• Regierungsrat Christoph Neuhaus mit Stadtpräsident Reto Müller als Fritz Schneeberger und Burgerpräsident Marc Howald als Dr. David Marti (von links). · Bild: Irmgard Bayard

11.09.2017
Langenthal

«Heute sind wir gleichwertige Partner»

Der vor 150 Jahren abgeschlossene Ausscheidungsvertrag zwischen der Burgergemeinde und der Einwohnergemeinde Langenthal hat im Gemeinwesen vieles verändert. Das Jubiläumsfest wurde zum Rück- und zum Ausblick, ganz nach dem gewählten Motto: «Aus der Herkunft wächst die Zukunft».

Das Fest anlässlich des Jubiläums «150 Jahre Ausscheidungsvertrag zwischen der Burgergemeinde und der Einwohnergemeinde Langenthal»  im Restaurant Bären war friedlich. Exponenten beider Gemeinden und die vielen Gäste unterhielten sich bestens, es wurde viel gelacht und gut gespeist. Das war nicht immer so. Denn bis der Ausscheidungsvertrag tatsächlich unterschrieben wurde, gab es einige Grabenkämpfe.
Als mit der neuen Kantonsverfassung Anfang des 19. Jahrhunderts die Einwohnergemeinden entstanden, übernahmen diese Schritt für Schritt Aufgaben der früheren Burgergemeinde, namentlich das Schul- und das Armenwesen.  Die dazu nötigen Mittel mussten sie sich von den Burgergemeinden mit Verträgen erkämpfen. Wie diese Diskussionen etwa hätten vonstatten gehen können, führten am Jubiläumsfest der heutige Burgerpräsident Marc Howald und der aktuelle Stadtpräsident Reto Müller als damalige Exponenten Dr. David Marti und Fritz Schneeberger vor. Denn die Burger wollten viel weniger abgeben, als vorgesehen, klagten und rekurrierten, bis ihnen schliesslich die Bevogtung angedroht wurde. Da es die Burger nicht so weit kommen lassen wollten, unterschrieben sie schliesslich zähneknirschend den Vertrag, der 1867 in Kraft trat.

Burgergemeinde hat ihre Daseinsberechtigung
«Heute wollen wir nicht mehr hadern», sagte Marc Howald in seiner kurzen Ansprache als Burgerpräsident. Trotzdem konnte er es nicht lassen, noch auf einige Werte wie das Choufhüsi oder den Musterplatz hinzuweisen, die sie damals abgeben mussten.
«Die Burgergemeinde gibt es immer noch, und wir werden weiter wachsen», ist er überzeugt. Zum Zeichen dafür überreichte er zwei Anwesenden ihren Burgerbrief. Zuvor hatte bereits Reto Müller versprochen, das Burgerrecht zu beantragen.

Anpassungen unausweichlich
Regierungsrat Christoph Neuhaus betonte in seiner Grussbotschaft klar, dass die Burgergemeinden auch in der heutigen Zeit ihre Daseinsberechtigung hätten. Dies, obwohl es immer wieder Bemühungen um deren Abschaffung gäbe. «Sie sind ein wichtiger Partner für Einwohnergemeinden, wenn es um Geschäfte wie die Ortplanung der Gemeinde geht», nannte er ein Beispiel.
Allerdings seien Anpassungen unausweichlich. «In diesem Sinne ermuntere ich Sie, Reformen gegenüber weiterhin offen zu stehen», rief er den Anwesenden zu. Sie seien ein komisches Paar, befand Stadtpräsident Reto Müller. «Denn es ist nicht einfach, wenn eine Beziehung mit einer Scheidung beginnt», blickte er zurück. «Es ist uns jedoch gelungen, uns als gleichwertige Partner zu finden.»

Ein gemeinsames Geschenk
Als Zeichen dafür spenden die Einwohner- wie die Burgergemeinde gemeinsam die Kunst am Bau bei der Manor-Kreuzung. «Drei Bäume und ein Kunstwerk sollen daran erinnern, wie wir uns vor 150 Jahren auf den gemeinsamen Weg begeben haben», so die beiden. Stadtchronist Simon Kuert erzählte die Geschichte der Gemälde im Traffeletsaal.
Er war es auch, der als Erzähler beim Sketch fungierte und die Gäste mit Klängen aus seinem Horn erfreute. Musikalisch wurde die Feier zudem vom Schwyzerörgeliquartett Kolibri und vom Schlagzeuger Matthias Kuert, selber Burger, und drei Freunden umrahmt.

Von Irmgard Bayard


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