann beispielsweise die Realstufe, bei den Sprachen aber den Sekunterricht. Dieses durchlässige System wird nur in wenigen Gemeinden noch nicht praktiziert, eine davon ist Langenthal. Hier wird weiterhin in der sechsten Klasse entschieden, ob jemand Sek- oder Reallevel hat. Ein Ab- oder Aufstieg ist im Vergleich mit dem durchlässigen System etwas schwieriger, aber nicht unmöglich.
Die Diskussion rund um das durchlässige System ist einer von zwei Anstös-sen, welche die Stadt und die Volksschule Langenthal dazu bewogen hat, die Situation in der Oberstufe neu zu planen. Weil zudem Lotzwil seine Oberstufenschüler nicht mehr nach Langenthal geben will und dadurch Schüler fehlen, waren die Verantwortlichen zum Handeln gezwungen. Stadt und Volksschule stehen deshalb mitten in Planungs- und Umsetzungsphase.

Kein finanzieller Aufwand
Vorgesehen ist bereits jetzt – und dabei bedarf es keiner weiteren politischen Zustimmung –, dass die Oberstufe künftig an einem Ort zentral durchgeführt wird. Umgesetzt werden soll das dann innerhalb einer Umstellungsphase von zwei Jahren auf das Schuljahr 2020/2021 hin. Die Elzmatte und das Hard, die derzeit je eine Realklasse pro Stufe führen, werden jene Klassen dem Kreuzfeld «abgeben». Dafür sollen in allen Schulzentren die Primarklassen besser verteilt werden. Während auf einzelnen Stufen derzeit nur eine Klasse pro Schulhaus geführt wird, sollen künftig in jeder Schule mindestens zwei Klassen pro Schuljahr stationiert werden. Das bedarf einer Umorganisierung der Verteilung der Kinder, die bereits vor zwei Jahren gestartet hat.
«Der Entscheid über die Platzierung eines Kindes liegt bei der Stadt. Da gibt es kein Wunschkonzert», betont der Langenthaler  Gemeinderat Matthias Wüthrich. Das sei bisher so gewesen und werde auch so bleiben. Bei der Verteilung werde aber darauf geachtet, dass Familien nicht getrennt werden und alle Kinder im gleichen Schulhaus zur Schule gehen können. «Das ist wichtiger als die Tatsache, ob ein Schulweg 200 Meter länger oder kürzer ist», so der Grüne Gemeinderat weiter. Diese Änderung habe kaum finanzielle Investitionen zur Folge, sondern lediglich Aufwand administrativer Art für die Veränderung. Der grösste Vorteil dieser neuen Einteilung sei die Chancengleichheit, informiert Soraya Taibo, die Beauftragte für Bildung, Kinder und Jugend der Stadt Langenthal. Diese bestehe derzeit nicht, weil einzelne Schulhäuser in Punkto Infrastruktur besser ausgestattet seien als andere. Das Kreuzfeld vier, in welchem die Oberstufe derzeit zum grössten Teil geplant ist, sei gut ausgerüstet. «Zudem ist der Austausch zwischen Lehrpersonen sehr wichtig. Wenn nur eine Klasse pro Stufe in einem Schulhaus vorhanden ist, fehlt dieser Austausch.»

Sechs Jahre am gleichen Ort
Ausserdem wird mit dem neuen System eine «ruhige» Schullaufbahn ermöglicht, mehrere Wechsel innerhalb einer Schulkarriere sollen vermieden werden. «Das Ziel ist es, dass Kinder bis zur sechsten Klasse an einem Ort bleiben können», so Soraya Taibo weiter. Mit dem Übertritt in die Oberstufe sind die Veränderungen sowieso gross, da sei Schulwechsel weniger drastisch als noch im jüngeren Kindesalter.

Veränderungen auch vor Schuleintritt
Die Neuorganisation der Oberstufe dürfte aber nicht die einzige Veränderung in der erweiterten Schulplanung bleiben. Aktuell wird auch über eine mögliche Zentralisierung der Kindergärten und der derzeit drei Tagesschulen debattiert. Hier werden von der Volksschulkommission Vorschläge erarbeitet, die der Politik vorgelegt werden. «Aktuell sind die Kindergärten dezentral organisiert. Wenn wir die Kindergärten in die drei Schulhäuser integrieren wollen, werden mit Sicherheit finanzielle Kosten entstehen, weil es aktuell noch keine dafür passenden Räume gibt», informiert Armin Flückiger, Schulleiter der Kreuzfeldschulhäuser 1–3. Bevor die Detailplanung in diesem Bereich starten kann, wird die Politik einen Grundsatzentscheid – zentral oder dezentral – fällen müssen. Dieser wird im Jahr 2018 erwartet. zDer zweite Grundsatzentscheid – ob künftig auch die Stadt Langenthal ein durchlässiges System in der Oberstufe anbieten soll – beeinflusst die Zentralisierung der Oberstufe nicht. Egal für welches System sich die Politik entscheidet, eine Zentralisierung bringt Vorteile, finden Wüthrich, Taibo und Flückiger. Eines aber ist sicher, sagt Armin Flückiger, «für ein durchlässiges System brauchen wir kurze Wege und deshalb auch eine Zentralisierung.» Diesem Projekt schaue man positiv entgegen. Auch wenn es die Autonomie der Schulzentren abschwächt, bindet es vor allem Ressourcen und nutzt Synergien. Nachdem im Jahr 1995 die teilautonomen Schulzentren gebildet wurden, ist Langenthal mit diesem Schritt einer geeinten Volksschule wieder näher.

Von Leroy Ryser

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